"Haben große Verantwortung" Jochen Sauer erklärt die Transferphilosophie der Bayern-Jugend

Campus-Leiter Jochen Sauer will die Talente "weg von der PlayStation" bringen. Foto: Andreas Gebert/dpa

In den vergangenen Jahren hat der FC Bayern bei der Nachwuchsrekrutierung deutlich aggressiver agiert - und dabei auch Kritik geerntet. Dabei gehe man aber keineswegs wahllos vor, wie Campus-Leiter Jochen Sauer erklärt.

 

München - Seit einigen Jahren erfüllt der FC Bayern seine Rolle als Branchenprimus in der Bundesliga auch verstärkt im Jugendbereich. In Jamal Musiala und Bright Arrey-Mbi wurden im vergangenen Sommer unter anderem zwei hochveranlagte Talente vom FC Chelsea geholt, in diesem Sommer wechseln in Armindo Sieb und Mamin Sanyang zwei 17-jährige Hoffnungsträger von der TSG Hoffenheim nach München.

Nun äußert sich Campus-Leiter Jochen Sauer zur Transferphilosophie im Jugendbereich. "Wir haben eine große Verantwortung, wir holen nur Spieler aus dem Ausland oder aus dem Bundesgebiet, wenn wir absolut überzeugt sind: Ja, den brauchen wir! Der kann hier seinen Weg machen", meint Sauer im Interview mit der "Welt".

Bayerns Transfergebaren sorgt für Unmut bei Hoffenheim

Insbesondere in Hoffenheim kam das Vorgehen zuletzt aber nicht besonders gut an. "Es ist auch unter Solidaritätsaspekten zumindest diskussionswürdig, dass der FC Bayern mit einer dreiviertel Milliarde Euro Umsatz nun das Geschäftsfeld der Talent-Abwerbung derart aktiv betreibt. Das ist aus deren unternehmensstrategischer Sicht vielleicht clever, aber uns tut das schon weh, denn dafür machen wir den Job in der Akademie", gab TSG-Geschäftsführer Frank Briel vergangene Woche zu Bedenken.

Im hochmodernen Campus an der Ingolstädter Straße wollen die Münchner ihren Top-Talenten den letzten Feinschliff geben, um sie bereit für den Profifußball zu machen. Der stärker forcierte Fokus auf die eigenen Talente zeigte in der abgelaufenen Saison große Erfolge. So beendete die U19 des Rekordmeisters die aufgrund der Corona-Pandemie vorzeitig beendete Saison als Tabellenführer, die U23 feierte sensationell die Meisterschaft in der 3. Liga und auch im Profi-Team durften sich einige Top-Talente beweisen.

Sauer: Teile den Uli-Hoeneß-Ansatz

Um zukünftig noch gezielter an den Schwächen der Nachwuchsspieler zu arbeiten, hat der Rekordmeister sein Nachwuchsleistungszentrum mit einem speziellen Fußballsimulator namens Skills.Lab ausgestattet. Dabei handelt es sich um ein sechseckiges Mini-Stadion, mit dem Spielsituationen simuliert und die Daten der Spieler erfasst werden können.

"Ein Aspekt des Skills.Lab ist es, dass die Jungs den Videospielcharakter, der in ihrer Generation einfach dazugehört, mit dem Fußball verbinden können. Nach dem Motto: Beweg dich lieber selbst, als Cristiano Ronaldo auf der PlayStation zu bewegen", sagt Sauer dazu und meint: "Weg von der PlayStation - das ist der Uli-Hoeneß-Ansatz, den ich komplett teile."

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