Heißes Wasser unter der Erde Geothermie in Brunnthal: Wärme aus dem Untergrund

Paul Nöllke.
Die Betreiber der "Vibro-Fahrzeuge" Gary Wright und Oliver Meyer und Projektleiter Dietfried Bruss von den Stadtwerken. Foto: SWM

Im Südosten von München erkunden die Stadtwerke den Untergrund. Von hier aus könnten bald über 500.000 Münchner Haushalte mit Fernwärme versorgt werden.

 

München - Mitten im idyllischen Brunnthal steht ein riesiges weißes Fahrzeug. Die Reifen sind schlammverkrustet, in der Mitte des Gefährts befindet sich eine große Metallplatte. Mit diesem sogenannten "Vibro-Fahrzeug" werden die Stadtwerke München (SWM) ab Samstag den Untergrund südöstlich von München untersuchen.

Stadtwerke: Untergrunderkundung für Fernwärmeerzeugung

"Wir schauen uns an, wo wir hier Fernwärme nutzen könnten", erklärt Dietfried Bruss. Er ist Projektleiter für die Untergrunderkundung. Für die Fernwärme suchen die SWM nach heißen Wasservorkommen tief unter der Erde. Hier ist das Wasser warm. Mit einem Rohr pumpen die Stadtwerke dann das warme Wasser an die Oberfläche und nutzen es zur Wärmeerzeugung. Danach wird das kühle Wasser durch ein anderes Rohr wieder in den Untergrund geleitet.

Im Münchner Südosten sind die Bedingungen für diese Fernwärmeerzeugung ideal. Die SWM haben schon fünf Geothermie-Anlagen um München errichtet, eine Anlage ist im Bau, zwei sind noch in der Planung.

Auch in München könnte eine Geothermie-Anlage auf dem Grund des Michaelibades entstehen. "Für eine Großstadt sind in München auch schon viele Haushalte an das Fernwärmenetz angeschlossen", sagt Bruss. Etwa ein Drittel aller Haushalte haben einen Anschluss.

Kosten für Messungen im einstelligen Millionenbereich

Um neue Geothermie-Anlagen effizienter zu machen, erkunden die SWM den Boden nun erstmals dreidimensional, um Wasserquellen ausfindig zu machen. Dazu haben Mitarbeiter in den letzten Wochen 15.000 hochempfindliche Erdmikrofone aufgestellt. Die großen "Vibro-Fahrzeuge" fahren dann durch die Region. An Messpunkten wird die Platte in der Mitte des Fahrzeugs auf den Boden gesenkt, das ganze Fahrzeuggewicht auf die Platte gelegt und eine Vibration in das Erdreich gesendet.

Diese Vibration reflektiert dann an den verschiedenen Erdschichten und kommt wieder an die Oberfläche, wo sie von den Mikrofonen aufgefangen wird. So können sich die SWM ein gutes Bild des Erdreiches machen. "Das ist ähnlich, wie eine Schallwelle", erklärt Projektleiter Bruss. Die Kosten für die Messungen liegen im einstelligen Millionenbereich. "Der ganze Vorgang dauert nur 60 Sekunden", erklärt Bruss. "Dann haben wir die Messungen." Die Auswertung und Interpretation der Daten wird dann bis Ende des Jahres dauern. Wann und ob hier eine Geothermie-Anlage gebaut wird, wird aber erst in einigen Jahren feststehen.

Viel Potenzial für Geothermie im Raum München

Ein Grund, warum die SWM den Fernwärme-Ausbau so stark fördern, ist das selbsterklärte Ziel, 2040 den Bedarf an Münchner Fernwärme CO2-neutral zu decken. Dazu bieten sich diese Geothermie-Anlagen an. "Das ist ein Feld, in dem es noch viel Potenzial gibt", sagt Bruss. "Wasserkraft ist schon gut ausgebaut, Windkraft in vielen Gegenden um München nicht rentabel." Für Geothermie sei den Raum München aber so geeignet, wie kaum ein anderer.

Um die Bevölkerung für das Projekt zu gewinnen, wollen die SWM nicht nur München, sondern auch die südöstlichen Gemeinden vor der Stadt mit der Fernwärme versorgen – sofern es denn ökonomisch Sinn hat. Zudem werden die Anwohner bei Infoveranstaltungen und Bürgerversammlungen informiert.

"Es gibt natürlich immer Ausnahmen", sagt Bruss." Aber bis jetzt stehen die meisten Anwohner dem Projekt positiv gegenüber und sind gespannt."

Lesen Sie hier: Von hier kommt das Münchner Wasser

 

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