Gründer des Poetenstammtischs Institution der Münchner Kleinkunst: Fritz Liebl ist tot

Fritz Liebl im Fraunhofer. Foto: Aus dem Buch "Menschen in München"/Volk Verlag

Fritz Liebl, Mitbegründer des Münchner Poetenstammtischs, ist im Alter von 79 Jahren gestorben.

 

München - Ende Januar hatte Fritz Liebl seinen letzten Auftritt. Natürlich im Fraunhofer, auf seiner Bühne, es war der letzte der drei Jubiläumsabende für 25 Jahre Poetenstammtisch. Liebl saß am Klavier, er wirkte gebrechlich. Brüchig auch die Stimme, vor einem Jahr war er schwer gestürzt, davon hatte er sich nicht erholt.

Geistig aber war er immer noch wach, präsent, ganz der Alte. So wie in dem Vierteljahrhundert davor eben auch, als er einmal im Monat als Moderator durch den Abend führte und Nachwuchskünstler präsentierte, von denen manche später eine große Karriere hinlegen sollten. Nun ist Fritz Liebl, als Mitbegründer des Münchner Poetenstammtischs eine Institution der Münchner Kleinkunst gestorben.

Mit 79, allein in seiner Wohnung. In den 1950er Jahren war Liebl aus der Oberpfalz nach München gekommen, als Pianist trat er bei Jam-Sessions in Jazz-Clubs wie der "Nachteule" in der Occamstraße auf, untertags arbeitete er als Archivbeamter in der Landesversicherungsanstalt. Mitte der Achtziger Jahre gehörte er zum Kabarett-Ensemble "GmbHoffnung", mit dabei auch der im Januar verstorbene Rosenheim-Cop Joseph Hannesschläger.

Poetenstammtisch: Ein Münchner Talentschuppen

Mit Sorge sah Liebl, wie eine Kleinkunstbühne nach der anderen aus der Münchner Szene verschwand, das "MUH", das "Robinson", also gründete er mit dem Satiriker Helmut Eckl und Wirt Beppi Bachmeier 1994 den Poetenstammtisch im Fraunhofer, um immer am letzten Montag des Monats fünf unbekannten Talenten 20 Minuten ein Forum zu geben. Ein Brettl, das für viele ein Sprungbrettl zu einer großen Karriere wurde.

Martina Schwarzmann und Django Asül, Max Uthoff und Claus von Wagner, Michi Altinger und Christoph Süß: Für zahlreiche Künstler war der Poetenstammtisch die erste wichtige Bühne Münchens.

Nach der Corona-Pause wollte Liebl wieder zurück, doch nun starb er am 27. Mai in seinem kleinen Appartement in der Dülferstraße. Vielleicht sitzt er jetzt ja dort oben am Klavier, und führt am letzten Montag im Monat durch einen lustigen Abend, auf der Suche nach einem unentdeckten Kleinkunsttalent. Im Himmel überm Fraunhofer. 

 

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