Hausverkauf Aufräumen und Aufhübschen

Welche Investitionen sich für Eigentümer lohnen – und welche sie sich sparen sollten

 

MÜNCHEN Wer derzeit eine Immobilie verkaufen will, hat es gut. In vielen Städten ist die Nachfrage groß, auch nach alten Häusern mit Mängeln. Doch es gibt auch Gegenden, in denen wenige kaufen wollen. Lohnt es sich hier für Verkäufer, kleine Mängel zu beheben, um einen besseren Preis zu erzielen? Experten schätzen, dass sich Investitionen nur selten auszahlen. Denn den Geschmack dessen, der am Ende kauft, kennt der Verkäufer schließlich nicht. Der Kauf einer Bestandsimmobilie ist in Deutschland der bei weitem häufigste Fall. Gebrauchtimmobilien machen nach Angaben des Immobilienverbands Deutschlands (IVD) in Berlin mehr als 80 Prozent des Marktes aus – vier von fünf Immobilien werden nicht zum ersten Mal verkauft. Der Verkäufer hat also einen großen Einfluss auf das, was er anbietet. „Auch für Immobilien gilt: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance”, sagt IVD-Sprecher Jürgen Michael Schick. Er rät daher, ganz ähnlich vorzugehen wie beim Autoverkauf: „Den Wagen fahren Sie ja auch erst mal in die Waschanlage.” Von umfassenden Modernisierungen rät der IVD in der Mehrzahl der Fälle eher ab. „Das Geld, das Verkäufer hineinstecken, bekommen sie in der Regel nicht wieder heraus.” Schick empfiehlt Verkäufern, sich im Zweifel individuell beraten zu lassen. Denn grundsätzlich sei es schwer zu beantworten, ob sich etwa mit dem Einbau einer neuen Heizanlage für 10 000 Euro ein um mehr als 10 000 Euro höherer Kaufpreis erzielen lässt. Ähnliches gilt für Einbauküche, Fassadenanstrich oder die Erneuerung des Dachs. Solche Beratungen bieten auch Immobilienmakler an.
Gänzlich unabhängig sind Sachverständige, die sich zum Beispiel über Berufsverbände oder die Industrie- und Handelskammern finden lassen. Sie können ein Verkehrswertgutachten erstellen. „Weniger als ein komplettes Gutachten kosten Beratungen”, sagt Bernhard Bischoff, Vizepräsident des Bundesverbands öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger (BVS) in der Hauptstadt.
Auch er hat seine Zweifel daran, ob sich größere Investitionen kurz vor dem Hausverkauf auszahlen. „Es kann günstiger sein, wenn das Haus mit einem kaputten Dach den Besitzer wechselt. Denn der Käufer hat meist ganz eigene Vorstellungen davon, wie er das Haus ausstatten möchte.” Und der Käufer kann für Modernisierungsausgaben steuerliche Vorteile geltend machen – das kann der Verkäufer nicht. Bischoff betont außerdem, dass es sich um Betrug handelt, wenn zum Beispiel Farbe über Wasserflecken gestrichen wird, „damit man sie drei Wochen nicht sieht” oder „Risse zugekleistert” werden.
Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen rät Verkäufern zumindest zu einer Maßnahme: „Immer mehr Käufer achten heute auf einen niedrigen Energieverbrauch. Sollte kein Energieausweis für das Haus vorliegen, muss er ausgestellt werden – und wenn er eine mangelhafte Dämmung ausweist, kann das den Preis schmälern.” Hintergrund seiner Einschätzung sei auch, dass „immer mehr Banken den Energieausweis als Grundlage einer Finanzierung verlangen”. Außerdem sei der Energieverbrauch einer Immobilie zentral auch für den neuen Eigentümer.

 

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