Gruppe will in den Stadtrat SEM-Gegner: "Münchens Wachstum frisst uns auf!"

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
Dirk Höpner (v.l.), Andreas Dorsch, Claudia Hartmann und Michael Melnitzki wollen den Protest gegen die SEM in den Stadtrat tragen. Foto: AZ/ee

Die Gruppe will in den Stadtrat – und von dort München wieder "bezahlbar und lebenswert" machen.

 

München - Ein massives Wachstum wie das in München? "Muss man nicht als Naturgesetz hinnehmen", glauben die Wachstumsgegner, die mit ihrer München-Liste zur Wahl im März 2020 antreten wollen. Und zwar jetzt doch alleine – statt mit der ÖDP, mit der sie intensive Gespräche geführt hatte.

Die Gruppe besteht aus Mitgliedern verschiedener Bürgerinitiativen, die sich einig sind: "München braucht die Wachstumswende." Dirk Höpner, der auch als Sprecher der Aktionsgemeinschaft "Rettet den Münchner Norden" gegen die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) kämpft, warnt gar: "Münchens Wachstum frisst uns auf!" Er spielt dabei auf die 300.000 zusätzlichen Einwohner an, mit denen die Stadt bis 2040 rechnet. "Die einheimischen Münchner zahlen den Preis dafür – mit hohen Mieten, zubetonierten Grünflächen, Platzmangel, Stau, Lärm, schlechter Luft und langen Wartezeiten beim Arzt."

Zusammen mit Richterin Claudia Hartmann, Jurist Michael Melnitzki und Förster Andreas Dorsch - alle Mitglieder bei Bürgerinitiativen - stellt Höpner jetzt die Pläne vor. Und die sind recht radikal. Eine Theorie der Gruppe: Am starken Wachstum sind nicht zuletzt die vielen Arbeitsplätze schuld. Deshalb fordern sie: "Die Ausweisung riesiger Gewerbeflächen muss gestoppt werden!"

"Hochhäuser sind auch kein Allheilmittel"

Um München zu entlasten, müsse man sich vom Rathaus aus vielmehr dafür einsetzen, dass strukturschwächere Regionen gestärkt werden. Die "Gefahr", die die Wachstumsgegner sehen: Obwohl in 20 Jahren 300.000 Menschen mehr in der Stadt wohnen sollen, ist nur noch Platz für zirka 72.500 Wohnungen. Höpner: "Hochhäuser sind auch kein Allheilmittel, weil die Menschen, die übereinandergestapelt leben, auch Straßen und Kitas brauchen."

Die Vertreter der München-Liste machen das Wachstum auch für den Klimawandel mitverantwortlich. Durch Neubau würden immer mehr Flächen versiegelt, die Stadt verliere zudem 2.500 Bäume pro Jahr.

Beim Verkehr setzen sie auf die Stärkung des ÖPNV, besonders der Tram. Höpner: "Der Ausbau ist günstiger und man kann die Tram schneller vernetzen." Insgesamt fordern Höpner und Kollegen jedoch ein komplett neues Verkehrskonzept für die Stadt. Das letzte, aus dem Jahr 2006, sei heillos veraltet.

Die Liste selbst haben die Wachstumsgegner namentlich noch nicht festgelegt. Umso konkreter sind die Ziele, die die Initiatoren sich gesteckt haben. Höpner und seine Mitstreiter glauben: "Ein Großteil der Münchner ist vom Wachstum genervt. Deshalb halten wir zehn Prozent der Stimmen für realistisch." Jetzt müssen sie formal noch eine Hürde nehmen, die wohl eher eine Formsache sein wird: 1.000 Unterstützerunterschriften, um zur Wahl antreten zu dürfen.

 

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