Graben zwischen Ost und West Umfrage: Bayern empfinden Druck auf Schüler viel zu hoch

Vor allem Einzelkinder werden unter Druck gesetzt. Foto: dpa

Der Druck an bayerischen Schulen ist zu hoch. Besonders Einzelkinder leiden unter den Erwartungen, zeigt eine GfK-Studie.

Bayern - Laut einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsunternehmens GfK im Auftrag der Welt am Sonntag tut sich beim gefühlten Leistungsdruck auf Schüler in Deutschland ein Graben zwischen Ost und West auf. Spitzenreiter beim gefühlten Druck ist der Freistaat. Mehr als 61 Prozent der befragten Bayern gaben an, der Leistungsdruck sei "zu hoch".

Menschen mit hoher Bildung und hohem Einkommen sehen die Lage vergleichsweise entspannt. Die mittlere und untere Mittelschicht dagegen fühle sich besonders unter Druck.

GfK-Studienleiter Klaus Hilbinger sagte: "Für die Mitte gibt es Luft nach oben und unten. Da spornen Eltern ihre Kinder besonders an: Lass Dich nicht abhängen!" Kleine Familien klagen besonders häufig über zu hohen Leistungsdruck. 58 Prozent der Ein-Kind-Familien halten den Druck auf ihre Kinder für zu hoch.

Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, kann die Klagen nicht nachvollziehen. In den vergangenen Jahren sei der Umfang von Stoff und Stunden "dramatisch gesunken". Immer weniger blieben sitzen. Und die Abitur-Noten würden immer besser. "Wo bitteschön soll denn da der Stress sein?", fragt Kraus.

Für die Stress-Anfälligkeit von Ein-Kind-Familien hat Kraus eine Erklärung: "Da muss das eine Kind alle Erwartungen der Eltern erfüllen. Zur Not wird es auch ohne Eignung aufs Gymnasium geboxt." Versagt es dort, erlebten die Eltern das als "narzisstische Kränkung", so Kraus. "Selbstverständlich spüren die Kinder diesen Druck."

 

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