GP von Malaysia Vettel: "Ich, das schwarze Schaf"

Sebastian Vettel klaut mit einem waghalsigen Überholmanöver seinem Teamkollegen Webber den Malaysia-Sieg – entgegen der Stall-Strategie. Hinterher sagt der Weltmeister kleinlaut sorry

 

Sepang -  Krokodilstränen, so sagt der Volksmund, sind eine Zurschaustellung geheuchelten Mitgefühls, nachdem sie ihr Wild erlegt haben. Man kann nur spekulieren, wie ernst Sebastian Vettel seine in drei Schritten immer weiter gesteigerte Entschuldigungsarie nach dem denkwürdigen Rennen in Malaysia am Sonntag gemeint hat – doch fest steht: Der Weltmeister schaute immer bedröppelter drein nach seinem ersten Saisonsieg, den er sich, auch das ist Fakt, durch ein ziemlich übles Foul gegen seinen eigenen Teamkollegen Mark Webber erkämpfte.

In der 46. Runde dieses bis dahin unerwartet unchaotischen Rennens in der tropischen Hitze von Malaysia, hatte Vettel den bis dahin führenden Webber überholt. Das Manöver war am Rande der Legalität, fast hätten die beiden Red-Bull-Fahrer sich gegenseitig in die Mauer getrieben; doch der Beinahe-Crash war noch nicht mal der Hauptgrund, der nicht nur Webber, sondern auch Teamchef Christian Horner und sogar Vettels eigenen Renn-Ingenieur zur Weißglut brachte. Denn Vettel und Webber hatten die Order, das Material zu schonen und kein unnötiges Risiko einzugehen. Beiden war vom Team sogar befohlen worden, die Motorleistung zu drosseln, um die fragile Technik zu schonen. Webber, bis dahin nach einem fehlerfreien Rennen souverän Führender, hielt sich dran, Vettel offensichtlich nicht. „Das ist dumm, Seb, komm schon“, funkte Horner dem Serien-Weltmeister sogar nach dessen Kamikaze-Manöver ins Cockpit. Und zu Webber sagte er: „Wir haben es ihm gesagt, sorry!“

Die Quittung für sein Foul bekam Vettel nach der Zieldurchfahrt. Technik-Guru Adrian Newey nahm sich Vettel sofort zur Brust, redete eindringlich auf ihn ein. Webber dagegen würdigte seinen Teamkollegen vor und während der Siegerehrung keines Blickes, starrte lieber verkniffen ins Nichts und ätzte schließlich: „Er hat getan, was er wollte, wie üblich.“ Vettel schaute sichtlich beschämt zur Seite, murmelte beim Siegerinterview direkt auf dem Podium noch etwas von einer „sehr engen und riskanten Aktion“. Es war ein schmutziger Sieg, das wusste er.
Bei der offiziellen Pressekonferenz folgte dann der erste Versuch einer Entschuldigung bei Webber: „Ich habe einen Fehler gemacht und möchte mich entschuldigen. Ich sehe, Mark ist sauer. Er wollte das Auto und die Reifen schonen, ich hätte meinen Platz halten sollen", sagte Vettel, „ich bin jetzt das schwarze Schaf.“ Eine eher halbherzig-trotzige Entschuldigung, die Formel-1-Legende Niki Lauda bei RTL so kommentierte: „Der hat mir viel zu sehr herumgeeiert.“

Als dann auch noch Horner scharf gegen Vettel schoss („Er hat seine eigenen Interessen über die des Teams gestellt“), wurde der Weltmeister gewahr, dass er wohl doch kein Kannibale der Rennpiste ist, wie einst etwa Rekordchampion Michael Schumacher. Und entschuldigte sich in gebückter Haltung nochmal. „Wenn ich es ändern könnte, würde ich es tun. Es war nicht richtig. Wenn ich mir dessen bewusst gewesen wäre, hätte ich mit Sicherheit nicht so attackiert und wäre so viel Risiko eingegangen", sagte er.

Webber, ohnehin noch nie ein großer Fan Vettels, konnte das aber nicht mehr milde stimmen. „Ich sage jetzt besser nichts mehr und gehe in den nächsten Tagen lieber mal surfen“, sagte er.

 

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