Grüne Oase soll bebaut werden Münchner Idyll - So schön ist der Eggarten (noch)

Wie aus einer anderen Epoche wirkt dieses Haus im Eggarten. Foto: Marin Schreck

Der Eggarten soll bebaut werden. Alte Bewohner klagen: "Sie schicken uns zum Sterben." Jetzt wird eine Petition gestartet.

 

Lerchenau - Nun gibt es eine Online-Petition zur Eggarten-Rettung. Doch das versteckte Idyll in der Lerchenau, das vor bald 100 Jahren als Eisenbahnerkolonie geplant war und nun für dichten Wohnungsbau verschwinden soll, kennen viele Münchner überhaupt nicht: Die Kleingärtner und Bewohner der etwa 20 kleinen Häuser hatten hier Jahrzehnte ihre allerschönste Ruhe. Bis das Areal mit der historischen Gartenstadt an Investoren verkauft wurde.

Eggarten: Stadtrat beschließt Bebauungsplan

Münchens Wohnungsnot macht die Entscheidung vermeintlich unausweichlich: Das Grün und die Tierwelt samt Blindschleiche und bewohntem Fuchsbau soll einer Siedlung mit 1.700 bis 2.000 Wohnungen weichen. Obwohl sich Umweltverbände wie der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz entschieden gegen das Neubauprojekt stemmen, wegen des Artenschutzes in dem verwunschen wirkenden, grünen Areal.

Der Stadtrat hat Ende Juli die Aufstellung eines Bebauungsplans für die zukünftige Entwicklung der 21 Hektar großen Fläche beschlossen: Dafür kann als Nächstes ein Architekturwettbewerb starten. Das grundlegende Strukturkonzept hatte die Stadt mit den Investoren, der Münchner Büschl Unternehmensgruppe und CA Immo, entwickelt und schon Anfang Juli abgesegnet.

Eggarten: Neues Quartier soll Modellcharakter haben

Das neue Quartier, so betonen Stadt wie Investoren, soll sozial wie ökologisch Modellcharakter haben. Zwischen 40 und 50 Prozent der Wohnungen werden von Genossenschaften gebaut, so dass mehr bezahlbarer Wohnraum für eine längere Zeit als üblich entsteht. Das Energie und Mobilitätskonzept soll besonders nachhaltig sein. Außerdem sollen viele öffentliche und private Grün- und Freiflächen entstehen.

Natur- und Artenschutz würden berücksichtigt, die Frischluftschneise bleibe erhalten, heißt es. Auch die Bewohner des umliegenden Viertels würden profitieren, immerhin sollen auch Sportflächen, eine Grundschule, Kitas und Einkaufsmöglichkeiten geschaffen werden. Bereits im Mai fand ein Bürgerdialog über das Konzept statt. Ideen, Wünsche und Kritik flossen auch in den Stadtratsbeschluss ein. Weitere Veranstaltungen sollen folgen.

"Sie schicken uns zum Sterben"

Die noch übrigen Bewohner des Eggartens tröstet all das wenig. Sie sind fertig mit den Nerven. Eine ältere Frau sagt der AZ: "Ich wohne hier seit 50 Jahren. Wir müssen hier weg. Das ist schlimm für uns. Wir wollen hierbleiben. Andernfalls schicken sie uns zum Sterben."

 

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