Herkulessaal der Residenz Iveta Apkalna mit Bach und französischer Orgelmusik

Iveta Apkalna an der Orgel der Hamburger Elbphilharmonie. Foto: dpa

Iveta Apkalna mit Bach und französischer Orgelmusik der Spätromantik

 

Zuletzt zog die Organistin aus ihrem weiß-goldenen Engelskostüm noch einen Klebebandspender, um die auf Pappe geklebten Noten sicher zu befestigen. Dann rauschte sie ab, die triumphale Toccata aus Charles-Marie Widors Orgelsymphonie Nr. 5, mit allem Pomp, Gloria und Fortissimo, das auf dem Instrument im Herkulessaal möglich ist.

Ein derart prosaischer Augenblick passt durchaus zum laizistischen Ansatz der Musik. Widor und seine Zeitgenossen komponierten in der Belle Époque mehrsätzige Symphonien, um das Instrument vom geistlichen Weihrauch zu emanzipieren und in den bürgerlichen Konzertbetrieb der Symphonieorchester, Teufelsgeiger und dämonischen Klaviervirtuosen einzugemeinden.

Ganz hat das nie geklappt: Orgelkonzerte außerhalb von Kirchen sind exotisch geblieben. Auch Iveta Apkalna, bekannt geworden als Organistin der Hamburger Elbphilharmonie, konnte den Saal mit überwiegend französischer Orgelmusik nicht ganz füllen: Widor, César Franck und Louis Vierne sind bei aller effektvoller Opulenz doch Komponisten für Kenner geblieben, denen der Hautgout der Zweitklassigkeit anhaftet.

Zurück zu Bach

Vor der französischen Spätromantik stand Bach und seine Fantasie G-Dur BWV 57. Iveta Apkalna spielte sie dezidiert anti-romantisch, geradeheraus und ab dem zweiten Teil mit vollem Werk auch eine Spur zu pauschal. Dann vermittelte Francks Prélude, Fuge und Variation op. 18 den Übergang zur symphonischen Literatur und Auszügen aus Viernes Symphonie Nr. 3, die gut romantisch auf Humor und Dämonie nicht verzichtet. Nach der Pause gab es Widors Fünfte komplett, ehe die Zugabe, Bachs „Schafe können sicher weiden“, einen Bogen zum Beginn schlug.

Auch wenn es bei jeder Orgelmusik buchstabierte Minuten gibt: Apkalna registriert geschmackvoll und vermeidet den Zirkus, den es bei diesem Instrument auch gibt. Die Direktheit einer Konzertsaal-Akustik sorgt dafür, dass die Musik und nicht die Aura im Mittelpunkt steht. Und die entstaubte und offenbar mit einem neuen Spieltisch versehene Steinmeyer-Orgel des Herkulesssaals ist offenbar auch besser wie ihr Ruf.


 
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