GVB-Präsident im AZ-Interview Banken-Informationsflut: "Kunden werden bevormundet"

Der 49-jährige Jürgen Gros ist Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB). Foto: Romana Bauer

Der Chef von Bayerns Genossenschaftsbanken kritisiert stapelweise Formulare und warnt vor einer Servicewüste.

AZ: Herr Gros, in Folge der Finanzkrise hat die Politik eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht, um Anleger und Bankkunden zu schützen. Warum fordert der GVB vehement, diese Regelungen zu korrigieren?
Jürgen Gros: Finanzieller Verbraucherschutz ist eine unverzichtbare politische Gestaltungsaufgabe, um Bürgerinnen und Bürger vor schwarzen Schafen zu bewahren. Es drängt sich aber der Eindruck auf, dass manche Regeln Bankkunden vor allem belasten oder sogar bevormunden, anstatt sie zu schützen.

Es verwundert nicht, dass Sie als Bankenvertreter das sagen.
Der GVB ist nicht der einzige Akteur, der sich für eine Überprüfung des Verbraucherschutzes einsetzt. Wenn selbst die Wirtschaftsweisen 2017 forderten, ineffektive Regulierungsvorschriften abzuschaffen, ist das ein glaubhafter Beleg dafür, dass etwas schief läuft.

Was genau passt nicht?
Das hat der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück auf den Punkt gebracht. Er hat gesagt: „Wenn ich als Privatanleger für jedes Wertpapier seitenlange Formulare vorgelegt bekomme, hat das mit transparenter Information doch nichts mehr zu tun. Das liest doch kein Mensch.“ Ähnlich hat sich Gerd Billen geäußert, der früher mal Deutschlands oberster Verbraucherschützer war. Beide Herren haben mit ihrer Kritik an der regulierungsbedingten Informationsflut zahlreichen Sparern aus dem Herzen gesprochen.

An welchen Stellen sehen Bayerns Volksbanken und Raiffeisenbanken Korrekturbedarf?
Wir haben drei Problemfelder identifiziert. Erstens: Gesetzlich vorgeschriebene Pflichtinformationen schaffen zu selten Klarheit, sondern verwirren die Kunden oft. Zweitens: Regulatorische Vorgaben behindern Verbraucher beim Abschluss von Bankgeschäften. Drittens: Die Entscheidungsfreiheit der Kunden in Finanzangelegenheiten wird beschnitten.

Die Kunden werden Ihrer Meinung nach bevormundet.
Dafür gibt es mit der seit Januar geltenden Aufzeichnungspflicht von telefonischen Wertpapierorders ein weiteres Beispiel, das schon für viel Kopfschütteln gesorgt hat. Seit Anfang des Jahres muss die Bank Beratungsgespräche mitschneiden. Die Kunden dürfen nicht verzichten, obwohl das viele gerne möchten. Aber der Gesetzgeber hat schlicht keine Wahlfreiheit vorgesehen.

Stimmt es, dass einige Banken die Wertpapierberatung zurückgefahren oder sogar eingestellt haben?
Die Strukturen verändern sich tatsächlich schon. Auch von den Volksbanken und Raiffeisenbanken in Bayern haben sich bereits einige aus der Wertpapierberatung zurückgezogen – oder zumindest ihr Angebot eingeschränkt. Als Konsequenz droht den Verbrauchern eine regulierungsbedingte Servicewüste mit limitierten Beratungsangeboten. Das kann nicht im gesellschaftlichen Interesse sein.

 

1 Kommentar

Kommentieren

  1. null