Gericht München: Kameramann zockt 260.000 Euro ab

Münchner Landgericht: Der Kameramann Christian B. (51) ist wegen Betruges angeklagt. Foto: Torsten Huber

Der Angeklagte Christian B. (51) soll bei Freundinnen und Bekannten diese Summe ergaunert haben. Der Angeklagte streitet die Taten ab.

 

München - Schnelle Autos, schöne Reisen und teure Wohnungen – der gelernte Kameramann Christian B. (51) liebt den Luxus. Um seinen aufwendiges Lebensstil zu finanzieren, soll er sogar Bekannte abgezockt haben. Seine Masche: Er gibt vor, ARD-Reporter bei „Plusminus“ zu sein, der über ein unglaubliches Wirtschaftswissen verfüge.

So soll er seinen Opfern Anlagegeschäfte aufgeschwatzt haben, die laut Ermittlungen nicht existieren. Gesamtschaden: zirka 260000 Euro. Mit einem großen weißen Umschlag vor dem Gesicht wird der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt.

Selbst sein Lebenslauf klingt unglaublich: „Ich wurde von der Polizei aufgefunden, als ich eine Woche alt war. Ich wuchs im SOS-Kinderdorf auf.“ Das Gymnasium bricht er in der 11. Klasse ab, macht eine Lehre zum Fotografen. 1980 wechselt er zum Bayerischen Rundfunk, um Kameramann zu werden: „Die Ausbildung war nach einem halben Jahr abgeschlossen, da ich ja Fotograf bin.“

Er wechselt zum NDR, SWR und habe ab 1991 angeblich als TV-Produzent bei RTL gearbeitet und Tierfilme gemacht: „Ich habe bis zu 6000 Euro netto im Monat verdient.“ Zuletzt sei er im Internet aktiv gewesen und habe das Tiermagazin „Hund, Katze, Maus“ für VOX konzipiert.

Die Vorwürfe in der Anklage seien aus seiner Sicht unrichtig. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor: Im Juni 2006 soll er seine Lebensgefährtin um 15000 Euro betrogen haben. Er wolle das Geld in ein Anlageprojekt investieren, dass jährlich 6,7 Prozent Zinsen abwirft.

Auch den Vater seiner Freundin habe er laut Ermittlungen um 175000 Euro betrogen. Der Angeklagte: „Ich und meine Freundin haben ihren Vater überredet, dass er sie finanziell unterstützt. Das Geld habe ich ihm längst in einem Paket zurückgeschickt.“

Einen Beleg dafür gibt es nicht. Einer anderen Freundin soll er die Kreditkarte entwendet und binnen 22 Tagen 9050 Euro abgehoben haben. Bei einem Rechtsanwalt sei er als „Plusminus“-Redakteur aufgetreten. Dort habe er sich ein Gutachten für knapp 300 Euro erstellen lassen – und nicht bezahlt.

Die Miete einer Wohnung soll er auch nicht bezahlt haben. 18000 Euro Mietschulden. Selbst einer studierenden Bekannten soll er 250 Euro abgeknöpft haben. Sie habe ihm das Geld gegeben, damit er ihre Studiengebühren einzahlt. Als Nachweis soll er ihr eine gefälschte Immatrikulationsbescheinigung vorgelegt haben. Freitag soll das Urteil fallen.

 

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