Großer Preis von Ungarn Angriffslustiger Vettel will fitten Hamilton schlagen

Sebastian Vettel (r) inspiziert in Budapest die Strecke. Foto: Photo4/Lapresse/Lapresse via ZUMA Press/dpa

19 Rennen kein Sieg mehr - fast ein Jahr. Dabei giert Sebastian Vettel im Ferrari nicht nur nach Grand-Prix-Erfolgen. Er will den Titel mit der Scuderia. Aufgeben ist keine Option. In Ungarn gibt's neue Teile für sein Auto. Rivale Lewis Hamilton ist dafür wieder fit.

 

Budapest (dpa) – Sebastian Vettel setzt auf neue Teile für seinen Ferrari und den Attacke-Modus. Ein Ende der Siegloszeit käme für den 32 Jahre alten Formel-1-Piloten genau richtig.

"Wir werden angreifen und versuchen, das Beste aus unserem Paket rauszuholen", kündigte Vettel am Donnerstag im Fahrerlager auf dem Hungaroring an: "Wir sind in gewisser Weise voller Zuversicht."

343 Tage nach seinem bislang letzten Grand-Prix-Erfolg hat der viermalige Weltmeister am Sonntag (15.10 Uhr/Sky und RTL) beim Großen Preis von Ungarn die letzte Chance, sich vor dem unerfreulichen Einjährigen am 26. August zu retten. An diesem Tag vor einem Jahr gewann er in Belgien. Seitdem versucht es der gebürtige Heppenheimer in seinem Ferrari zwar mit allen Mitteln, aber vor allem vergeblich.

Aufgeben ist nach wie vor jedoch keine Option - trotz noch immer satter 84 Punkten Rückstand auf WM-Spitzenreiter und Fünffach-Champion Lewis Hamilton von Mercedes. "So wie die Regeln sind und nächstes Jahr sein werden, bringt es nichts, das Handtuch zu werfen", bekräftigte Vettel: "So macht es auf jeden Fall Sinn, weiter mit Vollgas zu attackieren." Zudem diagnostizierte Vettel bei sich und seinem Team in den vergangenen Wochen eine positive Tendenz.

Mit einem Sieg in Budapest, wo Vettel 2015 in seinem ersten Ferrari-Jahr sowie 2017 schon mal gewonnen hat, würde er sich auf dem Weg zum so ersehnten ersten WM-Titel mit Ferrari vor der Sommerpause und dem Start in die zweite Saisonhälfte in den belgischen Ardennen am 1. September zumindest einen gehörigen Motivationsschub geben.

Hamilton rechnet jedenfalls schon mal mit einer roten Attacke auf die Silberpfeile. "Sie werden hier schnell sein", prophezeite er: "Es ist klasse, dass sie sich so entwickeln."

Die selbst verordnete Ruhetherapie hat dem Briten gut getan. "Ich fühle mich viel besser", sagte er. "Ich habe in den vergangenen drei Tagen viel geschlafen", meinte der Ungarn-Rekordsieger - sechsmal gewann er auf dem Kurs bei Budapest und ist auch auf dem Weg zu seinem sechsten WM-Titel.

Vettel arbeitet auch in diesem Jahr eher vergeblich an Triumph Nummer fünf. Die Gesamtbilanz der Rennen seit seinem Sieg in Spa-Francorchamps im vergangenen Jahr reicht nicht für ein weltmeisterliches Bewerbungsschreiben.

In den 19 Rennen seitdem kam Vettel zehn Mal nicht mal aufs Podium. Im aktuellen WM-Klassement liegt er auch nach seinem famosen zweiten Platz nach einer spektakulären Aufholjagd auf dem Hockenheimring am vergangenen Sonntag mehr als drei Rennsiege hinter Hamilton. "Ich will diesen Kick wieder spüren, der entsteht, wenn man um die WM fährt. Und ich will das mit Ferrari erleben", betonte Vettel in einem Interview mit dem Magazin "Auto-Bild Motorsport" (Donnerstag).

Es ist Vettels fünftes Jahr bei der Scuderia. Er wurde WM-Dritter in seinem ersten Ferrari-Jahr, dann folgte die sieglose Saison 2016, Vettel belegte am Ende WM-Rang vier, 2017 und 2018 wurde er Vizeweltmeister, kämpfte ein bisschen gegen den übermächtig erscheinenden Hamilton, richtig in Schwierigkeiten brachte der viermalige Champion den aktuell erfolgreichsten Piloten im Feld aber nicht.

Vettel wurde viel kritisiert, weil er sich nicht wenige Fehler leistete. Ferrari trennte sich von Vettels gutem Kumpel Kimi Räikkönen und ersetzte den 39 Jahre alten Finnen durch den 21 Jahren Charles Leclerc. Der nach außen smarte und auf der Strecke knallharte Monegasse ist die Zukunft der Scuderia, daraus machten und machen die Verantwortlichen des italienischen Traditionsteams auch kein allzu großes Geheimnis. Vettels Vertrag endet nach der nächsten Saison.

Es wird also Zeit für den Hessen. Seine Titel liegen schon eine Weile zurück, nachdem er mit Red Bull eine Ära geprägt und Weltmeister 2010, 2011, 2012 und 2013 geworden war. 2014 folgte auch bei dem Team, das sich nun anschickt im 21 Jahre alten Verstappen den nächsten möglichen (Serien)-Weltmeister zu formen, eine Vettel-Saison ohne Sieg.