AZ-Interview Gärtnermeister und Umweltplaner Benjamin Zeckau von Greencity: "Feind im Beet sind Leute, die durchtrampeln"

"Die Hotspots sind Haidhausen, Neuhausen und Untersendling", sagt Benjamin Zeckau von Green City. Foto: Green City

Benjamin Zeckau hilft Münchnern, ihre Stadt grüner zu machen. In der AZ erzählt er, wie er das macht.

 

Der Gärtnermeister und Umweltplaner leitet seit fünf Jahren das Grünpaten-Projekt bei Green City.

AZ: Herr Zeckau, in welchen Stadtteilen wohnen die meisten Bürger, die Patenschaften übernehmen für Beete?
BENJAMIN ZECKAU: Die Hotspots sind Haidhausen, Neuhausen und Untersendling.

Woran liegt's?
Dort leben viele, die ein bisschen besser gestellt sind, Sinn für die Natur haben und Zeit dafür investieren können. Uns ist aber wichtig, dass es auch in Gebieten, wo es die Menschen weniger schön haben, mehr Natur gibt.

Zum Beispiel wo?
In Milbertshofen oder Berg am Laim zum Beispiel. Aber dort geschieht das meist nicht von allein. Wir gehen gezielt in diese Viertel, machen Werbung.

"Eine engagierte Gruppe aus jeweils drei Paten"

Wie muss eine Fläche beschaffen sein, damit sie vom Baureferat Gartenbau für eine Grünpatenschaft genehmigt wird?
Es muss eine gestörte Fläche sein, also eine, die brach liegt oder wo die übliche Pflege durch die Stadt nicht ausreicht. Weitere Voraussetzungen sind: Es muss eine engagierte Gruppe aus jeweils drei Paten bestehen, möglichst mit engagierter Nachbarschaft und eine Gießmöglichkeit.

Entstehen den Paten Kosten?
Kaum. Das Wasser zum Gießen kostet wenig. Die Gartenwerkzeuge kann man kostenfrei bei Green City leihen. Die Münchner Blumenerde aus Kompost wird geliefert, und die Pflanzen für die Erstbepflanzung werden ebenfalls gestellt.

Welche Pflanzen eignen sich?
Meistens sind die Flächen ja unter hohen Alleebäumen, da wächst nicht alles. Gut sind mehrjährige Stauden für trockene Böden, Elfenblumen, Hosta, Gräser, Buschwindröschen und Rosen. Außerdem Zwiebelpflanzen wie Tulpen, Narzissen und Krokusse.

Zeckau: "Genehmigungsverfahren noch zu aufwendig"

Sind Hundehaufen ein Problem?
Ja, das ist immer wieder Thema. Feind im Beet sind aber auch Leute, die einfach durchtrampeln oder die ihre Räder an den Stahlbügeln anketten, die das Parken von Autos verhindern. Da stehen die Räder dann mitten in den Blumen.

Wie könnten noch mehr hässliche Flecken auf städtischem Grund begrünt werden?
Derzeit schaffen wir nur neun neue Flächen pro Jahr umzusetzen. Momentan ist das Genehmigungsverfahren noch zu aufwendig und bürokratisch. Es wäre schön, wenn das Baureferat das mit seinen eigenen Mitarbeitern oder einer Förderung vorantreiben könnte. Und wir suchen dringend Ehrenamtliche mit Gärtnerwissen, die die Paten in den Vierteln unterstützen. Das wäre eine große Hilfe, dann müssten wir von Green City nicht jedes Mal dabei sein.

Lesen Sie hier: Grünpaten zaubern Gartenbeete am Straßenrand

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