Großer Preis von Deutschland Vettel gegen Rosberg – doch ewig nervt der Reifen

Sebastian Vettel und Nico Rosberg bei der Pressekonferenz am Nürburgring Foto: dpa

Es könnte ein schönes Duell um den Heimsieg werden, Vettel gegen Rosberg am Nürburgring – doch nicht nur angesichts der Boykottdrohung durch die Fahrer spielen die Reifen weiter die Hauptrolle.

 

Nürburgring Die Chemie stimmt zwischen Sebastian Vettel und Nico Rosberg, das ist spürbar vor dem Großen Preis von Deutschland am Nürburgring (Sonntag, 14 Uhr/RTL und Sky). Die beiden besten Formel-1-Piloten des Landes zeigen sich entspannt im Umgang miteinander, scherzen auf der Pressekonferenz, und eigentlich könnte es ein schönes Duell um den Sieg beim Heim-Grand-Prix werden.

Doch die Vorfreude auf den sportlichen Wettstreit auf der Strecke wird aufgefressen von anhaltenden Reifendiskussionen – und einer deutlichen Boykott-Drohung durch die Piloten. Angesichts der reihenweise geplatzten Pneus beim vergangenen Rennen in Silverstone wählte die Fahrergewerkschaft GPDA um Weltmeister Vettel in der Eifel deutliche Worte. „Ähnliche Probleme während des deutschen Grand Prix“, das teilte die GPDA mit, würden zu einem sofortigen Rückzug führen, denn dieses „vermeidbare Problem“ gefährde das Leben von Fahrern, Streckenposten und Fans.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff nannte das bei Sky Sport News HD ein „hartes Statement der Fahrer, denn es geht schließlich um ihre Sicherheit. Einen Streik oder Boykott, soweit kommen wir aber hoffentlich nicht.“ In die Eifel hat Pirelli neue Reifen mitgebracht, diese allerdings sind den Teams seit dem freien Training vor vier Wochen in Kanada bereits bekannt. Außerdem hat FIA-Rennleiter Charlie Whiting den Rennställen am Freitag offiziell mitgeteilt, dass die Vorgaben des Herstellers im Umgang mit den Reifen strikt zu befolgen seien.

Demnach ist das „Seitenwechseln“ der Pneus, das Pirelli als einen Grund für das Desaster von Silverstone ausgemacht haben will, am Nürburgring verboten, außerdem schreibt die FIA den Reifendruck und die sogenannten „Sturzwerte“ für Vorder- und Hinterachse vor.

Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery war angesichts der Boykott-Drohung der Fahrer nach eigener Aussage verwundert. „Ich war etwas überrascht, aber ich hatte mit ihnen ein Meeting und bin alles durchgegangen“, sagte der Brite im Gespräch mit motorsport-total.com: „Wir haben versucht, die Situation zu erklären. Vielleicht ist ihnen (den Fahrern, d. Red.) nicht immer klar, was alles passiert.“ Er habe den Piloten die Veränderungen für den Nürburgring und die generellen Änderungen erklärt: „Wir glauben, dass es für sie in die richtige Richtung geht.“

Die Fahrer, so schrieb die GPDA, vertrauen nun darauf, dass die neuen Pneus funktionieren, damit das Rennen am Nürburgring von ähnlichen Vorfällen verschont bleibe. „Wir sind bereit, unsere Autos ans Limit zu bringen, wie wir es immer tun und wie es Teams, Sponsoren und Fans erwarten“, heißt es in dem Statement. Angesichts geringer Testmöglichkeit sind die neuen Reifen in der Eifel aber die großen Unbekannten – das gilt nicht nur für die Sicherheit, das gilt auch für ihren Einfluss auf den Wettbewerb.

„Sicher“, sagte Rosberg, 'es ist sehr wahrscheinlich, dass sie eine Auswirkung auf die Leistung in Qualifying und Rennen haben – möglich, dass alles ein bisschen durcheinandergewirbelt wird." Ganz anders sieht das Vettel: „Pirelli hat sicher kein Interesse, die Rennergebnisse zu beeinflussen und das eine oder das andere Team zu bevorteilen.“ In beiden Aussagen schwingt ein nachvollziehbares Interesse mit. „Wir führen die WM an, wir sind es, die am meisten zu verlieren haben“, sagt Vettel.

Fortan wird der Gürtel der Hinterreifen aus Kevlar statt aus Stahl bestehen, aus einem Material also, das weniger stark erhitzt – und damit das größte Problem bei Mercedes lösen könnte. Bei der Jagd auf Vettel ein Vorteil. Das Vorgehen von Hersteller Pirelli nach Silverstone sorgt derweil weiterhin nicht gerade für Erheiterung bei den Rennställen. Der Hersteller hatte in seiner Schadensanalyse nach dem Fiasko vier Gründe für die Platzer ausgemacht: Einer betraf die Strecke, drei betrafen die Rennställe – keiner betraf Pirelli.

Darauf angesprochen, atmete Vettel tief durch. „Ich will mich eigentlich nicht auf eine Diskussion darüber einlassen“, sagt der 26-Jährige, „aber was da an die Öffentlichkeit gekommen ist, ist nicht ganz richtig.“ Nur so viel sei gesagt: „Der Reifen stand zu Recht in der Kritik.“ Hembery relativierte den Standpunkt des Herstellers auf dem Nürburgring zumindest teilweise. Man müsse die Probleme aussortieren, und die bestmögliche Reaktion sei, „dass wir es vernünftig machen. Wir müssen wieder auf Kurs kommen. Wir sind eine professionelle Firma“, sagte der Brite: „Wir sind sehr leidenschaftlich und sind sehr gut darin, was wir machen. Man geht einfach nicht in schwierigen Zeiten. Zu diesen Zeiten muss man härter arbeiten und einen besseren Job machen.“

 

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