Gründer von Bellevue di Monaco Till Hofmann: Genosse für gerechtes Wohnen in Passau

"Bellevue di Monaco"-Gründer Till Hofmann vor der gefährdeten Löwenbrauerei in seiner Heimatstadt Passau. Foto: Tobias Köhler/ mediendenk

Till Hofmann wirbt in seiner Heimatstadt Passau für Wohnen in Genossenschaften. Denn auch hier kreisen die Immobilien-Haie.

 

Passau - Bauspekulanten prägen zunehmend den Wohnungsmarkt. Die Entwicklung treibt die Mietpreise voran und gefährdet finanzschwache Haushalte. "Es gilt, Spekulanten den Boden zu entziehen", fordert Theatermann Till Hofmann auch für seine alte Heimatstadt Passau. Er will Motor sein für ein Modell, das seit über einem Jahrhundert für Gerechtigkeit sorgt: Wohnungsgenossenschaften.

Um die Passauer Löwenbrauerei kreisen die Investoren

Als Till Hofmann im Vorjahr auf dem Kleinen Exerzierplatz die alte Maidult ins Passauer Zentrum zurückholte, erfuhr er von den Sorgen und Bedenken der Angestellten der Löwenbrauerei. Vor dem Büro des Brauereidirektors Helmut Ring fahren Limousinen vor, Vermessungsteams tummeln sich auf dem Gelände. Die Mitarbeiter sind in Alarmbereitschaft. Werden wir ein Spekulationsobjekt wie die anderen Brauereien? Wie die Peschlbrauerei, deren brachliegendes Grundstück in die Hände eines Schweizer Konsortiums gefallen ist; wie die Innstadtbrauerei, deren Marke sich der Hacklberger Platzhirsch einverleibt hat, auf deren Lager- und Vertriebsflächen ein neues Büro- und Wohnquartier hochgezogen wurde?

Als alter Passauer kennt Hofmann die Netzwerke der Amigos. Es funktioniert wie in allen Großstädten, im kleinen Passau ist es deutlich sichtbar: Das Monopoly um die besten Lagen; wer wo welche Spielsteine setzt, Grundstücke und Häuser kauft und abkassiert.

Till Hofmann: Das Monopoly der Amigos muss ein Ende haben

Das Monopoly der Amigos muss ein Ende haben, meint Till Hofmann. Im Februar dieses Jahres überrumpelt er die Funktionäre der Löwenbrauerei mit einer Informationsveranstaltung: "Gemeinsam bauen und wohnen - Genossenschaften gründen." Man kann ihm seine Bitte um Räumlichkeiten nicht abschlagen. Hofmann ist langjähriger Stammkunde. Gemeinsam mit der Brauerei richtet er seit fast 25 Jahren das Eulenspiegel-Zeltfest an der Ortsspitze aus und neuerdings die "Oide Dult". Es drängt sich ein bunt gemischtes Publikum auf 25 Bierbänken: Lokalpolitiker, städtische Angestellte und Bürger, aber auch Vertreter der "Amigos" sind da.

Das Bellevue di Monaco in der Müllerstraße in München. Foto Tim Wessling

Till Hofmann hat Erfahrung: In München hat er vor zwei Jahren die soziale Wohnungsgenossenschaft "Bellevue di Monaco" gegründet (hier der AZ-Bericht). Ein Hochhaus, ein Gründerzeithaus und ein Industriegebäude wollte die Stadt abreißen lassen.

Zehn Prozent der Wohnungen sind in Genossenhand

Nun wird am 9. Juni "Bellevue di Monaco" in München seine Eröffnung feiern: 22 Wohnungen, alleinerziehende Mütter, Familien sowie Jugendliche, von denen viele der Jugendhilfe anvertraut sind, sieben Euro der Quadratmeter, ein Spottpreis für München.

In der Dreiflüssestadt Passau sind schädliche Entwicklungen für finanzschwache Bürger ansatzweise spürbar , wenn beispielsweise in der Altstadt nach Luxussanierungen Studenten mit betuchten Eltern die Alteingesessenen verdrängen. Mit Hofmanns Idee könnte sich die Brauerei einen Teil ihres Geländes sichern und selbst entwickeln.

Eine Stadt mit vielen Baugenossenschaften ist zu beneiden. Sie muss sich um vieles nicht mehr kümmern. Passau ist arm an Wohnungen in Genossenhand, es dürften gerade mal 10 Prozent sein. Der neidvolle Blick geht nach Wien, das sich am Wohnungsmarkt mit einem Anteil von 60 Prozent Genossenschaften weitestgehend von Spekulanten befreit hat, während Passau sogar im Vergleich mit München (30 Prozent) schlecht dasteht. Wo das Kapital auf dem Immobilienmarkt den Ton angibt, lässt sich in der Stadt daran erkennen, dass stets die Namen derselben Maklerbüros auf den Schaufensterplakaten und Bauschildern stehen.

"Der Hofmann Till wird mit Lob überschüttet"

"Bis vor kurzem hat noch keiner von Genossenschaften gesprochen, geschweige denn gewusst, wie sie funktionieren", sagt Rudi Ramelsberger, der Generalbevollmächtigte des Passauer Baulöwen Michael Kapfinger. Man müsse auch die Kehrseite der Medaille sehen. Nirgendwo werde so viel gestritten wie in Genossenschaften. Trotzdem findet er das Modell für die Löwenbrauerei interessant.

Am Ende der Präsentation des Münchner Teams stehen viele noch lange in Grüppchen zusammen und diskutieren. "Ja, es bewegt sich was", sagen sie. Der Hofmann Till wird mit Lob überschüttet und von alten Freunden umarmt. Stimmung wie bei einem Klassentreffen. "Könnte nicht die Stadt Passau zusätzliche Grundstücke für so ein Genossenschaftsmodell zur Verfügung stellen?", fragt jemand. "Das müsste doch auch im Sinne unseres SPD-Oberbürgermeisters sein", glaubt ein anderer.

Hofmann lässt sich nicht von seiner Passauer Wohnungsgenossenschaft abbringen: "Im nächsten Schritt werden wir in Passau einen Workshop anbieten", kündigt er an. Leute, die Ahnung von Finanzen oder Bauen haben oder in der Stadt verortet sind, könnten sich einbringen.

 

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