Geplanter Klinikum-Neubau beeindruckt Kinderzentrum in Großhadern: Ecken und Vorsprünge mit Sinn

Hell soll alles sein im Neubau des Kinderzentrums in Großhadern, luftig, bunt – und eine Spielstraße wird es geben. Foto: Sander-Hofrichter Architekten, H2M Architekten

Der geplante Neubau des Kinderzentrums des Klinikums Großhadern nimmt Formen an – auch unerwartete.

München – Die Giraffe ist leider nur ein Platzhalter: ein hoffnungsvolles Symbol für alle Dinge, die möglich sind, aber nicht zwingend Realität werden müssen – wie "Wir sollten echt mal wieder"-Pläne mit mittelguten Bekannten, oder Wahlversprechen.

Die Giraffe in der Visualisierung der Architekten für den Klinikums-Neubau in Großhadern steht für große, interessante, kindgerechte Dinge – schließlich sind Kinder hier die Patientinnen und Patienten. Und auch, wenn es dann eben keine Giraffe geben wird: Eine Spielstraße wird auf jeden Fall entstehen, das versprechen die Zuständigen des Kinderzentrums.

Neues Kinderzentrum: 60 neue Betten, Tagesklinik für Eltern, Spielraum auf dem Dach

Etwas schwieriger wird es mit konkreten Wünschen der kleinen Patientinnen und Patienten: Die sollten nämlich mal aufmalen, wie sie sich den neuen Gebäudeteil wünschen. Die Bilder hängen im Lichthof und wurden auch den Architekten in ihre Planungsmappe gelegt, sagt Zentrums-Leiter Volker Mall. "Und zum Beispiel das gewünschte Baumhaus werden wir wohl höchstens in Ansätzen umsetzen können."

Der Neubau mit 60 zusätzlichen Betten und auch einer Tagesklinik für Eltern, die selbst psychische Erkrankungen haben, wird die bisherige Linie des Hauses weiterführen: Hell soll alles sein, luftig, bunt – aber auch Winkel, Vorsprünge und Ecken haben. Die nämlich, erzählt Mall, sorgen zwar dafür, dass sich Erwachsene recht oft in den Gängen verlaufen, "aber zum Beispiel für Kinder mit autistischen Tendenzen sind sie besonders angenehm".

Die Dachterrassen sollen ebenerdig begehbar sein, denn dort geplant sind (mit Gittern gesicherte) Spielflächen – ein Fußballplatz und ein Basketballplatz, damit die Kinder so viele Bewegungsräume wie möglich haben.

Und um die geht es ja vor allem. Das Münchner Kinderzentrum der Kliniken des Bezirks Oberbayern (KBO) ist eine wichtige Anlaufstelle für Familien mit Kindern mit Behinderungen und Entwicklungsverzögerungen – oft aus München und Bayern, aber auch ganz Deutschland und anderen Ländern wie Österreich oder Italien. Es befasst sich mit der frühen Diagnostik und Therapie von Entwicklungsstörungen und Behinderungen und mit der Integration in Familie, Kindergarten, Schule und Gesellschaft.

Mall muss nun etwas lauter sprechen, denn aus dem Musiktherapie-Zimmer am Lichthof dringt Geklimper. Das Kinderzentrum, redet er gegen die euphorischen klingenden Töne an, war eines der ersten, das Musik gezielt für die Behandlung eingesetzt hat. "Die Ehefrau von Carl Orff war hier im Zentrum beschäftigt." (Was er elegant auslässt: welche Frau des Komponisten. Es war Gertrud Orff, Ehefrau zwei von vier.)

Investitionen für das Kinderzentrum in Großhadern: 60 Millionen + 10.000

Das Projekt Neubau für das Kinderzentrum hat ein Investitionsvolumen von rund 60 Millionen Euro – und am Dienstag sind noch einmal 10.000 Euro dazugekommen. Von öffentlichen Geldern finanziert wird nämlich sehr viel für die Klinik, in der es inzwischen sehr eng ist, weil viel nachverdichtet wurde. "Manches wurde aber ausgespart und wird nicht von Steuergeldern finanziert", sagt Mall. Zum Beispiel die Möglichkeit, die Eltern und Geschwister der Kinder auch hier übernachten zu lassen.

Die ermöglicht nun die Spende des Cashback-Unternehmens Wee, das vor einigen Wochen im Olympiapark goldberauschte Menschen nach Schätzen buddeln ließ. Wer dort einen Metalldetektor auslieh, hat damit indirekt also auch Anteil am Neubau.

"Es ist nicht nur wichtig, was du auf dieser Welt machst", sagt Unternehmensgründer Cengiz Ehliz, "sondern auch, was du dieser Welt hinterlässt." Und selbst, wenn das keine Giraffe ist, kann es viel ausmachen.

 

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