Haftbefehl Mord an Barfrau: Polizei jagt Messerstecher

Der Tatort: Freunde, Kollegen und Angehörige von Natalia G. haben Blumen und Kerzen an der Tür des Stripclubs niedergelegt. Foto: Nina Job

In der Nacht, noch ehe Natalia G. († 35) erstochen wurde, war die Polizei im „Kapitol“: Ein Gast hatte die Barfrau belästigt. Am Ende aber blieb sie mit ihm allein. Der wird nun mit Haftbefehl gesucht.

 

Innenstadt - Die Polizei hat nach dem Mord an der Barfrau Natalia G. in der Tabledance-Bar „Kapitol“ am Hauptbahnhof jetzt eine heiße Spur. Sie sucht nach einem Russen, der erst am Montag aus der Haft entlassen worden war.

Jurij Sch. (44) war 2006 wegen versuchten Mordes zu neun Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. 2005 hatte er im Rausch einen Freund „ohne erklärbaren Grund“ niedergestochen.

Dieser Messerstecher war in der Tatnacht in der Bar. Und er hatte Natalia G. belästigt. Doch die 35-Jährige schickte nicht nur die Polizei weg, sie schickte später auch ihre Kolleginnen weg – und blieb mit Jurij Sch. allein.

Der 44-Jährige und die Barfrau kannten sich seit Jahren. Jurij Sch. war früher Stammkunde. Er wollte mehr von Natalia G.

Am Montagabend kam er ins „Kapitol“, um dort mit der Geschäftsführerin und den Tänzerinnen seine vorzeitige Entlassung zu feiern. Zwei Gutachter hatten ihm bescheinigt, dass er nicht mehr gewalttätig sei. Einen großen Teil seiner Strafe hatte Jurij Sch. wegen seiner Alkoholabhängigkeit in einer psychiatrischen Klinik verbracht. Zuletzt war er in Haar.
Auch am Samstag zuvor soll er – auf Freigang – im Club gewesen sein und mit einem Bierkasten randaliert haben.

In der Mordnacht wurde der Russe zudringlich, das erzählten die Tänzerinnen später der Polizei. Natalia und der Mann stritten heftig auf Russisch. Schließlich rief jemand die Polizei. Doch als zwei Streifenpolizisten nach Mitternacht in dem Nightclub eintrafen, hatte sich der Streit gelegt. Jedenfalls schickten Natalia G. und ihre Kolleginnen die Polizisten wieder weg: Alles sei in Ordnung.
Angeblich soll der Russe zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Bar gewesen sein. Die Beamten gingen, ohne die Personalien des Mannes aufgenommen zu haben.

Nach AZ-Informationen saß der Russe später erneut an der Bar und trank Bier. Zwischen 4 und 4.30 Uhr wollten die Tänzerinnen und Animierdamen nach Hause gehen. Chefin Natalia blieb immer als Letzte zurück. Sie zählte nach Geschäftsschluss noch die Einnahmen.

In der Mordnacht blieb sie offenbar nicht allein. Der Russe, mit dem sie zuvor gestritten hatte, soll geblieben sein. Natalia G. fühlte sich offenbar sicher. Sie schickte ihre Kolleginnen weg. Dieser letzte Gast war Natalia G.s Mörder, vermuten die Ermittler. Am Mittwoch erging Haftbefehl gegen Jurij Sch.. Die Polizei konnte ihn bei keiner seiner Anlaufadressen antreffen. Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch zur AZ: „Wir gehen davon aus, dass der Mann auf der Flucht ist.“ 

Zeugenaufruf der Polizei

Wie die Münchner Polizei am Mittwochnachmittag bekannt gab, haben die Ermittlungen einen dringenden Tatverdacht gegen Jurij Sch., geboren am 12.04.1968, ergeben. Er soll sich in der Tatnacht in der Bar aufgehalten haben und im Verdacht stehen, dort das Opfer getötet zu haben. 

Die Polizei weist ausdrücklich darauf hin, dass Jurij Sch. gewalttätig ist.

Zeugenaufruf:
Personen, die sachdienliche Hinweise geben können, insbesondere zum Aufenthaltsort, werden gebeten, sich mit dem Polizeipräsidium München, Kommissariat 11, Tel. 089/2910-0, oder jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.

 

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