Haftbefehl gegen 72-Jährigen Nervenstarkes Treffen: Nackter vertreibt Einbrecher

Splitterfasernackt, wie Gott ihn schuf: So trat Tontechniker Roland R. (47) dem Einbrecher entgegen. Das Feigenblatt hat ihm die AZ verpasst. Foto: Angelika Kahl, imago

Roland R. liegt in der Badewanne, als plötzlich ein Fremder sein Türschloss knackt. Doch der 47-jährige Tontechniker behält die Nerven und reagiert cool auf den Eindringling.

 

Maxvorstadt - Zuhause, im privatesten Lebensbereich, von einem Einbrecher überrascht zu werden, ist ein Albtraum. Tontechniker Roland R. ist außerdem nackt, als ein Fremder in seine Wohnung eindringt. Beide Männer sind nervenstark. Für den Einbrecher geht die Begegnung aber nicht gut aus.

Roland R. wohnt in der Görresstraße in einer Wohnung unter dem Dach. Am vergangenen Donnerstag sitzt er mittags in der Badewanne, wäscht sich die Haare. Der 47-Jährige hat die Badezimmertür nur angelehnt. Gegenüber befindet sich die Wohnungstür, nur durch einen Flur getrennt. "Ich habe Geräusche im Treppenhaus gehört. Aber ich dachte, da ist jemand nebenan an der Tür zum Speicher."

Splitterfasernackt in der Badezimmertür

Doch dann sieht Roland R. plötzlich, wie sich seine Wohnungstür langsam öffnet. Manch anderem wäre wohl das Blut in den Adern gefroren – Roland R. reagiert cool. "Ich bin ganz langsam aus der Wanne gestiegen, um möglichst kein Geräusch zu machen. Nicht mal abgetrocknet habe ich mich. Dafür war keine Zeit." Der muskulöse Mann schleicht splitterfasernackt und tropfnass zur Badezimmertür – und reißt sie unvermittelt auf.

Roland R. und der Einbrecher stehen sich direkt gegenüber. Der Eindringling ist ein älterer Mann mit weißen Haaren und Vollbart. Wie angewurzelt bleibt er stehen, schaut Roland R. erschrocken an. "Mir ist sofort durch den Kopf geschossen, dass ich den Mann schon mal gesehen hatte. Vor vielleicht fünf Jahren war er schon mal an meiner Wohnungstür, er kniete davor. Damals hab’ ich nur gesagt: Schleich dich! Da ist er abgehauen."

"Schon wieder Sie!" - Einbrecher nicht unbekannt

Dieses Mal ruft Roland R.: "Schon wieder Sie!" Und gleich danach: "Einbruch! Polizei!" Er hofft, dass ihn Nachbarn hören. Der Einbrecher reagiert abgebrüht. Er hat seine Fassung schnell zurück, dreht sich um und geht seelenruhig die Treppe hinunter. Seine Jacke hat er lässig über die Schulter geworfen. Roland R. verständigt über die Notrufnummer 110 sofort die Polizei.

"Das ist genau die Reaktion, die wir uns in solchen Fällen wünschen", sagt Polizeisprecher Wolfgang Behr später. "Je schneller wir verständigt werden, umso besser." Nicht einmal eine Viertelstunde später – Roland R. hat sich inzwischen etwas angezogen und vier Polizisten zu Besuch – kommt über Funk, dass ein Verdächtiger in Tatortnähe gefasst ist. Der Tontechniker hatte den Einbrecher genau beschrieben.

Noch am selben Tag identifiziert er den Eindringling. Acht Fotos von verschiedenen Personen werden ihm vorgelegt. Roland R. erkennt den Einbrecher zweifelsfrei wieder. Am Freitag ist Haftbefehl ergangen gegen den 72-Jährigen. Der Verdächtige stammt aus Mecklenburg-Vorpommern. Allein in Bayern soll er mehr als 20 Einbrüche begangen haben.

 

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