Gräberfund in Zorneding So lebten die ersten Bajuwaren

Das Frauengrab: Die Tote hat wertvolle Grabbeigaben – offenbar stammte sie aus der Oberschicht. Foto: Landesamt für Denkmalschutz

Nach dem Gräberfund in Zorneding gibt das Bayerische Amt für Denkmalpflege erste Untersuchungsergebnisse gekannt: 500 nach Christus lebten dort bereits Menschen.

 

München - Ein Haufen grau-brauner Erde liegt auf einer Plastikfolie im Kellerlabor des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege am Hofgraben 4. Jede Putzfrau würde so etwas schleunigst entsorgen. Aber: Dieser Haufen ist geschichtsträchtig. Er kann Aufschluss geben, wie der erste Bayer mal aussah.

Die Erde ist ein Teil der Ausgrabungsfunde „Am Fenneck“ in Zorneding aus dem Jahr 2006. Damals ist auf dem Areal eine Neubausiedlung entstanden. Bauarbeiter stoßen auf einen Friedhof aus dem Frühmittelalter. 28 historische Gräber sind damals freigelegt worden.

Jetzt teilt das Amt für Denkmalpflege die ersten Untersuchungsergebnisse mit. „Die Grabfunde geben einen Einblick, wie man sich in Zorneding im Frühmittelalter gekleidet hat“, sagt Jochen Haberstroh, Vize-Chef der Abteilung Bodendenkmalpflege.

Die Gräber belegen, dass bereits 500 nach Christus in Zorneding Menschen lebten. Offiziell ist die Gemeinde 813 gegründet worden. Noch können die Restauratoren keine exakte Skizze vorlegen, was der Bajuware damals getragen hat. Haberstroh: „Es ist eine aufwändige Arbeit, um das zu rekonstruieren.“

Viele Information gibt es bereits über ein Frauengrab. Die Dame muss zirka 1,70, minus fünf bis zehn Zentimeter, groß gewesen sein. Sie gehörte sozial zu einer besseren Schicht. „Dies erkennt man an den Grabbeigaben“, so Haberstroh. Die Tote trägt einen Ledergürtel mit einer aufwändig verarbeiteten Schnalle.

Die Kleidungsstücke wurden mit so genannten silbernen S-Fibeln zusammengehalten. Die Wadenschützer mit vergoldeten „Riemenzungen“ am Bein fixiert. Im Sarg liegt ein eisernes Webschwert für den Webstuhl. Darauf fand man Schafswollreste.

Die Tote ist mit der Herstellung von Kleidern beschäftigt gewesen. Die Fundstücke sollen zur 1200-Jahr-Feier in der Gemeinde ausgestellt werden. Was später mit den Sachen passiert, weiß auch Haberstroh nicht. Vielleicht baut Zorneding ja ein Museum.

 

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