Gewinner des Lagunen-Desasters Die Mopsfledermaus siedelt sich bei Nürnberg an

Eine Mopsfledermaus: Die potenziell in ihrem Bestand gefährdeten Fledertiere haben sich im durch das Salzwasser verunreinigten, angrenzenden Wald angesiedelt. Foto: dpa/Stefan Thomas

Für das Leck im Becken der Delfin-Lagune im Tiergarten Nürnberg ist ein Schuldiger gefunden. Doch seine Fehlplanung und das folgende Baumsterben hat auch tierische Gewinner hervorgebracht.

 

Nürnberg - Strafanzeigen, Ermittlungen, Vernehmungen, Durchsuchungen, Dienstaufsichtsbeschwerden und ein kompliziertes Beweissicherungsverfahren vor dem Landgericht: Das Leck, das die Delfin-Lagune des Nürnberger Tiergartens schon vor der Eröffnung in einen millionenschweren Sanierungsfall verwandelte, macht der Justiz bei der Suche nach den Verantwortlichen schon seit Jahren zu schaffen.

Ermittlungen zum Lagunen-Desaster abgeschlossen

Zur Aufarbeitung des Lagunen-Desasters gehört auch ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Bodenverunreinigung. Es richtet sich gegen einen Mitarbeiter der Stadt Nürnberg und drei des Planungsbüros, das beim Bau des Prestigeobjekts maßgeblich den Ton angab.

Durch das Leck im Becken war tonnenweise Salzwasser ausgetreten und hatte in einem angrenzenden Waldstück zu einem Massensterben von Bäumen geführt. Antje Gabriels-Gorsolke, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, hat jetzt bestätigt, dass die Ermittlungen abgeschlossen sind.

Bußgeld von eineinhalb Monatsgehältern

Gegen drei der Beschuldigten wurde den Worten der Behördensprecherin zufolge das Verfahren eingestellt. Gegen einen Mitarbeiter des Planungsbüros sei dagegen ein Bußgeldbescheid wegen fahrlässiger Bodenverunreinigung ergangen.

Der Beschuldigte sei für die Planung der undichten Fuge im Delfinbecken verantwortlich gewesen und habe gegen bestehende Standards verstoßen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Ihren weiteren Angaben zufolge entspreche das Bußgeld etwa eineinhalb Monatsgehältern.

Mopsfledermaus – ein Gewinner des Absterbens von 60 Bäumen

Zu den jahrelangen Ermittlungen, die schwer in Gang kamen und vorübergehend komplett auf Eis lagen, gehört ein Gutachten über die genauen Ausmaße der entstandenen ökologischen Schäden im Wald. Immerhin waren es allein 60 große Bäume, denen das Salzwasser den Garaus gemacht und dadurch den Lebensraum von vielen Vögeln und anderen Tieren zerstört hatte.

Eine verheerende ökologische Katastrophe war die Salzwasserflut in den Wald nach Einschätzung des Gutachters trotz allem aber nicht – sie hat sogar Gewinner. Zwar sei der Lebensraum von vielen Tieren zerstört worden, stellte er fest. Aber die modernden Bäume und ein veränderter Bewuchs hätten auch neuen Lebensraum geschaffen – für Hirschkäfer zum Beispiel und auch für die Mopsfledermaus.

Peta ist der Schuldige zu glimpflich davongekommen

Edmund Haferbeck, Rechtsexperte bei der Tierschutzorganisation Peta, freut sich über die Ansiedlung der Mopsfledermaus. Weniger freut er sich über den "milden Ausgang" des Strafverfahrens, das von Peta durch eine Anzeige in Gang gesetzt worden war. "Wir werden Beschwerde einlegen", kündigte Haferbeck an.

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