Historische München-Bilder Foto-Schätze: Graffel, Graffiti und Abriss in den wilden 80ern

München im Wandel der Zeit: Die wilden 80er zwischen Speicherhalle und Flohmarkt. Die neuen Fotoschätze der AZ zeigen New-Wave-Mode, bunte Wandmalereien und das Ende mancher Bauten. Foto: Ulrich Handl

AZ-Leser Ulrich Handl erinnert sich mit seinen Fotos an den riesigen Flohmarkt an der Dachauer Straße 1985 bis 1988.

 

München - Manches Wochenende, damals sogar am Sonntag, habe ich auf diversen Flohmärkten verbracht. Einer der ersten war für mich in der Fallmerayerstraße, auf einem Grundstück, das neu bebaut werden sollte, und als Flohmarkt zwischengenutzt wurde, ebenso ein Gelände in Haidhausen an der Kirchenstraße.

Dann gab es ab 1984 das riesige Flohmarktgelände an der Dachauer, Ecke Schwere-Reiter-Straße, also genau das riesige Terrain zwischen Dachauer Straße und Tierklinik. Der Platz war so groß, dass man immer noch einen Platz fand, auch wenn ganze Heerscharen von Händlern aus ganz Bayern angereist waren. Es sprach sich schnell herum, dass hier ein Superplatz war, mit viel Freifläche und riesigen Hallen mit Möbelverkauf, Imbiss und Toiletten. Sogar eine Theaterhalle gab es, wo ich einmal ein Stück des PPP Theaters von Peter Pachl fotografiert habe.

Zuerst stand ich mit meinem Caravan auf der Freifläche. Dann wurde mir von Irene Kiefer die Holzhütte der Malerin Beate Passow vorgestellt. Sie hatte auf dem Flohmarktgelände ein Atelier in eben diesem freistehenden Holzhaus. Durch das Flohmarkttreiben aber konnte sie nicht mehr vernünftig arbeiten – weshalb sie mir diese Hütte zu Miete angeboten hatte. Das war natürlich ein Glücksfall für mich.

1985: Die ersten legalen Graffiti in München

Endlich konnte ich all meine Sachen dort unterbringen. Da kam es gerade recht, dass mein Freund Thomas Beese die Kleidersammlung seiner Exfrau auf dem Speicher anbot, die er unbedingt loswerden musste. So habe ich dann 1986 "Ulli’s Handlkammerl" eröffnet.

Keine 20 Meter entfernt auf den großen fensterlosen Wänden der Hallen entstanden dann 1985 die ersten legalen Graffiti in München, sogar noch vor Berlin! Im März 1985 war in Geltendorf eine S-Bahn vollständig besprayt worden – ein sogenannter "Wholetrain" –, und einer der Täter, der Schüler Matthias Köhler, wurde zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Er nannte sich fortan "Loomit" und fand in der Dachauer Straße ein riesiges Betätigungsfeld, das größte damals in Europa. Sein Marilyn-Porträt war schon von weitem ein Hingucker. Loomit hat in der ganzen Welt seine Wandbilder hinterlassen, war stilbildend für alle Graffiti-Sprayer und ist heute noch sehr aktiv und hoch angesehen in der Kunstszene.


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