Heute Leipzig, damals München Red Bull wollte den TSV 1860 übernehmen

Die Fans des TSV 1860 zeigen RB die Rote Karte. Foto: sampics

Hamburg, Düsseldorf, Leipzig, München: Die "Welt" hat die ursprünglichen Pläne des Red-Bull-Konzerns offen gelegt. Inklusive Gedankenspielen mit dem TSV 1860.

München - Das Münchner Eishockey ist längst in österreichischer Hand. Zwar noch ohne den großen Erfolg, aber immerhin. Wenn es nach den Vorstellungen von Dietrich Mateschitz gegangen wäre, hätte das Dosen-Imperium Red Bull schon vor den Schlittschuh-Artisten bereits die Fußballer des TSV 1860 in Blau-Rot getaucht und aus den Löwen echte Bullen gemacht.

Vor achteinhalb Jahren, so berichtete die "Welt", startete Red Bull die große Attacke auf den deutschen Fußball. Die Marketing-Experten von Mateschitz hatten auf der Suche nach dem optimalen deutschen Fußball-Klub für RB vier Standorte in Deutschland auserkoren: Hamburg, Düsseldorf, Leipzig und München.

In Hamburg kontaktierten sie den Kult-Klub vom Kiez, den FC St. Pauli. Die Vorgabe: Einstieg nicht als Sponsor, sondern als Käufer. Weil sich die Paulianer Fanszene aber schon mit Austria Salzburg solidarisiert und gegen die Übernahme des Vereins protestiert hatte, platzte der Deal. Die Verantwortlichen vom Kiez machten einen Rückzieher. Red Bull ins Boot zu holen wäre am Millerntor einer Herztransplantation gleich gekommen. Inklusive Seele. Und auch in Düsseldorf machten die Sorgen der Fans den Gesprächen ein Ende.

Bei 1860 dagegen hoffte man, auf offenere Ohren zu stoßen. Der Klub war 2006 erst am 33. Spieltag dem Absturz in Liga drei entkommen. Finanziell drohte der Kollaps. Der Abstieg aus Liga eins wirkte noch immer nach. Der Wunsch nach der Bundesliga war enorm, die Realität - wie heute - aber eine ganz andere. Red Bull war sich sicher, im Schatten des großen FC Bayern bei den Verhandlungen Erfolg haben zu können.

Das Ende vom Lied ist bekannt. Der TSV war nicht interessiert, glaubte noch selbst ohne Investor überleben zu können, ehe man sich 2011 in die Arme von Hasan Ismaik begab. Während Ismaik nicht verlangte, Wappen, Vereinsfarbe und Maskottchen zu ändern, sondern der Identität des TSV Rechnung trug, zog Red Bull weiter und machte in Leipzig Nägel mit Köpfen.

Heute steht der TSV 1860 ähnlich da wie 2006, bangt um den Klassenerhalt in der Zweiten Liga und versucht finanziell zu überleben. Leipzig dagegen klopft erstmals an der Tür zur Bundesliga an. Nur - zu welchem Preis?

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