Glühbier, Punsch, Grog AZ-Check: Heißgetränke auf Christkindlmärkten

Alles außer Glühwein: AZ-Reporter Tim Wessling beim XXL-Test der Münchner Christkindlmärkte. Foto: Tim Wessling

AZ-Reporter Tim Wessling hat seine Leber geopfert und sich durch die Münchner Christkindlmärkte geschlürft. Die Aufgabe: gute und ausgefallene Heißgetränke zu finden – bloß halt keinen Glühwein.

 

München - Ein Glühwein. Swei Glühwei. Rei Lühwei. Hie Hühei. Flunei. Snlwln... Es ist aber auch ganz schön frisch draußen. Da muss man sich aufwärmen. Aber immer nur den Standard-Glühwein in sich hinein kippen? Das ist auf Dauer auch kein Vergnügen. Zum Glück gibt’s auf den Münchner Christkindlmärkten ausreichend Alternativen zum Rotwein-Gewürz-Mix. Manche haben das Zeug zum dampfenden Winter-Hit. Andere eher weniger. Der eine ist den Kater wert. Der andere auf gar keinen Fall. Doch welche Bestellung sich wirklich lohnt, lesen Sie hier. Sehr zum Wohl!

Burning Coconut: Tollwood, 4,50 Euro: Passend zum Namen kommt die brennende Kokosnuss in einer Kokosnuss-Schale – brennt aber wirklich beim Servieren. Das Trinken ist umständlich, Kokosnüsse sind eben keine Tassen – und schmecken tut’s wie heiße Milch mit Honig.

Burning Jack: Tollwood, 6 Euro: Klingt schlimmer, als er ist. Hinter dem martialischen Namen versteckt sich Kakao mit Whiskey. Eine Mischung, die erstaunlich gut funktioniert. Nur das Schlürfen aus der Kokosnuss, in der sie serviert wird, ist wahnsinnig kompliziert.

Friesenfeuer: Tollwood, 5 Euro: Steht Feuer dran, ist Feuer drin. Sieht aus wie eine Feuerzangen-Bowle, schmeckt aber doch ein bisserl friesisch herb. Glühwein mit Friesenfeuer ist eine Mischung, die durchaus funktioniert.

Absinthfeuer: Tollwood, 5 Euro: Die kleine grüne Fee auf meiner Schulter findet die Mischung ganz wunderbar. Ich finde sie viel zu stark. 77 prozentiger Absinth in der Tasse – da muss man nach jedem Schluck durchatmen.

Met Masala: Tollwood, 4,20 Euro: Angeblich soll es derselbe Masala sein, den auch der Inder im Chicken Masala verwendet. Schon Wikipedia bemerkt dazu ganz treffend: „Die Zubereitung variiert“. Und dieser Met schmeckt dank Masala nach Nelken.

Drachenblut Met, Tollwood, 4,20 Euro: Das „Drachenblut“ ist in diesem Fall ein Schuss Kirschlikör. Und das macht den ohnehin klebrig-süßen Met noch süßer und noch klebriger. Die Tasse schreit mich an: „Aua! Mein Kopf!“

Burning Mai Tai: Tollwood, 6 Euro: Unschlagbare Show: Zuerst brennt der Zuckerwürfel und dann die ganze Tasse. Das ist was fürs Auge. Was dann kommt, ist eine wahre Geschmacks-Explosion aus Maracuja und exotischen Früchten.

Hölle: Tollwood, 6 Euro: Der Name müsste eigentlich eine entsprechende Flughöhe vorlegen, doch die „Hölle“ schmeckt eher wie Bronchien-Tee. Okay... Bronchien-Tee mit Absinth.

Zaubertrank: Tollwood, 4 Euro: Nach eigenen Angaben: „Ein Geheimrezept aus Zitrone, Ingwer und verschiedenen Schnäpsen.“ Miraculix hätte eine große Freude daran. Bäume ausreißen kann ich leider nicht – und Römer sind auch keine in Sicht...

Heißer Bratapfel: Tollwood, 3,20 Euro: Okay. Die Espresso-Tasse ist ein wenig mickrig für den Preis, aber der Geschmack ist großartig. Der heiße Kleine schmeckt wirklich wie ein heißer Bratapfel. Geheimtipp!

Heißer Eisbär: Tollwood, 6 Euro: Der Eisbär besteht vor allem aus 43er Likör und Milch. Er schmeckt wie heiße Milch mit Honig, mit dem großen Vorteil, dass man nicht krank sein muss, um das Ganze zu genießen. Nur der Preis ist für 0,2 Liter schon recht happig...

Glühkirsch: Sendlinger Tor, 4 Euro: Eine Blitzumfrage ergibt, dass nur zwei von drei Menschen Kirsche raus schmecken. Trotzdem ist die Glühkirsche eine nette Glühwein-Alternative – allein deshalb, weil sie nicht nach purem Zucker schmeckt.

Jamaika-Punsch: Münchner Freiheit, 4 Euro: Nein, es ertönen keine Reggae-Klänge in meinem Kopf. Glühwein mit Rum. Das war’s. Aber für den Namen gibt es Bonus-Punkte.

Schwabinchen: Münchner Freiheit, 5 Euro:
Angeblich „der Klassiker für die Frau vom Jäger“. Drin ist Amaretto. Viel Amaretto. Also Marzipan in der Tasse. Ziemlich schnell macht sich ein stechender Schmerz in der Schläfen-Gegend bemerkbar.

Ingwer Glühwein: Münchner Freiheit, 4 Euro:
Ingwer, sagt meine Oma immer, ist super gegen den Kater. Und dieser Glühwein ist eine wahre Ingwer-Bombe. Ob die dicken Stückchen, die in der Tasse schwimmen, eine präventive Wirkung haben, wäre allerdings noch zu beweisen.

Draculas Blut: Münchner Freiheit, 5 Euro:
Während er zubereitet wird, sollte man wegschauen. Draculas Blut besteht zu drei Vierteln aus Rum. Es ist mir ein Rätsel, wer so etwas freiwillig trinkt: Der Tod in der Tasse.

Himbeer-Punsch: Münchner Freiheit, 3,50 Euro: Die Himbeer-Stückchen sind super. Ansonsten ist der Geschmack aber nicht sonderlich intensiv. Anders als Glühwein, klar, aber eine Offenbarung ist dieser Punsch nicht gerade.

Kokos-Glühwein: Münchner Freiheit,3,50 Euro:
Geschmack: Weißwein mit Kokos-Sirup in Warm. Aber ja, man fühlt sich beim Genuss wie auf einer einsamen Insel. Mit Palmen. Und Strand. Und Schnee.

Glühfrüchte-Punsch: Münchner Freiheit, 3,50 Euro: Glühwein light. Erst nach dem Bestellen wird mir klar, dass es sich hierbei um einen Mix aus Kinderpunsch und Glühwein handelt. Wenn man mit dem Auto da ist, vielleicht eine nette Alternative.

Marillen Punsch: Pink Christmas Market, 3,50 Euro:
Sehr süß. Wie Marmelade. Aber genügend stark. Erinnert mich stark an die Versuche meiner Mutter, die Marillen-Marmelade aus unserem Garten mit Wodka aufzupeppen.

Wodka Maracuja Cranberry Punsch, Pink Christmas Market, 4 Euro: Immerhin gibt’s den Preis für den längsten Namen von allen Heißgetränken. Ob’s Cranberry jetzt wirklich gebraucht hätte, ist fraglich. Aber die sollen ja entgiften – was sich wiederum mit dem Wodka widerspricht. Oder eben ergänzt.

Apfelpunsch mit Apfelstückchen, Kaufinger Straße, 4,20 Euro: Gleichzeitig süß und stark. Eben nicht wie Apfelsaft, sondern mit einem ganz eigenen „punschigen Charakter“.

Kirschpunsch „Schwippserl“ mit beschwippsten Kirschen: Kaufinger Straße, 4,50 Euro: Die weihnachtlichste Kirsche: Sehr zimtig mit einem großen Haufen Kompott-Kirschen am Boden. Der kann was! Schwipps-Tipp!

Glögg:  Kaufinger Straße, 4 Euro: Glögg ist ein schwedischer Glühwein mit Mandeln und Rosinen, die man in aller Ruhe herauslöffeln kann. Fruchtig, nicht zu stark – genau richtig. Die Wertung: neun von zehn Billy-Regalen.

Grog: Kaufinger Straße, 5 Euro: Man munkelt, dass Piratenschiffe gesunken sind, weil sich der Grog durch die Planken geätzt hat. Doch mit zwei Stücken Würfelzucker ist er durchaus erträglich, auch wenn schon einiges an Umdrehungen drin steckt.

Holunderfeuer: Kaufinger Straße, 3,50 Euro: An vielen Frucht-Weinen steht dran, was nicht drin ist. Doch dieser heiße Punsch scheint direkt vom Holunder-Baum gepresst zu sein. Speziell, ja, aber sehr holundrig.

Stachelbier: Rindermarkt, 4 Euro: Sonderpunkte für die Performance. In das kalte Bier wird ein glühender Stab gesteckt, der es aufschäumen lässt wie einen Cappuccino. Bei Bedarf kann nachgestachelt werden. Aber sonst schmeckt das Stachelbier wie lauwarmes Dunkelbier.

Krampus: Rindermarkt, 3,50 Euro: Warmes Bier mit vielen Kräutern. Meine Mama hat gesagt, wenn man nichts Gutes sagen kann, sagt man lieber gar nichts.

Nikolaus: Rindermarkt, 3,50 Euro: Dunkelbier, ohne Kohlensäure. Überhaupt nicht mein Fall. Aber ich bin mir sicher, dass Bier-Gourmets an den heißen Bierspezialitäten eine große Freude hätten. Ich halt nicht.

Jager-Trunk: Marienplatz,  4 Euro: Seit Generationen fragt man sich, warum Menschen das in sich hineinkippen. Der Jager-Trunk schmeckt, nun ja, wie Brennessel mit Rosmarin mit Rum.

Heidelbeer- Glühwein: Marienplatz, 4 Euro: Sehr stark und sehr süß. Kann man aber gut trinken. Und hier liegt vermutlich auch die Gefahr: Er geht fast ein bisschen zu gut herunter, als dass man den Kater am Morgen danach verhindern könnte. Macht aber nix.

Apfel-Zimt-Punsch mit Calvados: Marienplatz, 4 Euro: Naturtrüber Apfelsaft: Das Zeug könnte auch in einer Baby-Nuckelflasche sein. Ich schmecke aber weder Zimt noch Calvados.

Heißer Nikolaus: Residenz, 4 Euro: Kalte Sahne und heißer, sehr süßer Kirsch-Punsch. Ein toller Kontrast und ein Mund-Gefühl wie nach einer Kirsch-Schnaps-Praline.

Eierpunsch: Residenz, 4 Euro: Es hieß, dass ich keinen echten Test machen würde, wenn ich keinen Eierpunsch bestelle. Ich finde Eier fürchterlich: Kein objektives Urteil möglich. Die Sahne oben drauf ist aber sehr lecker.

Glühbier: Residenz, 4 Euro: Der Unterschied zum Glühwein ist nicht sonderlich groß. Es ist sauer, ein bisschen zu viel vielleicht und die wärme wird schnell an die Finger abgegeben. Mit anderen Worten: Das dünne Glas lässt das Glühbier schnell kalt werden.

Flöff: Residenz, 3,50 Euro: Gummibärchen mit Bier gemischt. Und das passt auf wundersame Art und Weise zusammen. Ich habe nicht den blassesten Schimmer was sich im Flöff befindet, aber es ist lecker. Sehr lecker.

Heißer Caipirinha: Residenz,  6,50 Euro: Zwei Limetten drin, aber kein Rohrzucker am Boden. Irgendwie seltsam, wo ein Caipirinha doch sonst im Crushed Ice versinkt. Aber doch: der heiße Caipi könnte mich auch auf Dauer begeistern.

Heißer Hugo:  Residenz, 5,50 Euro: Minzblätter, eine kleine Limette und das Glas sieht auch aus wie ein echter Hugo. Mangels Sekt oder Prosecco schmeckt er aber stark nach Weißwein. Geschenkt: Hugo ist Winter-tauglich geworden.

Feuerzangenbowle: Mittelaltermarkt, 5 Euro: Hier gibt es Sonderpunkte für die Performance: ein großer Tonkrug und feurige Präsentation. Die Feuerzangenbowle ist ein Klassiker und hält, was sie verspricht. Auch wenn 10 Euro Pfand ein wenig happig sind.

Heißer Met: Mittelaltermarkt, 4 Euro: Ich habe noch nicht an einer Bienen-Wabe geleckt, aber so muss sie schmecken. Wer auf Honig steht, wird Met lieben. Obacht: Wer etwas verschüttet hat tagelang klebrige Hände!

 

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