Hirmer beendet Umbau Geranien und Multimedia im Herrenausstatter

Die Geranien vor den Fenstern sind immer noch das Markenzeichen von Hirmer. Außen ist das gewohnte Bild also unverändert, aber innen... Foto: Florian Zick

Hirmer hat seinen Umbau nach sieben Jahren beendet: Einiges bleibt im Traditionshaus, manches ist neu – und alles ist größer geworden.

München - Fast sieben Jahre lang hat der Umbau gedauert, am heutigen Mittwoch feiert Hirmer jetzt seine große Wiederöffnung. Nicht, dass der Herrenausstatter zwischendrin mal zugehabt hätte. Aber von 6500 Quadratmetern ist das Modegeschäft langsam auf 9000 angewachsen. „Ein Bekenntnis zu München“, nennt Geschäftsführer Frank Troch die Investitionen. Um die 30 Millionen Euro hat Hirmer in den Umbau gesteckt.

 

Allein schon beim Treppenaufgang: ein neuer Handlauf aus Ulmenholz, bronzene Gitterstäbe, eine 20 Meter hohe Multimediawand – beim Treppensteigen wird aus dem Kaufhaus ein Erlebnistempel. Vielleicht verzichtet deshalb jeder zweite Kunde auf den Aufzug.

Ebbe sollte im Geldbeutel freilich nicht herrschen, wenn man diese Stufen betritt. Das untere Preissegment ist aus dem Angebot verschwunden, Marken wie Esprit oder S. Oliver sind in den Reihen nicht mehr zu finden. Hirmer konzentriert sich jetzt ganz auf gehobene Qualität – nach oben in den Luxusbereich sind die Grenzen offen.

Troch ist mittlerweile seit 15 Jahren Geschäftsführer bei Hirmer. Über Zahlen redet er nicht gerne. Nur so viel: Geschäftlich habe es ganz gute Jahre gegeben – und sehr gute. Daran haben auch Zalando und all die anderen Versandhändler im Internet nichts geändert. Trochs Theorie dazu: Der Mann ist immer noch ein Jäger, der seine Beute vor sich sehen muss. Auf dem Bildschirm geht das nicht so gut.

Der Durchschnittskunde bei Hirmer ist Mitte 40, verdient gut, und gönnt sich modisch gerne mal etwas. Unter 25 schaut kaum einer bei Hirmer vorbei. Das liege am Preisniveau des Hauses, sagt Troch. „Wir sind nicht die günstigsten – dafür bieten wir hier besonderen Service.“

AZ: Herr Troch, jetzt haben Sie so viel Geld investiert – und das, woran man Hirmer erkennt, sind immer noch die Geranien vor den Fenstern.
Frank Troch: Das ändert sich auch nicht, die bleiben hängen, die sind ein Symbol für unser Haus. Wegen der Geranien sind wir auch eines der meistfotografierten Motive in München. Die Blumenkästen sind für uns nicht zopfig, sondern Tradition.

Und deshalb beschäftigen Sie auch eine hauseigene Geranien-Gärtnerin.
Es gibt tatsächlich eine Mitarbeiterin, die hat einen grünen Daumen und pflegt die Geranien. Am Haus hängen ja auch 383 Blumenkästen mit über 2000 Pflanzen, da ist man schon gut beschäftigt. Zweimal die Woche muss man die verwelkten Blüten abzupfen, sonst kommen keine neuen nach.

Ist das Geranien-Kontingent mit dem Haus mitgewachsen?
Ja, die ganze Passage in der Liebfrauenstraße entlang. Wir waren erst skeptisch, ob die Pflanzen an der Nordseite überhaupt überleben, aber sie tun’s.

Herr Troch, wie lange brauchen Sie eigentlich morgens, bis ihr Outfit steht?
Längstens fünf Minuten.

Was sind Ihre modischen Grundsätze?
Ich würde mich als modernen Klassiker beschreiben. Ich trage in aller Regel einen schmal geschnittenen Anzug, weißes oder blaues Hemd, dazu eine leicht freche Krawatte und Einstecktuch.

Was muss man den Leuten modisch denn ausreden?
Es gibt in Deutschland vom Typ her kaum Männer, die einen beigen Anzug anziehen können. Bei einem Italiener schaut das immer toll aus. Aber die meisten Deutschen sehen darin furchtbar blass aus, so als hätten sie gerade eine lange Krankheit hinter sich.

Die Ehefrauen schaffen das nicht?
Doch klar. 80 Prozent der Männer, die bei uns einkaufen, werden ohnehin von ihren Partnerinnen begleitet. Und ganz ehrlich: Meistens ist es so, dass die Männer sich ihre Wunschkleidung raussuchen. Was am Ende gekauft wird, das entscheiden dann aber  immer noch die Frauen.

 

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