Heino in München Hei-noon mit einem Neu-Rocker

Heino ganz cool. Passend zur neuen Musik auch ein neuer Look. Am Ring trägt er einen Totenkopf-Ring – eine Anspielung auf die Kritik von Campino, Frontmann der Toten Hosen? Foto: dpa

Schluss mit der Haselnuss: Volksmusik-Star Heino schlägt jetzt harte Töne an – nicht nur auf seiner neuen CD, sondern auch gegenüber Kollegen: Beim Gastspiel in München kontert er die Toten Hosen

 

München  – Die Sonne scheint an diesem Mittwochmittag auf den eingeschneiten Olympiapark, eigentlich die perfekte Heile-Welt-Kulisse für Volksmusik-Star Heino, der hier gleich sein Lied von 1984, „Die Liebe ist das Gold des Lebens“, trällern könnte. Doch die Schlagerzeiten, das ganze Haselnuss-Enzian-Gedöns – vorerst vorbei.

Heino ist jetzt Vollblut-Rocker. Zur obligatorischen Sonnenbrille trägt er seit neuestem einen Totenkopfring, den ihm seine Hannelore, die jetzt natürlich Rockerbraut ist, geschenkt hat. Von einem Klischee geht’s ins nächste.

Im schwarzen Auto wird Heino vorgefahren. Vorne drauf klebt er als Totenkopf-Variante, die Fotografen, Journalisten und Kamerateams bejubeln sein Aussteigen. Passanten im Teenie-Alter können ihr Glück kaum fassen, immer wieder knipsen sie das ach-so-coole Heino-Mobil mit ihren Smartphones.

Hei-noon in München. Sein Album „Mit freundlichen Grüßen“, auf dem er Lieder von Bands wie Rammstein, Die Ärzte, Die Toten Hosen und Sportfreunde Stiller nachsingt, ist ein Marketing-Coup und verkauft sich ziemlich erfolgreich. Gerade hat ihn eine Band mit dem Namen Kollegah und Farid Bang vom Chart-Thorn verjagt, aber das stört ihn nicht.

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„Mir geht es nicht um Platz eins oder zwei, ich will nur ein bisschen Musik machen und Freude bereiten“, erklärt Heino bei der Pressekonferenz in einem Raum der Olympiahalle. Es geht um seine Teilnahme beim Münchner Sommernachtstraum – am 27. Juli wird er neben Nena und Scooter vor 50000 Menschen auftreten: „Nena ist Spitze, Scooter sagt mir auch was – und ich bin als Opa dabei.“

Mit 74 Jahren findet er es „unglaublich“, was gerade um ihn herum passiert: „Hätte ich davor jemandem von meinem Rocker-Album erzählt, wäre mir nur abgeraten worden. Und wenn es daneben gegangen wäre, hätten mich alle belächelt und beschimpft.“ Nun gibt ihm der Erfolg recht – beschimpft wird er trotzdem.

Campino, Frontmann der Toten Hosen, beschrieb Heino gerade als 30 Jahre währendes „Aushängeschild der deutschen Hässlichkeit“. Als Radio-Gong-Morning-Man Mike Thiel, der die „Heino Open“ moderiert, ihn darauf anspricht, wird es im überfüllten Saal ganz still, doch Heino reagiert nicht geschockt oder verletzt, sondern nur amüsiert.

„Was stört es die alte Eiche, wenn sich die Sau an ihr kratzt? Millionen Fliegen können nicht irren“, sagt er schmunzelnd. „Campino soll sich nicht so aufregen. Ich habe 50 Millionen Platten verkauft. Das werden auch die Toten Hosen nicht mehr schaffen in ihrem Leben. Da müssten sie 2000 Jahre alt werden.“ Im Übrigen sei sein „Enzian“ musikalisch sehr viel anspruchsvoller als viele Rock-Lieder: „Der Enzian geht über drei Oktaven. Das ist eine ganz andere Hausnummer.“ Außerdem müsse Campino erstmal in sein Alter kommen und dann noch „so rüstig“ sein.

Heino steht nach 50 Jahren in der Show-Branche über den Dingen: „Abheben werde ich in meinem Alter aber nicht.“ Er schwärmt später noch vom FC Bayern und seinen geliebten Weißwürsten (O-Ton: „Am besten mit süßsaurem Senf“), erzählt, dass er sich lange mit Kampfsport fit gehalten hat und durch das neue Album viele neue Worte kennt: „Ich weiß jetzt, was eine Chill-Out-Area ist.“

In die zieht er sich strahlend zurück, als seine Hannelore auf dem Handy anruft. Denn auch als Rocker geht seine Rockerbraut eben vor.

 

 

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