Historisches in der Altstadt Den Kaiser gerettet: So kämpften die Münchner Bäcker

Diese Figur im Tal erinnert an die mutigen Bäcker, die dem Kaiser das Leben gerettet haben sollen. Foto: Haus der Bayerischen Geschichte

Tapfere Bäckersknechte sollen Ludwig dem Bayern einst das Leben gerettet haben – später wurde der Wittelsbacher Deutscher Kaiser. An die überlieferte Heldentat erinnern die Münchner Bäcker im Tal

 

Altstadt - Ludwig liegt danieder, sein Pferd ist blutend zusammengebrochen, schwer verwundet von den Pfeilen der Bogenschützen. Der König ist den Habsburgern ausgeliefert, von feindlichen Kriegern umzingelt, dem Tod nahe. Da kommen ihm im letzten Moment Münchner Bäckersknechte zu Hilfe. Sie helfen ihm auf ein anderes Ross. Er ist gerettet! Ludwig der Bayer überlebt die Schlacht von Mühldorf 1322 nicht nur, er gewinnt sie auch. Der Wittelsbacher setzt sich gegen seinen Vetter, den Habsburger Friedrich den Schönen, durch.

Weil der spätere Kaiser Ludwig von Bayern den mutigen Bäckersknechten so dankbar ist, schenkt er den Bäckergesellen das Bruderschaftshäusl im Tal 15 in der Münchner Altstadt. So sagt’s zumindest die Sage.

Weil das den Grundstock des Vermögens der Münchner Bäcker legte, sind diese Kaiser Ludwig dem Bayern heute noch dankbar. Darum hat die Bäckerinnung München und Landsberg ein Denkmal renovieren lassen, das an die Tapferkeit der Gesellen und die Schenkung des Monarchen erinnert: Die Steinfigur eines Pöckhenknechts, wie die Bäckereigesellen früher hießen, der eine Lanze trägt. Die Skulptur ist am Eck des Däntl-Hauses angebracht, das heute anstelle des früheren Bruderschaftshäusls steht.

Die Inschrift im Sockel ist erneuert und ein Riss in der Figur ausgebessert worden. Heute gehört das Haus nicht mehr den Bäckern. Die haben das Bruderschaftshäusl 1808 verkauft. 1872 wurde das Haus abgerissen, als die Hochbrückenstraße erweitert und der Mühlbach überbaut wurde. Heute hat die Bäckerinnung ihren Sitz in der Maistraße.

Die Sympathie zu Kaiser Ludwig dem Bayern haben die Brot-Handwerker aber nicht verloren. Zur Landesausstellung über den Kaiser in Regensburg haben sie sein Konterfei jetzt auch auf Bäckertüterl drucken lassen – oder anders gesagt: auf die Stranizn. Das alte Münchner Wort für die Tüterl stammt aus dem Russischen. Wer sich also demnächst bei einem Bäcker der Innung seine Brezn und Pfenningmuckerl oder, was ja auch vorkommen soll, einen Donut kauft, der kriegt es in einer kaiserlichen Stranizn.

Neben dem Häusl im Tal hat Ludwig den Bäckern übrigens auch noch erlaubt, den kaiserlichen Adler im Wappen zu führen. Das tun sie heute noch. Und dann bekamen die Bäcker auch noch das Recht, ein Schwert zu führen. Dieses Privileg wurde ihnen aber recht bald wieder genommen. Beim sonntäglichen Raufen im Wirtshaus haben es bierselige Bäckersleut wohl ein bisserl übertrieben mit dem Einsatz ihres schneidigen Vorteils.

 

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