Gesundheitsreport der DAK Krank und ausgebeutet?

Zwei Praktikantinnen bei der Arbeit: Die AZ-Reporterinnen Lea De Biasi und Ursula A. Ohliger befragen den 23-jährigen Heilerziehungspfleger Markus. Er sagt: „Ich musste ein einjähriges Praktikum absolvieren, das zum Glück bezahlt wurde. Auch ich habe manchmal Rückenprobleme, weil ich in einem Pflegeberuf arbeite." Foto: Hansi Trompka

Die DAK stellt ihren Gesundheitsreport vor. Diesmal im Fokus: Arbeitnehmer unter 30 Jahren. Sie stehen unter hohem Druck, sind häufiger krank – und lassen sich davon oft nichts anmerken.

 

Berlin - Man nennt es die Flunder-Phase: In der Ausbildung zappeln im Dauerstress, hohe Erwartungen an der Universität, Druck im Praktikum – und das (wenn überhaupt) schlecht bezahlt: Immer öfter erkranken Menschen unter 30 berufsbedingt – physisch wie psychisch. Das ergibt der Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Das Thema: „Wie gesund sind junge Arbeitnehmer?” Das Urteil: besorgniserregend. Bereits jeder fünfte junge Erwerbstätige wurde wegen Rückenschmerzen behandelt. „Mit dem Berufsleben beginnt ein neuer Lebensabschnitt für die jungen Erwachsenen. Längere Arbeitszeiten, körperliche Anstrengungen, konzentriertes Lernen und Arbeiten, langes Sitzen oder Stehen können zu veränderten physischen und psychischen Beanspruchungen führen”, sagt DAK-Chef Herbert Rebscher.

Unstete Lebensverhältnisse mit monatsweisen Vertretungen oder zwei, drei Arbeitsverhältnissen parallel verhinderten für viele junge Leute eine klare Lebensplanung, sagte Rebscher. Solche Belastungen fingen heute schon in der Schule an. Wenn die Leute aber einen Job haben, heißt das oft: Erreichbarkeit rund um die Uhr, abends noch E-Mails beantworten – und dabei keine Zeit zum Abschalten.

Die Zivilisationskrankheiten Rückenschmerzen, Bluthochdruck und Fettleibigkeit breiten sich auch bei jungen Erwachsenen aus. „Hier lassen sich Warnzeichen für spätere chronische Erkrankungen wie Diabetes und Arteriosklerose erkennen”, sagt Rebscher. Trotzdem liegt der Krankenstand unter jungen Arbeitnehmern mit 2,6 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt aller Berufstätigen (3,4 Prozent). Dies könnte laut Rebscher damit zusammenhängen, dass junge Arbeitnehmer eine hohe Leistungsbereitschaft und Motivation zeigen.

Auch psychische Krankheiten sind bei jungen Arbeitnehmern auf dem Vormarsch. Inzwischen hat jeder zehnte Arbeitnehmer zwischen 15 und 29 Jahren Schmerzen oder andere körperliche Probleme ohne organische Ursache. Doch auch zu geringe Herausforderungen im Job sind problematisch: Die Hälfte der befragten jungen Arbeitnehmer gaben an, mehr leisten zu können, als im Job verlangt wird. Nur wenige geben an, dass ihre Tätigkeit zu schwierig ist. „Die jungen Menschen wollen ihr Potenzial ausschöpfen. In der Arbeitsorganisation und im betrieblichen Gesundheitsmanagement sollte der Fokus nicht nur auf Überforderung gerichtet sein, sondern auch darauf, wie sich Unterforderung auswirkt”, sagt Rebscher. Nicht nur Überforderung, sondern auch langanhaltende Unterforderung kann Stress erzeugen.

Allgemein ist die Zahl der psychischen Erkrankungen, wie Depression und das „Burn-out”-Syndrom, bei allen Arbeitnehmern in Deutschland um insgesamt 13,5 Prozent angestiegen. So stark wie noch nie.

 

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