Handys verboten Mit 200 Fans: Lenny Kravitz' intimes München-Konzert

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Fotos waren verboten, deshalb gibt es hier Lenny Kravitz aus dem Archiv. Foto: Mathieu Bitton

Vor 200 Fans probt der Rockstar in der Olympiahalle für seine Tour. Handys verboten, Plaudern erwünscht.

 

München - Ein Konzert, auf dem nicht gefilmt und fotografiert werden darf, hat nach der Logik unserer sozial-medialen Zeit nicht stattgefunden. Glück gehabt, dass es die gute, alte Abendzeitung gibt, die Mittwochabend bei der Probe für Lenny Kravitz' "Raise Vibration"-Europatournee in der Olympiahalle dabei war.

200 Fans, darunter auch 30 AZ-Leser, hatten Tickets für das exklusive Konzert gewonnen. Zuvor mussten sie ihre Handys abgeben und alle Geräte, mit denen sie Lenny Kravitz für die Nachwelt festhalten könnten. Eine Stunde hört man's schon aus der Halle röhren, die Gäste stehen gespannt lauschend vor dem einzigen offenen Getränkestand herum, bis Lenny (54) hineinbittet.

"Hey, alles klar?" fragt er von seiner Bühne herunter die vorhandenen Reihe eins bis drei und guckt unter seiner Sonnenbrille lange sein kleines Publikum an. "Das ist eine Probe und wir machen nur ein bisschen Kram", sagt er jetzt auf Englisch und legt mit "We Can Get It All Together" vom neuen Album los, das im September veröffentlicht wird.

Lenny Kravitz: Viele Experimente auf der Bühne

Tatsächlich spielt Lenny auf der Bühne mitnichten ein minutiös geplantes Programm herunter, sondern probiert zusammen mit seiner Band (unter anderem Gitarrist Craig Ross) herum, stellenweise ist's eine Session von sehr gut aufeinander eingespielten Profis mit einem liebevollen Chef, der mehr Lob als Tadel verteilt.

"It Ain't Over 'til It's Over", das als verträumte Peterchens Mondfahrt daherkommt und sehr Disco wird, lobt er als perfekt. "I belong to you" wiederholt Lenny nochmal solo wegen eines Technikproblems. Die großen Rockstar-Gesten spart er sich in diesen eineinhalb Stunden, stattdessen wirkt er locker und gleichzeitig konzentriert.

Ein ganz großer Moment ist sein "American Woman"-Cover, das vom gitarrenlastigen Rock in eine verdubte Version fließt, bis langsam drei Bläser auf die Bühne kommen und Bob Marleys "Get up, stand up" blasen. Lenny Kravitz, der schon Marleys "Roots, Rock, Reggae" auf Konzerten performte, verbeugt sich ein weiteres Mal vor dem Ausnahmekünstler. Und wie er sich verbeugt! Nie war ein Mann in transparenter Glitzerbluse und Lederschlaghosen näher an Marley als Lenny an diesem Abend.

Auch seine Fans sind Lenny Kravitz wohl selten näher gekommen. Nachdem plötzlich alles vorbei ist und (mal wieder) das Arbeitslicht angeht, kommt er zur Absperrung, um zu ratschen. "Fly away" würde er auf Wunsch seines kleinen Publikums noch spielen. Aber da ist seine Band schon ausgeflogen.

Am Donnerstagabend geht ja die Europatournee mit einem Konzert in München los. Handys waren erlaubt. Hoffentlich stellt jemand "American Woman" mit "Get up, stand up" ins Netz. Ich schau's mir an.

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