Haching-Boss im AZ-Interview Manni Schwabl vor dem Derby: "Die Löwen wollen uns auffressen"

Der 53-jährige beendete 1997 im Löwen-Trikot seine Karriere. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Manfred Schwabl im AZ-Interview: Hier spricht der Haching-Boss und ehemalige Sechzger vor dem Derby über die Favoritenrolle, die ständige Unruhe in Giesing und die Wohlfühl-Oase Spielvereinigung. 

 

München - Manfred "Manni" Schwabl im AZ-Interview: Der 53-Jährige beendete 1997 im Löwen-Trikot seine Karriere. Heute leitet der gebürtige Holzkirchener die Profi-Abteilung der SpVgg Unterhaching.

AZ: Herr Schwabl, wann waren Sie zum letzten Mal im Löwenstüberl?
MANFRED SCHWABL: Im Rahmen eines Jugendspiels und dann nach dem Totopokal-Viertelfinale gegen 1860. Wir haben das Elferschießen leider verloren, aber ich dachte: Du musst dich auch in der Stunde der Niederlage sehen lassen. Der neue Wirt ist ein netter Kerl, aber Schinkennudeln gab es keine mehr: Es war aber auch schon halb elf, da muss ich ein bisserl auf meine Figur schauen (lacht).

"Bei uns schmecken nicht nur die Schinkennudeln"

Ihr einstiges Leibgericht haben Sie längst ins Hachinger Wirtshaus exportiert.
Wir haben mittlerweile eine sehr gute Wirtschaft. Bei uns ist Alt und Jung herzlich willkommen, von Kids-Klub-Spielern bis zu 85-jährigen Leuten. Die Trainer sind da und die Spieler, sie spielen dort ab und zu Schafkopf – das ist Haching zum Anfassen. Und das Wichtigste: Bei uns schmecken nicht nur die Schinkennudeln...

Am Sonntag stehen, um im Bild zu bleiben, die Löwen auf dem Speiseplan.
Wir hatten Sechzig ja in der letzten Saison seit langer Zeit wieder im Sportpark, damals unter rot-blauem Himmel. Das war super. Klar wollen wir sie diesmal abfieseln, aber die Löwen werden uns auch auffressen wollen. So ein Derby hat natürlich seine eigenen Gesetze. Zum Glück sind wir gerade nicht im Doppelpass. Emotionen rauf und runter, ein ausverkaufter Sportpark. Das wird sicher sehr brisant.

Die Formkurven beider Klubs zeigen in verschiedene Richtungen.
Sechzig ist der Favorit. Oder sagen wir, sie sind in einer ganz leichten Favoritenrolle. Es werden wohl zwei Drittel an Löwenfans im Stadion sein. Sportlich müssen wir uns im Vergleich zu den letzten Wochen erheblich steigern. Es ist aktuell noch nicht das Haching, wie wir es uns vorstellen. Wir müssen spielerisch forscher werden und wollen so lange wie möglich oben in der Tabelle mitschwimmen. Wir haben auch ein paar Ausfälle: Luca Marseiler geht uns brutal ab, er ist ein Unterschiedsspieler- wie der Bekiroglu bei Sechzig. Das soll aber keine Ausrede sein!

"Ein Urteil zum Bierofka-Aus steht mir nicht zu"

Im Pokalduell hieß der Trainer noch Daniel Bierofka. Hat Sie sein Aus überrascht?
Erstmal habe ich mich über das unnötige Ausscheiden geärgert, das hat uns wehgetan. Ich denke, es muss irgendwas gegeben haben, wenn eine Vereinsikone wie Daniel Bierofka einfach hinwirft. Klar war es überraschend, aber ein Urteil steht mir nicht zu.

Sie selbst haben als Ex-Löwe in Haching eine Heimat gefunden. Ein Weg, der früher oder später auch bei Bierofka vorstellbar wäre?
Das ist Zukunftsmusik. Man sollte im Fußball nichts ausschließen. Aber der Daniel ist ein Urlöwe. Vermutlich wäre das relativ schwer vorstellbar.

In Giesing rumort es immer wieder zwischen Präsidium und Investor, zuletzt hat Hasan Ismaik die Fans mit der DDR verglichen.
Man kriegt das natürlich mit, aber warum soll ich das werten? Ich müsste mich dann schon mit dem Ismaik und separat mit Präsident Robert Reisinger an einen Tisch setzen – dann könnte ich vielleicht urteilen. So lasse ich es lieber bleiben. Ich will auch nicht, dass man von außen über uns schlau daherredet.

"Die letzte Saison hätten nicht viele Trainer überlebt" 

Ist Haching im Umkehrschluss ein Musterbeispiel dafür, dass es auch ohne hausgemachte Probleme geht?
Das kann schon sein. Es ist unwahrscheinlich, dass bei uns eine Unruhe herrscht wie bei 1860, gerade in dieser Konstellation mit Trainer Claus Schromm. Wir waren letzte Saison nach zwölf Spielen ohne Sieg in großer Abstiegsgefahr – das hätten nicht viele Trainer überlebt. Für die derzeitigen Verhältnisse im Profifußball ist Haching nicht normal. Dass so viel Ruhe herrscht, geht bei einem Traditionsverein wie 1860 vermutlich gar nicht. Bei uns scheppert es auch mal, wir sind ja nicht im Streichelzoo. Aber das bleibt dann innerhalb unserer vier Wände.

Apropos: Sechzig will die eigenen vier Stadion-Wände ausbauen und eventuell in den Sportpark umziehen.
Es komplett auszuschließen wäre ja fahrlässig, aber ich sehe da wenig Sinn. Ich würde das auch nicht alleine entscheiden, aber ich sage ganz deutlich: Neben unseren Profis haben die U19 und U17 Vorrang im Stadion. Wir arbeiten gerade erst einmal selbst zusammen mit der Gemeinde Unterhaching an einer tragfähigen Lösung für den Sportpark.

"Man darf nicht auf jeden Cent schauen"

Ausrüster Macron scheint Interesse an einem Einstieg bei Haching zu haben, nachdem die Löwen wohl zu Nike wechseln. Können Sie Ersteres bestätigen?
Wir kriegen jedes Jahr Angebote von anderen Ausrüstern, aber wir arbeiten seit Jahrzehnten mit Adidas zusammen. Das ist wie in einer Ehe: Verlässt man jemanden beim erstbesten anderen Angebot? Man darf nicht auf jeden Cent schauen, es müsste schon wohlüberlegt sein, eine langjährige und gut funktionierende Partnerschaft aufzugeben.

Zurück zum Spiel: Welcher Ausgang wäre nach Ihrem Geschmack?
Ein friedliches Derby, volles Haus, mehr Tore als Pyros und ein Tor mehr für Haching als für 1860. Und: Zahlreiche Unterstützung für unseren Sternstunden-Tag, den wir am Sonntag haben. Wir versteigern etwa die Trikots unserer Spieler – am besten natürlich die von Derbysiegern!

Lesen Sie hier: Spielmacher Bekiroglu vor Comeback gegen Haching

 

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