Gerichtsurteil Lehrerin muss nachsitzen

Regierungsamtsrätin Daniela D. (42) klagte erfolgreich vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht in München. Die volle Stundenzahl muss sie jetzt nicht mehr nachsitzen. Foto: Torsten Huber

Auf der Verwaltungsschule bildete sie Anwärter für den Mittleren Beamtendienst aus, wurde gemobbt und krank. Ihre Fehlzeiten sollte sie dann nacharbeiten. Deshalb zieht sie jetzt vor Gericht

 

MÜNCHEN Nachsitzen sollte Lehrerin Manuela D. (42) und damit Fehlzeiten reinarbeiten, nachdem sie ihre Lehrtätigkeit an der Verwaltungsschule in Wasserburg aufgegeben hatte und zu einer anderen Behörde wechselte. Dagegen klagte sie jetzt vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht.

1995 fing Manuela D. an der Verwaltungsschule an. „Ich bildete Anwärter für den Mittleren Dienst für die Arbeits- und Sozialgerichtsbarkeit aus. Meist kamen die von der Realschule“, sagte Manuela D. Die Arbeit, die ihr immer Spaß gemacht hat, wurde für sie ab 2007 zum Albtraum. Ein Ausbildungsteilnehmer (30), der nach zwölf Jahren von der Bundeswehr zum zivilen Dienst wechseln wollte, „tat sich schwer mit Frauen als „Vorgesetzte“. Manuela D.: „Er hatte damit ein Problem, wenn ich ihm was sagte oder seine Arbeiten benotete.“ Der Hass auf weibliche Ausbilder ging sogar soweit, dass er im Internet Mord-Drohung gegen Manuela D. auf dem Internetportal „Ger 2008 Ihr Freundlicher Lehrgang“ aussprach. Die Regierungsamtsrätin erinnert sich: „Er nannte nicht direkt meinen Namen. Er bezeichnet mich nach dem gleichnamigen Stephen King Horror-Roman ,Es’.“ Im Netz war zu lesen: „Das Es ist bald keine hauptamtliche Lehrkraft mehr. Es wird sterben.“ Oder: „Die alte F. ist ein Witz. Wir werden Es auspressen.“

Der Ex-Soldat mobilisierte auch die Mitschüler, die bei dem Blödsinn auch noch mitmachten. Einmal trugen die sechs Kursteilnehmer T-Shirts mit dem Aufdruck: „Tötet Es“. Manuela D. hielt dem psychischen Druck nicht mehr stand, wurde krank. Sie konnte keinen Unterricht mehr halten, hatte dadurch Fehlstunden. Außerdem berechnet ihr der Dienstherr, der Freistaat Bayern, weitere Arbeitsfehlzeiten für nicht gehaltenen Unterricht. „In den Zeiten konnte ich keinen Unterricht geben, weil durch Reformen keine Auszubildenden mehr da waren“, so die Klägerin.

Insgesamt sollte sie 150 Stunden reinarbeiten, nachdem sie im Juli 2009 ins Amt für Integration gewechselt ist und dort Behinderten einen Arbeitsplatz vermittelt. Jetzt kam es zum Vergleich: Bis Ende September 2012 muss sie die Stunden aufarbeiten – der Rest wird aus den Akten gestrichen.

 

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