Graurinder in Landshut Ochsen in der Ochsenau – eine alte Tradition

Helmut Naneder (l.) und Tobias Lermer (r.) vom Landschaftspflegeverband Landshut auf der Weidefläche, die ab Mitte Mai das neue Zuhause von vier ungarischen Graurindern sein wird. Foto: Kerstin Petri

Vier ungarische Graurinder kommen nach Landshut. Warum mit dem Projekt an die Geschichte der Stadt angeknüpft wird.

 

Landshut – Am kommenden Freitag bekommt die Stadt Landshut tierischen Zuwachs: Vier Graurinder werden von Ungarn nach Niederbayern transportiert, um in der Ochsenau im Osten des Stadtteils Schönbrunn eine neue Heimat zu finden.

Die Ochsen sind rund ein Jahr alt und wiegen zwischen 150 und 200 Kilo. Wenn sie ausgewachsen sind, bringen sie bis zu 1.000 Kilo auf die Waage. Die Wahl ist auf ungarische Graurinder gefallen, weil sie trotz ihrer Größe ein ruhiges Gemüt haben und leicht zu händeln sind, sagt Tobias Lermer, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes bei der Informationsveranstaltung in der Ochsenau.

Zudem sind Graurinder vom Aussterben bedroht. In Deutschland gibt es sie derzeit nur an einem weiteren Standort, so stellvertretender Geschäftsführer Helmut Naneder. Dabei war diese alte Hausrindrasse aus der Puszta-Region einmal enorm wichtig für Landshut.

In der Ochsenau wurden früher Ochsen aus Ungarn zwischengeparkt

Zwischen 1350 und 1750 sind bis zu 200.000 Graurinder jährlich aus Ungarn in die mitteleuropäischen Handelsmetropolen getrieben worden. Der Grund: Die mageren heimischen Rinderrassen konnten den Bedarf nicht decken. In Landshut wurden die Ochsen "zwischengeparkt" und zwar auf den Weideflächen der Ochsenau. "Daher kommt auch der Name", sagt Gerhard Tausche, Leiter des Stadtarchivs.

Im Archiv gibt es einen Beleg, wonach 1590 ein Landshuter Metzger 20 bis 35 dieser Ochsen gekauft hat, um diese weiden zu lassen und bei Bedarf zu schlachten. Ob es sich bei den 323 Ochsen, die bei der Landshuter Hochzeit 1475 verspeist worden sind, um ebensolche ungarische Graurinder handelte, weiß man heute nicht mehr. "Aber möglich wäre es", meint der Stadtarchivar.

Graurinder eigneten sich gut für die über 1.000 Kilometer lange Reise, denn sie haben auf dem Weg nicht viel an Gewicht verloren. Auf den Zwischenstationen haben sie sich die verbrannten Kalorien schnell wieder angefuttert. Die Ochsen dienten einerseits als Nahrungsmittel, andererseits als Material für die Handwerker, denn von den Tieren wurde alles verwertet: die Haut zur Lederherstellung und auch die Hörner. "So profitierte ein ganzer Wirtschaftszweig im Handwerksbereich von den Ochsen", sagt Tausche.

Beweidung zu wissenschaftlichen Zwecken

Mit den ungarischen Ochsen, die im Frühjahr die Ochsenau besiedeln sollen, hat man Derartiges nicht vor. Ziel des Projektes ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, sagt Lermer. Durch Monitoring will man untersuchen, wie sich die Fläche durch Rinderbeweidung verändert. Außerdem sollen Interesse und Verständnis für Beweidungsprojekte in der Bevölkerung geweckt werden.

Möglich machte das Projekt der Landschaftspflegeverband Landshut als Projektträger und Eigentürmer der Tiere sowie die Stadt Landshut als Grundstückseigentümer. Gefördert wird das Projekt von der Regierung von Niederbayern mit 160 000 Euro für die erste zweijährige Förderperiode. Außerdem beteiligt sind die Leader Aktionsgruppe, der Nationalpark Neusiedler See, die Firma Weihmüller, die den Stromzaun zur Verfügung stellt, und die Sparkassenakademie, die den Zugang zu Wasser und Strom bereitstellt.

Wenn die Graurinder in Landshut angekommen sind, kommen sie zunächst in die Stallhaltung, um sich an ihre neue Bezugsperson zu gewöhnen. Das ist ein Landwirt, der die Tiere später auf der Weide betreuen wird. Mitte Mai dürfen die Ochsen dann auf das rund drei Hektar große Gelände, das von einem Stromzaun umfriedet ist. Sie fressen das Gras auf der Weide, bekommen Wasser, Schutz bei Wind und Wetter bietet ein mobiles Weidezelt, damit sich die Tiere in ihrem neuen Zuhause wohlfühlen.

Mehr zur Geschichte des Ochsenhandels erfährt man beim Vortrag "Die Oxen-Connection", den Gudrun Malcher aus Regensburg zu ihrem gleichnamigen Buch am Dienstag, 26. März, um 19.30 Uhr in der Volkshochschule halten wird.

 

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