Gesundheit ist auch Kopfsache Expertin erklärt, wie Gedanken heilen können

Gesundheit ist Kopfsache, schreibt die Expertin. Dicke Socken und eine Tasse Tee schaden beim Nachdenken aber sicher auch nicht. Foto: Imago

Ärztin Katharina Schmid ist überzeugt: Gesundheit ist (auch) Kopfsache. Wie diese mentale Medizin funktioniert? Darüber hat sie ein Buch geschrieben.

Sie ist Pathologin. Untersucht Zell- und Gewebeproben, stellt Diagnosen. Nüchtern. Sachlich. Streng schulmedizinisch.

Trotzdem oder gerade deswegen hat Katharina Schmid einen feinen Sensor für das, was den Menschen sonst noch ausmacht. Darüber hat sie jetzt ein Buch geschrieben: "Kopfsache gesund. Die Wissenschaft entdeckt die Heilkraft der Gedanken". Ihre Überzeugung: Positive wie negative Gedanken beeinflussen die Gesundheit genauso wie Ernährung, Bewegung oder Stress.

Noch so ein Esoterik-Schmöker? Vor zehn, 15 Jahren hätte man das als Esoterik abgetan, sagt sie, heute ist manches anders.

Das Buch: Angewandte Hirnforschung mit Wiener Schmäh

Schmid kann ihre Überzeugung mit wissenschaftlichen Studien aus der Angewandten Hirnforschung, der Epigenetik, der Psychoneuroimmunologie und der Quantenphysik untermauern, die sie recherchiert und jetzt auf 200 Seiten zusammengefasst hat.

Das ist doch bestimmt kompliziert und für Laien nicht verständlich? Nicht wenn Schmid mit einer Portion Wiener Schmäh Tante Limbisch, den Bodyguard und den Neocortex mal wieder in Streit geraten lässt. Mit Happy End versteht sich.

Wie kam Schmid zur Medizin? In ihrem Buch geht es unter anderem um "Gedankenhygiene", die Schmid schon vor vielen Jahren entdeckt hat. Schon von Jugend an fasziniert sie Traditionelle Chinesische Medizin und die Heilkraft von Kräutern. "So etwas wie mein Steckenpferd." Seit die heute 49-Jährige einen Kurs besucht hat, praktiziert sie selber täglich so selbstverständlich wie Zähneputzen, was sie "Gedankenhygiene" nennt.

Was ist das? Kurze Gedanken-Impulse. Die eigene Aufmerksamkeit auf etwas Schönes richten. "Man braucht positive Bilder, um positiv denken zu können." Und hier geht es nicht um Schönreden oder Schöndenken.

Dass Sportler Mentaltrainer hätten, sei heute akzeptiert. Niemand lache darüber. Warum solle nicht jeder daran arbeiten können, über eine Situation, die gerade nicht gut für ihn läuft, anders denken zu lernen und das Ruder herumzureißen?, fragt sie.

Oder von einer Krankheit zu lernen, zum Beispiel mehr Achtsamkeit sich selbst gegenüber. Wenn sie zum Beispiel einen Schlüssel verloren hat, stellt sie sich das Bild vor, dass sie ihn wieder gefunden hat. "Dabei wird das Gehirn frei, das verlorene Teil wiederzufinden", sagt sie. Das funktioniere nicht auf Anhieb, aber mit der Zeit. "Edison hat auch 10.000 Mal geübt, wie es nicht geht, und doch das Licht in die Nacht gebracht."

Ist die Entdeckung der Gedanken als Heilmittel neu?

So wie die Schulmedizin über Jahre und Jahrzehnte therapeutische Fortschritte gemacht hat, hat in Schmids Augen auch die Offenheit dafür zugenommen, dass zielgerichtetes Denken einen Krankheitsverlauf konstruktiv beeinflussen, schulmedizinische Therapien besser überstehen und eine raschere Erholung eintreten lässt.

Zufall? Daran glaubt die Pathologin nicht. In ihrem Buch zeigt sie eine ganze Reihe von bekannten Phänomenen auf. Ein Beispiel: Die eigenen Gedanken kreisen um ein Thema, das einen momentan völlig beherrscht. Da geht man in eine Buchhandlung und sieht sich einem ganzen Tisch voll Literatur genau zu diesem Thema gegenüber. Oder: Menschen werden in einer Testreihe Placebos verabreicht und ein stattlicher Prozentsatz stellt eine Wirkung bei sich fest.

All das sei keine Einbildung, kein blinder Glaube, vielmehr deckten sich diese Erfahrungen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und mit alten Medizintraditionen. Schmid hat sich darauf eingelassen, diese Phänomene mit wissenschaftlichen Fakten für Laien verständlich zu erklären. Unterhaltsam und alltagstauglich noch dazu.

Ist denn die Trennung zwischen Schul- und Alternativmedizin überhaupt noch zeitgemäß? Schmid findet nicht. Ihr Buch ist ein Plädoyer für eine ganzheitliche Medizin und einen insofern selbstbestimmten Patienten, als er sich den Prügeln, die das Leben uns dann und wann mit einer Krankheit gegen das Schienbein knallt, nicht schutzlos ausgesetzt fühlen muss. "Die Gewohnheit, auch in schwierigen Situationen Ruhe zu bewahren, ist eine gute Grundlage, um sich der eigenen Genesung zuwenden zu können." Im Vertrauen auf das Können und die Möglichkeiten der Schulmedizin, und im Vertrauen auf das Potenzial der eigenen Gedanken.


"Kopfsache gesund – Die Wissenschaft entdeckt die Heilkraft der Gedanken" (edition a; 22 €, 203 Seiten)

 

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