Hier wurde Röhm verhaftet Zoff ums Nazi-Hotel: Mieter will nicht ausziehen

Clemens Hagen.
Heruntergekommen: das Hotel Lederer an der Wiesseer Uferpromenade. Foto: Klaus Wiendl

Das Hotel Lederer in Wiessee, wo Hitler einst SA-Chef Röhm verhaften ließ, soll abgerissen werden - aber ein Mieter will nicht raus.

Bad Wiessee - Eine Provinzposse allererster Güte spielt sich derzeit in Bad Wiessee am Ufer des schönen Tegernsees ab - an historischer Stätte. Hauptdarsteller ist ein Gebäude: und zwar das Hotel Lederer am See, in dem auf Adolf Hitlers Befehl in der berüchtigten wie blutigen "Nacht der langen Messer" vom 30. Juni auf 1. Juli 1934 viele Führungskräfte der SA, unter ihnen auch deren Stabschef Ernst Röhm, verhaftet und entweder sofort oder in den folgenden Tagen ermordet wurden. Damals hieß das Hotel Lederer freilich noch Kurheim Hanselbauer.

Heute befindet sich das Haus im Besitz der beiden milliardenschweren Gründer des Generika-Herstellers Hexal, Andreas und Thomas Strüngmann (beide 67). Sie wollen auf dem Gründstück des Hotels Lederer und zweier Nachbarparzellen (siehe Bebauungsplan unten) ein "Hotel- und Wohnprojekt" verwirklichen, das "aufgrund der besonderen Lage ein Leuchtturmprojekt nicht nur für die Gemeinde Bad Wiessee, sondern für das gesamte Tegernseer Tal darstellt".

Einziger Haken: Vorbesitzer und Noch-Bewohner Josef Lederer (85) will seine Behausung partout nicht verlassen. Jetzt, so hofft der langjährige Hotelier, könnten ihn einige geflügelte Mitbewohner vor dem Zwangsauszug bewahren.

Der Bebauungsplan für das Areal mit Luxushotel an der Uferpromenade.
Der Bebauungsplan für das Areal mit Luxushotel an der Uferpromenade.

Es handelt sich um Zwergfledermäuse, die im Dachstuhl des heruntergekommenen Hotels eine Bleibe gefunden haben. Diese Winzlinge mit einer Körpergröße von 4,5 Zentimetern und einem Maximalgewicht von sieben Gramm gehören zu den kleinsten Vertretern ihrer Gattung - sind allerdings geschützt. Deshalb hat das Landratsamt Miesbach den für Oktober geplanten Abriss des Hotels Lederer vorerst gestoppt.

Vorerst - da ist sich Andreas Göbel, Sprecher von Strüngmanns Firma Athos Service GmbH, sicher. Zur AZ sagt Göbel: "Das Ganze ist für uns nicht mehr als eine Sommerloch-Geschichte. Denn so lange nicht alle benötigten Gutachten vorliegen, was hier noch gar nicht der Fall ist, kann das Lederer gar nicht abgerissen werden."

Weiter erklärt Göbel: "Bei dem Bauvorhaben handelt es sich um Herzensprojekt der Familie Strüngmann. Hier geht es nicht darum, dass Geld verdient wird, sondern es soll etwas wirklich Schönes entstehen. Die Strüngmanns wollen dem Tegernsee, dem sie viel zu verdanken haben, etwas zurückgeben."

Ob sich die schwerreichen Zwillinge dabei von einigen Fledermäusen werden aufhalten lassen - zweifelhaft.

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