Gruppe C Italien und Spanien sorgen für königlichen Spaß

Beim 1:1 gegen Spanien überrascht Italien mit sehr schönem Fußball. Coach Cesare Prandelli stolz: „Das war ziemlich gut, oder?”

 

DANZIG Dann zog sogar Iker Casillas einen Sprint an. Erst weit in der italienischen Hälfte verlangsamte er seinen Tritt wieder, lächelte, breitete die Arme aus – und umarmte schließlich den ihm entgegenschlendernden Gigi Buffon.

Vor, hinter und neben den beiden Torhütern passierte dasselbe, Italiener und Spanier fielen sich um den Hals. 22 Fußballer, gezeichnet vom enormen Tempo, das sie über 93 Minuten gegangen waren. Erschöpft, aber auch selig angesichts des Geschafften.

Mit einem 1:1 sind Spanien und Italien in die EM gestartet. Doch das Ergebnis kann nicht mal ansatzweise das Spiel abbilden, das der amtierende Welt-und Europameister und die Azzurri auf dem Rasen von Danzig abgeliefert haben am Sonntag. Es war die beste Partie dieser noch jungen Europameisterschaft, eine Art vorgezogenes Finale, mit zwei Teams, die sich nichts schenkten, leidenschaftlich rannten, passten und kämpften. Kurz: Es war eine Demonstration modernen und offensiven Fußballs zweier Mannschaften, die taktisch gleichzeitig perfekt und ungewöhnlich aufgestellt worden waren: Italien mit einem laufintensiven 3-5-2-System und dem Mittelfeldspieler Daniele de Rossi als Abwehrboss, Spanien mit einem 4-3-3 mit den drei Mittelfeldspielern David Silva, Cesc Fabregas und Andres Iniesta als Sturm-Trio.

Und diese Mannschaften boten eine Partie, über die am Ende nicht nur die Spieler lachen konnten. Während auf den Tribünen Tifosi und spanische Fans feierten, herrschte auch auf den besseren Plätzen königlicher Spaß. Kronprinz Felipe von Spanien und seine Letizia, Ministerpräsident Mariano Rajoy, Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano, Uefa-Boss Michel Platini und Pop-Star Shakira, Freundin von Spaniens Abwehrboss Gerard Piqué, waren begeistert vom überraschend guten Spiel, über das auch Cesare Prandelli, Coach der Azzurri, am Ende sagte: „Das war ziemlich gut, oder?” Sein spanisches Gegenüber Vicente del Bosque aber wollte sich nicht von seiner Knorrigkeit befreien. „Ob das 1:1 ein gutes Ergebnis ist, wird sich in den nächsten Spielen zeigen”, sagte er, „wir haben alles versucht. Wir hatten mehr Chancen, aber auch Italien hatte einige Möglichkeiten.”

Doch das war untertrieben. Casillas und Buffon waren zeitweise unter Dauerbeschuss: Casillas vor allem in Halbzeit eins, Buffon in der Schlussphase, als den Italienern mehr und mehr die Luft ausging.

Bis dahin hatten die Azzurri dem spanischen Tiki-taka, diesem Fußball gewordenen Funk-Song einen leidenschaftlichen Belcanto entgegen gesetzt, angetrieben von ihrem Taktgeber Andrea Pirlo. Pirlo, dieser Giuseppe Verdi der langen Pässe, war es auch, der in Minute 61 mit 34 Jahren vielleicht zum schnellsten Sprint seines Lebens ansetzte und den Ball präzise in den Lauf des eingewechselten Stürmers Antonio di Natale spielte, der ihn trocken versenkte. Nur drei Minuten später narrte dann David Silva mit einem Pass gleich fünf Italiener: Cesc Fabregas überwand Buffon. 1:1, zwei Tore wie gemalt – ein grandioser Abend.

 

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