Herzinfarkt mit 3 Monaten Sensation im Deutschen Herzzentrum: Münchner Ärzte retten Baby mit Bypass

Glücklich über den erfolgreichen Eingriff: Herzchirurg Professor Rüdiger Lange (links), Kinderkardiologe Professor Peter Ewert (rechts) und Mutter Ekatherina P. Foto: Deutsches Herzzentrum München

Ärzten im Deutschen Herzzentrum in München ist eine Sensation gelungen. Sie retteten einem kleinen Bub, der mit drei Monaten einen Herzinfarkt erlitten hatte, mit einer komplizierten Bypass-OP das Leben.

 

München – Dass der kleine Maxim aus Russland noch am Leben ist, und am 19. Oktober auf der Intensivstation des Deutschen Herzzentrums in München ein Jahr alt wurde, grenzt an ein Wunder.

Und auch seine Mutter Ekaterina (29), die mit Freudentränen in den Augen mit dem winzigen Geburtstagskuchen neben dem Bett ihres Sohnes steht, kann ihr Glück kaum fassen. Denn ihr Sohn litt an einem extrem seltenen Herzfehler. Nur rund 30 von 700.000 jährlich in Deutschland geborenen Kindern kommen damit zur Welt.

Gerade erst ist es den Münchner Kinderherzchirurgen gelungen, dem kleinen Bub mit dem Blondschopf das Leben zu retten – mit einem spektakulären Eingriff: In das winzige Herz des Babys hat Chef-Operateur Professor Rüdiger Lange einen Bypass eingesetzt. Bei Erwachsenen ist das heute ein Routine-Eingriff. Bei Babys? Praktisch unerforscht.

Herzinfarkt mit nur drei Monaten!

Während Maxim noch sichtlich mitgenommen und geschwächt auf seinen ersten Geburtstagskuchen blickt, erzählt Ekaterina von der Leidensgeschichte ihrer Familie.

„Als Maxim vor einem Jahr geboren wurde, war unsere Welt noch in Ordnung. Zusammen mit meiner siebenjährigen Tochter Sophia und meinem Mann Alexander waren wir eine glückliche Familie. Unser Baby schien gesund. Umso größer war der Schock, als Maxim eines Morgens plötzlich blau angelaufen in seinem Bettchen lag."

Nur weil Papa Alexander Maxim mit einer Zwei-Finger-Herzdruckmassage reanimieren konnte, lebte er noch, als ihn der Notarzt in eine Kreisklinik und später ins Moskauer Herzzentrum brachte. Eine erste Operation folgte. "Doch Maxim hat sich nie richtig erholt. Schwach und apathisch lag er im Bett, entwickelte sich nicht mehr", fährt Ekaterina fort.

Inzwischen wussten die Eltern, woran ihr kleiner Sohn litt. Sein linkes Herzkranzgefäß, das den linken Herzmuskel mit frischem Blut versorgt, entsprang nicht aus der Hauptschlagader, sondern aus der Lungenarterie. Dort fließt allerdings sauerstoffarmes Blut. Dadurch erhielt der Herzmuskel zu wenig Sauerstoff.

Maxim erlitt im Lauf der Zeit mehrere kleine Herzinfarkte, immer mehr Herzmuskelgewebe ging zugrunde. Das fiel den Eltern aber erst auf, als der Bub mit drei Monaten einen schweren Herzinfarkt erlitt. Wieder musste der Vater seinen Sohn reanimieren, bevor er erneut ins Krankenhaus kam und sich die verzweifelten Eltern an die Münchner Herzspezialisten wandten.

Niemand traute sich - außer das Deutsche Herzzentrum

Normalerweise operieren die Spezialisten im Deutschen Herzzentrum einen solchen Fall rund zwei mal im Jahr. Doch weil Maxim in Russland mit einer veralteten Methode voroperiert wurde, mussten sich die Herzchirurgen zu der extrem komplizierten und riskanten Operationsmethode durchringen. Sie verpflanzten dem nur walnussgroßen Baby-Herz in einer sechsstündigen OP einen Bypass mit einem Durchmesser von gerade einmal 0,8 Millimetern!

"Die Wände der Brustwandarterie sind mit 0,2 Millimetern nicht viel dicker als ein Blatt Papier. Die hauchfeinen Nadeln und Fäden, die wir dazu verwenden, sind mit 0,05 Millimetern so dünn wie ein menschliches Haar.", erklärt Prof. Rüdiger Lange, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie in Neuhausen.

"Ich kann es noch gar nicht glauben, was die Ärzte für unseren Sohn alles getan haben. Dafür bin ich ihnen unendlich dankbar.", sagt Mama Ekaterina. Sie und ihr Mann hatten sich an mehrere führende Kinderherz-Zentren in Deutschland gewandt. Doch bis auf Professor Lange hatte sich niemand getraut, den Eingriff durchzuführen. "Wir mussten es einfach versuchen. Sonst hätte Maxim nicht überlebt", erklärt Lange.

Nach der OP in München lag Maxim zehn Tage im künstlichen Koma auf der Intensivstation und wurde maschinell beatmet. Sein Blut lief durch ein Kunstherz. Doch nun ist der Einjährige auf dem Weg der Besserung. Wann genau er die Klinik verlassen kann, ist noch nicht klar. Aber hoffentlich ist Maxims erster Geburtstag der Startschuss in ein unbeschwertes und glückliches Kinderleben.

 

4 Kommentare