Hochwasser in Deggendorf München hilft den Flutopfern: AZ startet Spendenaktion

Am Tag nach ihrer Flucht sahen Maria und Martin Pfeffer ihren Hof (roter Kreis), der von einem Hubschrauber aus fotografiert worden war, in der Zeitung. Foto: Oliver Grimm/Sigi Müller

Ein Ehepaar – sie ist 80, er 77 Jahre alt – steht vor den Trümmern ihres Lebens. Ihr Hof bei Deggendorf steht unter Wasser. Wie AZ-Leser helfen können.

 

Deggendorf - Ein Dreiseithof im Deggendorfer Ortsteil Altholz: Haus, Stall, Scheune, ein wenig Land, nicht weit von der Stelle, an der die Isar in die Donau mündet, Blick auf die Stadt. 1935 haben Maria Pfeffers Eltern das Anwesen gekauft. Die 80-Jährige hat ein Leben lang hier gewohnt. Jetzt haben sie und ihr Mann Martin (77) alles verloren: den Hof, die Einrichtung, die Maschinen, die Tiere, Erinnerungsstücke aus acht Jahrzehnten – die braunen Fluten haben alles verschlungen. „Alles ist kaputt, und was noch draußen war, ist auch weg“, sagt die alte Bäuerin und ringt um Fassung.

Die Abendzeitung hat das Ehepaar in Niederbayern besucht. Die AZ geht ins Flutgebiet, um zu helfen – konkret und vor Ort. Aus den Mitteln der AZ-Spendenaktion „Münchner helfen“ finanzieren wir Geschädigten wie dem Ehepaar Pfeffer das, was für einen Neuanfang nötig ist.

Die Pfeffers sitzen auf einem Mäuerchen vor der Deggendorfer Stadthalle, dem Notquartier für die, denen nichts geblieben ist. Sie warten auf den Bürgermeister. Er hat eine Informationsveranstaltung für die Hochwasser-Opfer angekündigt. Maria und Martin Pfeffer wollen wissen, wie es nun weitergehen soll. Die Beine der tapferen kleinen Frau reichen nicht bis zum Boden, ihr Mann hat den Arm um sie gelegt.

Seit den 60er Jahren haben die beiden ihren Bauernhof gemeinsam bewirtschaftet und sechs Kinder dort großgezogen. „Wir hatten eine kleine Landwirtschaft mit Kühen und allem, was halt so dazugehört“, sagt er. „Zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel“, sagt sie. „Aber jetzt ist alles weg.“ Eine Elementarschadensversicherung hat das Ehepaar nicht. „Entweder haben wir gar keinen Vertrag bekommen, oder wir konnten ihn nicht bezahlen. Wir haben zusammen doch nicht einmal 1000 Euro Bauernrente. Da kann man keine großen Sprünge machen“, sagt Maria Pfeffer. Seit 1991 ist das Ehepaar im Ruhestand.

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Hochwasser habe es in der langen Zeit auf dem Hof immer mal wieder gegeben, erzählen die zwei: „1940 ein ganz starkes, da stand das Wasser 1,40 Meter im Haus.“ In den Jahren danach kroch die Brühe manchmal auf die Felder, hin und wieder schwappte eine Welle auch bis vor die Tür. „Aber kein Mensch hat jemals damit gerechnet, dass es einmal so hoch wird wie jetzt“, sagt Maria Pfeffer. „Nicht einmal die Feuerwehr.“

Am Montag vergangener Woche war plötzlich alles anders. Martin Pfeffer: „Da haben wir gewusst, dass es schlimm steht, weil den ganzen Tag und die ganze Nacht die Kieslaster zum Damm gefahren sind.“ Verzweifelt versuchten die Helfer den Isar-Deich zu stabilisieren. Am Dienstagmorgen gaben sie auf. „Als sie das schwere Gerät abgezogen haben, war klar: Jetzt wird's ernst. Dabei haben wir so gehofft, dass sie den Damm noch halten können.“

Um sechs Uhr früh hat ein Feuerwehrmann an der Haustür geklopft, erzählt Maria Pfeffer: „Ihr müsst's weg. Sofort! Das Wasser kommt!“ In Windeseile packten die beiden ein paar Dokumente in eine Mappe und eine Garnitur Wäsche zum Wechseln in eine Tasche. „Wir haben ja gedacht, wir kommen bald zurück.“ Dann bockten sie mit vereinten Kräften Kühlschrank, Spül- und Waschmaschine auf. „Wir zwei, beide um die 80, hätten die Geräte doch nicht in ein anderes Stockwerk tragen können“, sagt Maria. Es klingt fast wie eine Entschuldigung. Mit dem Auto flohen sie zu ihrer Tochter, die in einem höher gelegenen Stadtteil wohnt. Ihre zwölf Hühner, den Hahn, den sie gerade erst gekauft hatten, und die fünf Bauernhof-Katzen mussten sie zurücklassen. Eine Stunde später kam die Flut.

Am nächsten Tag sahen sie ihren Hof in der Zeitung, ein Fotograf hatten aus einem Hubschrauber heraus das Katastrophengebiet fotografiert: Nur noch das Dach und die oberste Etage ragen aus dem Wasser.

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Die Scheune mit Zugmaschine, Kreissäge und Holzspalter ist komplett überflutet. Den Pfeffers fehlen die Worte, um das Gefühl zu beschreiben, das dieses Bild ausgelöst hat. „Der erste Stock ist auf alle Fälle weg.“ Marias Augen füllen sich mit Tränen.

Wann das Wasser sich zurückzieht, weiß niemand. Ob die Pfeffers dann noch ein Zuhause haben, auch nicht. Aber auf eins können die Pfeffers sich verlassen: auf die Unterstützung der Abendzeitung und ihrer Leser. Ein komplett neues Heim kann ihnen der Verein „Münchner helfen“ mit seinen bescheidenen Mitteln zwar nicht finanzieren. Aber wir werden dem Ehepaar unter die Arme greifen, wenn zum Beispiel die Haushaltsgeräte wirklich ein Raub der Fluten geworden sind, Und sie beim Start in ein neues Leben begleiten, ihnen helfen.

Dabei sind wir auf Ihre Spenden, liebe AZ-Leserinnen und -Leser angewiesen, Auch kleine Beträge sind ein Zeichen der Hilfsbereitschaft: Als Maria und Martin sich von ihrem Mäuerchen erheben, entdecken sie eine Cent-Münze im Gras. „Da schau, ein Glückspfennig“, sagt Martin Pfeffer zu seiner Frau. Sie lächelt. Es geht doch weiter. Irgendwie.

Hier können Sie spenden

Wollen Sie auch dem Ehepaar Pfeffer und anderen Flutopfern helfen? Mit der Aktion „Münchner helfen“ unterstützt die Abendzeitung Bedürftige – ursprünglich in München, nun auch in den Hochwassergebieten. Ab heute werden wir Ihnen schildern, wie die Jahrhundertflut Menschen um ihr Hab und Gut gebracht hat. Und Ihnen zeigen, wie mit Ihren Spenden, liebe Leser, die nötigsten Anschaffungen ermöglicht werden. Die AZ kann für Spenden ab 201 Euro Bescheinigungen fürs Finanzamt ausstellen (Adresse nicht vergessen!). Für niedrigere Beträge gilt der Überweisungsbeleg als Bestätigung. Das Spenden-Konto des AZ-Vereins „Münchner helfen e.V.“:

Privatbank DONNER & REUSCHEL

Konto-Nr.: 333 888 333

BLZ: 200 303 00

Alle Infos zum Hochwasser gibt es auf unserer Themenseite.

 

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