GOP Varieté am Maxmonument Behördlich geprüfte Unterhaltung

Der Diplom-Ökonom Peter Weil arbeitete bei BMW und Addias. Er leitet seit 2009 das GOP Varieté Theater in München. Foto: Heike Krämer

Das GOP Varieté Theater öffnet seine Spielstätte am Maxmonument wieder mit der Show „Bang Bang“

 

Ist es ein Theater? Ist es eine Gaststätte? Wenn im GOP-Varietétheater Showtime ist, können die Zuschauer nicht nur Snacks und Getränke zu sich nehmen, sonder auch zwei- bis dreigängige Menüs. Anlässlich der Pandemie, die noch immer Kulturveranstaltern und Gastronomen die Geschäfte verhageln, wurde juristisches Neuland betreten und gerichtlich festgestellt, dass „Varieté“ Bühnenkunst und Kochkunst zugleich ist. Mittlerweile wären die Vorstellungen am Max-Monument auch ohne dieses Urteil legal, erzählt Peter Weil, Direktor der Münchner GOP-Filiale, der AZ vor dem heutigen Start des Sommerprogramms „Bang Bang“.

AZ: Herr Weil, was macht ein Varietétheater, wenn es nicht geöffnet werden darf?
Peter Weil: Gar nichts. Es waren genau drei Leute im Haus. Das war natürlich die Buchhaltung, denn alles, was bezahlt werden muss, geht ja weiter. Ich war da, um die Überweisungen abzuzeichnen und dann war noch jemand für die Kommunikation da, um die Leute auf dem Laufenden zu halten.

Im Vorfeld der Wiedereröffnung gab es einen Streit vor Gericht, den Sie für sich entscheiden konnten.
Als wir mit 50 Zuschauern öffnen durften, machte das keinen Sinn, denn wir hätten mehr drauf gezahlt als wenn wir nicht spielen. Dann kam die Hunderter-Lösung und wir entschieden: Ja, wir machen das für unsere Künstler. Aber durch unsere Gastronomie im Theater sind wir in einer Sonderkategorie. Wir haben mehrfach nachgefragt, was wir dürfen. Da hieß es, von beidem das Geringste. Entweder dürfen wir im Saal Gastronomie betreiben und nichts auf der Bühne machen oder wir spielen auf der Bühne und die Leute unten dürfen nichts essen und nichts trinken. Weil unser Geschäftsmodell nur zusammen funktioniert, sind wir vor Gericht gegangen. Inzwischen ist die Kategorie „Varieté“, die juristisch bis dahin nicht vorkam, mehrfach veröffentlicht.

Gelten für die Zuschauer jetzt die Regeln für Restaurants?
Da wir nicht die klassische Theaterbestuhlung haben gilt die Maskenpflicht bis zum Tisch. Es sieht etwas anders aus als früher. Wir haben zusätzliche Trennwände und mobile Trennwände, die man in der Mitte des Tisches senkrecht aufstellen kann. So kommen zwei verschiedene Haushalte an einen Tisch.

Es ist schwer vorstellbar, dass sich Akrobaten an einen Sicherheitsbstand halten können.
Partnerakrobaten, zum Beispiel, gelten als Haushaltsgemeinschaft. Die meisten sind ohnehin Geschwister, Lebenspartner oder Ehepartner. Ansonsten halten wir uns an die Regeln. Wir müssen Choreografien ein wenig ändern und das Finale wird anders aussehen als bisher. Wir haben jetzt das Glück, dass das Ensemble schon seit längerer Zeit in Deutschland zusammen ist und die Quarantäne-Anforderungen erfüllt.

Die neue Show heißt „Bang Bang“. Was passiert da?
Sehr viel Sechziger Jahre, ein bisschen Siebziger Jahre. Das Ganze spielt in einem Fotostudio in New York und erinnert ein wenig an Andy Warhol. Es gibt viele verschiedene Charaktere und viele Farben. Es ist für den Neustart jetzt ideal, weil es so viel Lebensfreude ausstrahlt.

Sie verfügen insgesamt über 320 Plätze. Wie sieht die aktuelle Realität aus?
Im Idealzustand sind es 186. Idealzustand bedeutet, dass ein Sechsertisch mit zwei Haushalten besetzt wird, die mit je drei Personen kommen. Das wird selten der Fall sein. Ich hoffe auf eine durchschnittliche Besetzung von vielleicht 160.

Wie lange halten Sie das wirtschaftlich durch?
Auf Dauer nicht lange. Man muss dazu sagen, dass die letzten Jahre sehr gut waren, aber wir sind ein privates Theater, das keine Unterstützung erhält. Vielleicht gibt es Hilfen, die Bayern angekündigt hat. Wir müssen schauen, ob da etwas passiert. Wenn wir rein auf uns angewiesen sind, können wir noch von den Reserven zehren. Wenn im nächsten Frühjahr kein Impfstoff gefunden ist, der zum normalen Betrieb zurückfinden lässt, dann müssen wir uns überlegen, welches Geschäftsmodell für uns noch Sinn macht. Mit dem bestehenden Modell werden wir dann nicht mehr weiter arbeiten können.

Eine Tradition des Varietétheaters gibt es in München erst wieder seit zwölf Jahren, als GOP aus Hannover die vormalige Kleine Komödie am Max II übernahm. Können Sie sich an die ersten Jahre noch erinnern?
Wir waren das fünfte Haus von heute acht und wir brauchten die längste Zeit von allen, was die Anlaufzeit bis zur Wirtschaftlichkeit angeht. Nicht nur meine Freunde fragten, was Varieté ist und ob man die Ehefrau mitnehmen könnte. Es hat ein Jahr länger gedauert als in den anderen GOP-Standorten, bis wir angekommen sind. Entweder waren die Städte kleiner oder hatten eine entsprechende Tradition und das Publikum wusste, was es erwartet. Meine Kollegen in den anderen Städten werden das sicherlich als despektierlich empfinden, aber München mit seinem anspruchsvollen Publikum ist die einzige wirkliche Großstadt unter unseren Spielorten.

GOP-Varietétheater Maximilianstraße 47, bis 23. August, mittwochs bis freitags 20 Uhr, samstags 17.30 und 21 Uhr, sonn- und feiertags 14 und 18 Uhr, Karten unter Telefon 210288444

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