Homosexualität im Fußball Hitzlsperger über damalige Freundin: "Einzige Frau"

Der Münchner Fußballstar Thomas Hitzlsperger ist der erste Ex-Nationalspieler, der seine Homosexualität öffentlich macht – es gibt Lob von allen Seiten. Er spricht auch über seine damalige Freundin.

 

München - Vier Monate hatte Thomas Hitzlsperger verstreichen lassen, um an die Öffentlichkeit zu gehen. Es war September 2013, als der 31-Jährige sein Karriereende bekanntgab, zuletzt spielte der gebürtige Münchner, der ab dem siebten Lebensjahr elf Jahre in der Jugend des FC Bayern kickte, in England beim FC Everton. Er zog sich aus der Öffentlichkeit zurück, nun sah er die Zeit gekommen: Hitzlsperger hat seine Homosexualität öffentlich gemacht, sich als erster (ehemaliger) deutscher Nationalspieler geoutet.

„Erst in den letzten Jahren dämmerte mir, dass ich lieber mit einem Mann zusammenleben möchte“, sagte Hitzlsperger im Interview mit der „Zeit“. Er sah nun „einen guten Moment“ für sein Outing, „weil ich die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern voranbringen möchte.“ Auch wegen der bevorstehenden Winterspiele in Sotchi (Russland) und der „Kampagnen mehrerer Regierungen gegen Homosexuelle“.

Für seinen Schritt erhielt Hitzlsperger viel Lob von der Bundesregierung, Bundestrainer Joachim Löw, Funktionären und ehemaligen Mitspielern. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach äußerte seine Anerkennung: „Thomas war zur seiner Zeit als Nationalspieler immer ein Vorbild, vor dem ich den höchsten Respekt hatte – und dieser Respekt ist jetzt noch weiter gewachsen.“ Löw hofft, „dass sein Bekenntnis bei uns allen zu einem entspannteren Umgang mit dieser Thematik beiträgt.“ Die Verantwortlichen der Nationalelf hätten „keine Kenntnisse von seiner Homosexualität gehabt, als Thomas noch aktiver Nationalspieler war“, sagt Teammanager Oliver Bierhoff. Hitzlsperger habe sich „erst nach seinem Karriereende an uns gewandt. Dass er sich nun auch öffentlich bekennt, verdient Anerkennung und Respekt. Ich begrüße diesen Schritt, wir werden ihm alle Unterstützung zukommen lassen, damit er seinen mutigen Weg weitergehen kann.“ Lukas Podolski twitterte: „Mutig – und richtig. Respekt, Thomas Hitzlsperger! Ein wichtiges Zeichen in der heutigen Zeit.“

Hitzlsperger bricht Tabu: "Lebe lieber mit einem Mann zusammen"

Im „Zeit“-Interview spricht er über die Beziehung mit seiner damaligen Freundin: „Sie blieb die einzige Frau für mich. Ich wollte nach ihr keine andere.“ Das Paar hatte sich nach acht Jahren kurz vor der geplanten Hochzeit getrennt.

Das Bewusstsein, homosexuell zu sein, sei „ein langwieriger und schwieriger Prozess“ gewesen, erläuterte Hitzlsperger nun. Seine Motivation: „Es gibt aber einen Unterschied zwischen Schweigen und Lügen.“ Der Profisport sei ein harter Leistungssport, „Kampf, Leidenschaft und Siegeswille sind untrennbar miteinander verknüpft“, sagte der Vize-Europameister von 2008. Das passe nicht zu dem Klischee, das sich viele Leute von einem Homosexuellen machten, nämlich: „Schwule sind Weicheier.“ Er habe sich aber „nie dafür geschämt, dass ich nun mal so bin“. Trotzdem seien die Sprüche der Kollegen nicht immer einfach zu ertragen gewesen. Er macht es anschaulich: „Überlegen Sie doch mal: Da sitzen zwanzig junge Männer an den Tischen und trinken. Da lässt man die Mehrheit gewähren, solange die Witze halbwegs witzig sind und das Gequatsche über Homosexuelle nicht massiv beleidigend wird.“ Wofür man in einem Bundesliga-Stadion keine Garantie abgeben kann, schon gar nicht bei einem Auswärtsspiel.

Für einen noch aktiven Spieler scheint die Zeit für ein Outing noch nicht reif zu sein. Von üblichen „Doppelleben“ sprach Hitzlsperger schon 2012 in einem „Zeit“-Interview. Derjenige „hat eine Freundin zum Schein und hat Angst vor den Reaktionen der Fans“. Daher glaubte er an den „sportlichen Worst Case: das Karriereende“. Schade, dies trifft wohl immer noch zu. Und das ist nicht gut so.

 

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