Gewinner der "Goldenen Palme" Kino-Kritik: "Parasite" - die Kunst der Hochstapelei

Die südkoreanische Krimi-Satire "Parasite" gewann bei den 72. Internationalen Filmfestspielen in Cannes die "Goldene Palme". Foto: dpa/CJ ENM Corporation/Barunson E&A/Filmfest Cannes

Der südkoreanische Film "Parasite" startet am 17. Oktober in den deutschen Kinos. Der Gewinner der "Goldenen Palme" ist eine unterhaltsame Krimi-Satire des Regisseurs Bong Joon-ho.

 

Man könnte mit Brecht beginnen: "Und die einen sind im Dunkeln und die andern sind im Licht..." Denn die Familie Kim lebt unter fast unterirdischen Verhältnissen in einer Kellerwohnung und Familie Park in einer Hochsicherheits-Designer-Villa. Ihre säuberlich getrennten Lebenswelten werden sich aber unheimlich und frech verweben.

"Parasite" gewinnt Goldene Palme in Cannes

Der südkoreanische Regisseur Bong Joon-ho hat daraus kein schweres Sozialdrama gemacht, sondern eine Krimi-Satire. Die begeisterte gleich auf der Premiere so, dass "Parasite" in Cannes gleich die Goldene Palme gewann. Kein Wunder, denn selten gelingt die gute Unterhaltungskombination aus amüsant und spannend.

Und ein intelligent-kritisches Gesellschaftsporträt wird noch mitgeliefert mit Seitenhieben auf das Leistungsdenken, Schulsystem, und hysterische Eltern, die mit Geld alles richtig für ihre Kinder machen wollen. Denn wie erkennt der Prekariatsvater Kim (Song Kang-ho) weise: "Geld ist wie ein Bügeleisen, es glättet alles." Witzigerweise ist im Film "gut" und "böse" nicht klar geschieden. Zwar sind unsere Sympathien eher auf der Underdog-Seite, aber diese "Minderleister" mogeln sich etwas zu witzig-faul und "parasitär" durch das kapitalistische System.

Und als man nach einer Funkstörung wieder eine Wlan-Verbindung anzapfen kann, erhebt man feierlich das Bierglas am Familientisch auf die Segnungen des Internets. Die von ihnen trickreich unterwanderte reiche Familie Park ist anfangs auch noch ganz sympathisch, mit der frühreifen Rabaukentochter mit Unschuldsfassade und einer naiv weichen Mutter, die immer das Beste für ihre Kinder – kaufen – will. Aber durch ihren als selbstverständlich empfundenen Reichtum ist bald nicht mehr sicher, wer hier eigentlich der "Parasit" ist. Und am Ende haben ohnehin alle Leichen im Bunker-Keller – im wahrsten Sinne des Wortes.

"Parasite": Clash von Oberschicht und sozial Abgehängten

Natürlich spielt alles im fernen Osten, aber der Clash von Oberschicht und sozial Abgehängten ist uns Europäern ja alles andere als exotisch und fremd. Auf der einen Seite gibt es Öko-Hundefutter, Haushälterin sowie eine Großriege an Nachhilfelehrern für die Schrazen und auf der anderen Seite witzige kriminelle Überlebenstricks, die aber eskalieren. Anfangs wird Ki-woo, der Sohn der Kims, zum Englisch-Lehrer der Reichentochter der Parks. Seine Schwester schleust er als "Kunsttherapeutin" des kleinen Sohnes ein, dem die Schule einen Knacks attestiert hat, weil er "zu abstrakt" malt. Bald ist die ganze Familie Kim bei den Parks beschäftigt, ohne dass diese ahnen, dass ihre Angestellten eine Familie bilden und eigene Pläne haben.

Ein Regenguss wird dann eine unheilvolle Dynamik entfalten, wobei sich Tür-auf-Tür-zu-Boulevard-Humor über überraschendste Wendungen bis hin zum überstürzten Mord steigert. Und da splattert es auch noch mit Blut auf der Geburtstagstorte des Reichen-Töchterchens. Der schnöselige Familienvater bekommt auf der dekadenten Gartenparty ein Sushimesser in den Rücken, damit die Freunde des asiatischen Thriller-Kinos auch noch was zum Gruseln haben.


Kino: Leopold, Isabella sowie City, Monopol (auch OmU) und Theatiner (OmU)

B&R: Bong Joon-ho (Südkorea, 132 Min.)

 

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