"Götterdämmerung" an er Bayerischen Statsoper Wagner wäre verwundert - ganz positiv!

Ritt auf dem Euro in Wagners „Götterdämmerung“: Stefan Vinke als Siegfried mit Anna Gabler als Gutrune. Foto: Winfried Hösl

„Götterdämmerung“: Nina Stemme singt in der Staatsoper die Brünnhilde, Kirill Petrenko dirigiert

Seit Januar dirigiert Kirill Petrenko an der Bayerischen Staatsoper wieder den kompletten „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner. Auch während der kommenden Opernfestspiele wird es eine Gesamtaufführung des viertägigen Bühnenfestspiels geben.

Andreas Kriegenburg - sanft verschlissen

Gut fünf Jahre nach der Premiere weist die Inszenierung von Andreas Kriegenburg naturgemäß gewisse Verschleißerscheinungen auf. In der „Götterdämmerung“, die wir für eine Stichprobe ausgewählt haben, greifen die neu hinzugekommenen Sänger etwas zu oft auf ihr eigenes Gestenrepertoire zurück. Und so mächtig aggressiv die Chöre von Hagens Mannen in der Einstudierung von Sören Eckhoff auch tönen: Ihre Bewegungen auf der Bühne der Staatsoper sind nicht mehr wirklich koordiniert.
Das Orchester ist somit als das belebende Moment dieser Produktion noch bedeutsamer geworden. Wie Kirill Petrenko das Bayerische Staatsorchester dirigiert, detailreich, akribisch, aber dennoch in großen Bögen, ist ein nie versiegender Quell der Freude. Die schnellen Tempi wirken elektrisierend, Höhepunkte werden punktgenau gesetzt, die Spannung entlädt erst ganz am Schluss. Mit der Bühne ist Petrenko engst verzahnt: So modelliert er die beiden exzellent besetzten Ensembles der Nornen und der Rheintöchter geradezu mit den Fingerspitzen aus, und er hat einen so unmittelbaren Zugriff auf die Musiker im Graben, dass es oft so wirkt, als ob er die Pauke selbst schlagen würde.

Anna Gabler wertet die Gutrune kräftig auf

Weil Petrenko auf die Sänger skrupulöse Rücksicht nimmt, wäre es auch nicht aufgefallen, dass Nina Stemme, wie zu Beginn der Vorführung vorsichtshalber angekündigt wurde, gesundheitlich angeschlagen ist. Ihre Brünnhilde gewinnt durch die angenehme Fülle der Stimme und überzeugt nicht zuletzt in der samtenen Tiefe. Stefan Vinke hat den Siegfried von Stephen Gould übernommen, erreicht zwar noch nicht dessen Statur, doch verschmilzt dafür im Liebesduett mit dem Gesang seiner Wunderfrau.
Er wird in dieser Partie noch wachsen. Hans-Peter König legt den Hagen erfreulich kantabel an, man vermisst das Rohe kein bisschen, die fehlende Dämonie hingegen schon. Weil auch Markus Eiche als Gunther einen Tick zu leichtgewichtig ist, kann die fabelhafte Anna Gabler sowohl gesanglich als auch schauspielerisch die Rolle der Gutrune so ungeahnt aufwerten, dass vielleicht sogar der Komponist überrascht gewesen wäre.    


Weitere Vorstellungen am 11. Februar (16 Uhr) und während der Opernfestspiele am 27. Juli, Restkarten: Tel: 21 85 19 03 und unter www.staatsoper.de

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