"Grips statt Gras" 900 Kilometer zu Fuß! Wandern für die Jugendlichen

Daumen hoch, Ziel erreicht: Nach 900 Kilometern Fußmarsch kommt Kay-Michael Kämnitz in München an. Foto: API/Michael Tinnefeld

Ein Mann aus Marlow läuft 900 Kilometer nach München – zu Fuß. Vier Wochen braucht er dafür. Wer davon profitieren soll

 

München Und dann ist er losgewandert. Einfach gewandert. Doch so einfach war das gar nicht. 30 Kilometer lief er etwa am Tag. Nach zwei Tagen war das erste Paar Schuhe hinüber. Kay-Michael Kämnitz (43) hatte sich das alles niemals so anstrengend vorgestellt. Wenn er nicht gerade wandert, ist er Unternehmensberater – und joggt regelmäßig. „Doch das ist etwas völlig anderes“, sagt er.

Nach vier Wochen und 900 Kilometern muss er es wissen. Gestartet ist er Anfang Juni in seiner Wahlheimat Marlow in Mecklenburg-Vorpommern. Das Ziel lautete: München. Mit dem dritten Paar Schuhe kam er hier an.

Was das alles soll?

Kämnitz wandert für die Jugendlichen in Marlow. Dort hat er sein ehemaliges Landschulheim übernommen, das zuvor als illegale Cannabisplantage für Schlagzeilen gesorgt hatte. Der Unternehmensberater möchte aus dem Areal eine Kreativwerkstatt für junge Leute machen.

Deshalb steht seine Wander-Aktion, der immerhin längste Sponsorenlauf Deutschlands, auch unter dem Motto: „Grips statt Gras“.

Während seiner XXL-Wandertour versuchte er überall, Menschen für sein Projekt zu gewinnen und Spenden zu sammeln. 1500 Euro hat er auf den 900 Kilometern gesammelt – und viele neue Erfahrungen.

„Ich habe durchweg nur gastfreundliche Leute kennengelernt“, erzählt er der AZ. „Oft durfte ich kostenlos in einer Pension oder einem Jugendgästehaus schlafen. Das Tolle an Bayern ist ja, dass es – egal, wie klein das Dorf auch ist – überall ein Wirtshaus gibt. Und so ein paar Weißwürste stärken ungemein.“

Wenn er sich doch mal selbst verpflegen musste, hat er sich ausschließlich von Bananen ernährt. „Die Prioritäten verschieben sich auf so einer Tour sehr“, meint Kämnitz. „Wegen was man sich sonst so aufregt oder stresst – das alles ist plötzlich unwichtig. Ich hoffe, dass ich diese neue Ruhe und Gelassenheit ein bisschen in meinen Alltag integrieren kann.“

Ruhe gönnte er sich auch in München. Bei einem Glas Champagner ließ er sich bei Lippert’s Friseure verwöhnen. Chef Wolfgang Lippert spendete spontan 1000 Euro und eine Rasur. Die langen Haare, der Bart – alles kam ab. Aber die Erinnerungen bleiben. Viel länger als die Blasen an den Füßen.

 

0 Kommentare