Greenpeace-Test Wie gefährlich ist Outdoor-Kleidung?

Es geht auch ohne: Picture-Organic-Clothing-Mitarbeiter Julien Durant zeigt auf der Ispo eine chemikalienfreie Jacke samt Helm. Foto: dpa

Ein aktueller Greenpeace-Produkttest zeigt: In fast allen Textilien großer Herstellern finden sich sogenannte PFC-Chemikalien. Was das für die Gesundheit bedeutet, welche Alternativen es gibt.

 

München - Sich an der frischen Luft bewegen, unberührte Natur genießen und dabei vor Wind und Wetter geschützt sein: Das wünschen sich Käufer von wetterfester Kleidung – und damit werben auch die Hersteller.

Der dritte Outdoor-Bekleidungstest der Umweltorganisation Greenpeace, der gestern auf der Sportmesse Ispo in München vorgestellt worden ist, zeigt aber: Fast alle getesteten Kleidungsstücke großer Outdoor-Hersteller sind mit gesundheitsgefährdenden Chemikalien belastet. Welche das sind, wie schädlich sie für uns werden können und wie man sie vermeidet – die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Chemikalien wurden in der Outdoor-Kleidung nachgewiesen? Getestet wurden 40 Produkte aus zehn Ländern auf sogenannte per- und polyfluorierende Chemikalien, abgekürzt PFC. Diese Gruppe umfasst mehr als 800 Stoffe, die bekanntesten sind Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroktansäure (PFOA).

Wie viele Kleidungsstücke sind belastet? Von den elf Jacken, acht Hosen, sieben Schuhpaaren, acht Rucksäcken, zwei Schlafsäcken, zwei Zelten, einem Kletterseil und einem Paar Handschuhe wiesen nur vier Produkte keine PFC auf. Elf Artikel enthielten PFOA in gesundheitsschädlicher Konzentration, vor allem die Marktführer The North Face und Mammut setzen sie ein.

Warum sind die Chemikalien für Menschen gefährlich? PFC-Stoffe werden hauptsächlich über Trinkwasser und Nahrung aufgenommen und binden sich im Körper an Proteine im Blut, in der Leber und in den Nieren. Sie bleiben sehr lange im Organismus und stehen im Verdacht, die Fruchtbarkeit von Frauen und die Spermien-Produktion zu beeinträchtigen. Außerdem haben Studien laut Umweltbundesamt unter anderem Auswirkungen der PFC auf Schilddrüse, Darmerkrankungen, die Entstehung von Leberkrebs und Tumoren gezeigt.

Wie belasten Chemikalien aus Outdoor-Kleidung die Umwelt? PFC-Verbindungen kommen nicht natürlich vor und lassen sich nur schwer abbauen. Bei Outdoor-Kleidung mit PFC sei nicht primär das Tragen das Problem, erklärt Greenpeace-Chemieexperte Manfred Santen, sondern die Produktion: Rund um die Firmen, vor allem in Asien, gelangten die Stoffe ins Grundwasser. Mittlerweile können PFC fast überall auf der Welt nachgewiesen werden.

Warum werden PFC-Chemikalien in Allwetterbekleidung verwendet? Die Chemikalien sind wasser-, fett- und schmutzabweisend. Wenn sie auf der Oberfläche von Textilien angebracht werden, sind diese dauerhaft imprägniert, wodurch sich der Stoff zum Beispiel weniger schnell mit Regenwasser vollsaugt.

Wie finde ich Produkte, die nicht belastet sind? Zu den Firmen, die auf PFC verzichten, gehören etwa Fjällräven aus Schweden, Pyua aus Deutschland, Páramo aus England, R’adys und Rotauf aus der Schweiz sowie Klättermusen und Houdini aus Schweden. Vaude und Jack Wolfskin produzieren teilweise PFC-frei, Vaude kündigte an, bis 2020 komplett auf Alternativen umzusteigen.

Welche Alternativen gibt es zu PFC? Auf der Ispo in München stellen Firmen etwa Textilien mit Melasse vor, einem Nebenprodukt der Zuckerherstellung. Das Outdoor-Unternehmen Picture Organic Clothing etwa fertigte eine Jacke samt Helm aus Recyclingmaterialien auf Basis von Maispflanzen und alten Autoreifen an. Und ohne PFC-Beigabe.

 

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