Gummistiefel fallen im Test durch Aus Gummi und Gift

Praktisch sind sie ja. Aber eine Untersuchung von „Öko Test“ zeigt: Besser Finger weg von diesen Stiefeln – sie sind gesundheitsschädlich.

 

Sie sehen teilweise recht flott aus, sind schmutzabweisend und halten die Füße – ob beim Herbstspaziergang oder beim Garteln – trocken. Das hat allerdings einen Preis. Denn der Gummistiefel trägt das Problem schon im Namen: Drin stecken viel Chemie und viele schädliche Stoffe. Die können häufig krebserregend sein. Das hat eine aktuelle Labor-Untersuchung des Magazins „Öko Test“ erneut bestätigt.

DAS TEST-ERGEBNIS
16 Gummistiefel aus unterschiedlichen Materialien wie Kunststoff, PVC, Textil oder auch Naturkautschuk sind von „Öko Test“ auf gefährliche, giftige und krebserregende Inhaltsstoffe untersucht worden – und 16 sind im Labor durchgefallen. Sprich: alle. Ohne Ausnahme. Kein Schuhwerk hat eine bessere Note als „mangelhaft“ bekommen. Die fünf „Mangelhaften“ sind: „Anna Field, dark blue/orange“; „Crocs Reny II, navy“; „Elgenbert Strauss OB Berufsstiefel, schwarz/rot“; „Hunter Norris Field Boot, black“ und „Joules Wellies, Navy Stripe“.

Für die anderen elf Produkte im Test gibt es sogar nur ein „Ungenügend“ von den Experten. Unter den „Ungenügenden“ sind zum Beispiel Deichmanns „Cortina-Stiefel“, „Viking Balder, black“; „Juju Biker Boot, pink“ oder auch „Sanita Isolde Welly bordeaux.“ Die Experten kommen zu dem Ergebnis – wie auch schon bei früheren Tests: „Die aus verschiedenen Kunststoffen fabrizierten Produkte stecken voller problematischer Inhaltsstoffe, leider auch die Stiefel mit Naturkautschuk.“

DIE GIFTSTOFFE
- PAK: Diese Abkürzung steht für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Das klingt kompliziert. Was Sie in erster Linie darüber wissen müssen: Diese Verbindungen können krebserregend sein, das Erbgut verändern, sich auf die Fruchtbarkeit auswirken oder auch das Kind im Mutterleib schädigen. Die Stoffe können über Hautkontakt aufgenommen werden. Keines der Modelle ist frei von Kohlenwasserstoffen

Die davon ausgehende Gefahr für die Gesundheit hat auch die EU erkannt: Ab 27. Dezember 2015 gelten neue PAKGrenzwerte für Gebrauchsgüter wie Sport- und Haushaltsgeräte, Werkzeug und Bekleidung – und somit auch für den Gummistiefel. Ab dann darf ein solches Produkt nicht mehr als ein Milligramm PAK pro Kilogramm enthalten. Eins vorne weg: Keines der 16 Gummistiefel-Modelle ist gänzlich PAK-frei. Aber: Die Stiefel „Crocs Reny II, navy“ (Note Mangelhaft) und „PVC Stiefel, gelb, von Leipold + Döhle“ (ungenügend) überschreiten den neuen EU-Grenzwert von einem Milligramm pro Kilo sogar.

Sie fragen sich jetzt vielleicht: Warum haben die Stiefel „Crocs Reny II“ dann „nur“ ein mangelhaft von den Experten bekommen? Weil sie sonst keine weiteren bedenklichen Stoffe in sich haben. Von denen gibt’s nämlich noch so einige andere.

- Weichmacher: Die Schuhe sollen schön geschmeidig und weich sein. Das wird oft mithilfe von chemischen Mitteln erreicht. „Öko Test“ ist bei der Untersuchung auf zwei gefährliche Weichmacher gestoßen. Das Gummistiefel-Modell „Dunlop Sport pink/white“ hat stark erhöhte Werte der sogenannten Phthalaten. Experten sagen, diese können Leber, Nieren und Geschlechtsorgane schädigen. Die gefundene Verbindung ist in Spielzeug und Baby-Artikeln schon verboten. Stellt sich die Frage: Will man sowas an den Beinen tragen? Vier weitere Schuhe („Engelbert Strauss OB Berufsstiefel, schwarz/rot“; „Lemon Jelly Kuky 07, indigo“; „PVC-Stiefel gelb“; „Solognac Glenarm 300 Wellies, oliv“) beinhalten den Ersatzweichmacher DEHT. Hier ist laut „Öko Test“ noch unklar, wie sich das chemische Gemisch auf den Mensch auswirkt. Egal ob China oder Italien: Die Herkunft sagt wenig aus

- Farben, Zinn, Phosphor: Auch unter dieser Gruppe haben die Experten Inhaltsstoffe und davon teils auch noch hohe Werte in den Schuhen nachgewiesen. Auch sie können krebserregend sein. Im einzelnen handelt es sich dabei um den Farbbaustein Anilin („Juju Biker Boot, pink“ und „Sanita Isolde Welly, bordeaux“). Zinn wurde im „PVC Stiefel, gelb“ in stark erhöhter Form gefunden, im „Viking-Gummistiefel“ ist der Wert ebenfalls hoch. Ein phosphororganisches Mittel – ebenfalls im Verdacht, Krebs zu verursachen – ist zudem im Schuh „Lemon Jelly Kuky 07, indigo“ gefunden worden.

- Belasteter Kautschuk: Einen hohen Wert an sogenannten Nitrosaminen stecken im Gummistiefel „Tretorn Viken W, black“. Nitrosamine sind schon in kleinen Mengen krebserregend.

DIE HERKUNFTSLÄNDER
Problematische Schuhe kommen nicht nur aus China. Drei der fünf „Mangelhaft“-Modelle kommen aus dem Land, insgesamt wurden sieben aus China geprüft. Aber auch die anderen Produktionsländer arbeiten mit giftigen Stoffen – egal ob Italien, Indonesien, Portugal, Frankreich oder auch Bosnien-Herzegowina. Die Experten erklären sich das so: „Das liegt einfach daran, dass Produkteigenschaften wie Elastizität und Wasserdichtigkeit offensichtlich nur zu realisieren sind, wenn jede Menge Chemikalien eingesetzt werden.“

DER PREIS
Auch der Preis sagt im Gummistiefel-Vergleich nichts über die Qualität oder die Belastung mit Schadstoffen aus. Bei den noch besseren der allesamt schlechten Modelle ist etwa der „Engelbert Strauss OB Berufsstiefel“ für 11,19 Euro. Dagegen helfen beim „Tracker Neoprene“ die 95 Euro Preis auch nichts: Der Schuh ist ungenügend.

GRENZWERTE AB 27.12.15
Die neue PAK-Regelung in der Europäischen Union gilt ab 27. Dezember. Das Problem dabei: Es gilt nicht für Produkte, die schon vor diesem Tag hergestellt wurden. Das heißt: Es können trotzdem noch Gegenstände und Bekleidungsstücke im Umlauf sein, die den Grenzwert von einem Milligramm pro Kilo überschreiten.

Der Test: Das Magazin „Öko Test“ hat für die aktuelle November-Ausgabe 16 Gummistiefel ins Labor geschickt. Das Fazit der Experten: Gummistiefel sollten nur im Notfall angezogen werden.

 

0 Kommentare