Geplante Moschee Islamzentrum: Wie steht’s um die Finanzierung?

Imam Benjamin Idriz ist zuversichtlich, "dass wir diesmal keine weitere Fristverlängerung brauchen werden". Grafik: Jasarevic Architekten/privat

Noch hat die Stadt für die geplante Moschee an der Dachauer Straße ein Grundstück reserviert. Am 31. Dezember aber läuft die Frist aus, bis zu der das Geld für den Bau gesammelt sein muss.

 

München - Es dürfte ein spannender Tag werden an diesem Samstag für die 150 Mitglieder des Vereins Münchner Forum für Islam (MFI). Wenn sie sich am Mittag in der Hotterstraße zur jährlichen nichtöffentlichen Mitgliederversammlung treffen, wird das der Moment sein, an dem ihr Vorsitzender Imam Benjamin Idriz Farbe bekennen muss.

Zur Frage: Gibt es, oder gibt es keinen Finanzierungsplan für das moderne Islamzentrum am Kreativquartier an der Dachauer Straße – für das der als liberal geltende Penzberger Imam nun schon seit Jahren kämpft?

Nur noch bis Jahresende, also dreieinhalb Wochen, läuft die inzwischen schon verlängerte Frist, die die Stadt dem MFI gesetzt hat, um Geldgeber für das 30-Millionen-Euro-Projekt zu finden. Allein das Grundstück soll angeblich 4,4 Millionen Euro kosten.

Für den Fall, dass Idriz so viel Geld nicht gesichert auftreiben kann, würde die Zusage der Stadt, das 3300-Quadratmeter-Grundstück weiter für das Projekt zu reservieren, womöglich verfallen. Die Fläche wäre wieder für andere Projekte frei.

"Unsere Verhandlungen laufen noch. Ich bin zuversichtlich, dass wir diesmal keine weitere Fristverlängerung brauchen werden", sagte Idriz am Freitag auf AZ-Anfrage, "mit den Einzelheiten möchte ich aber erst Ende des Jahres an die Öffentlichkeit gehen."

Die Debatten zu dem Projekt ziehen sich nun schon über neun Jahre. 2010 schließlich hatte der Stadtrat (noch unter SPD-Alt-OB Christian Ude) seine Sympathie dafür bekundet, eine Moschee bauen zu lassen, in der ein Islam im Sinne des Grundgesetzes gelebt werden soll.

Allerdings war auch klar: Um die Finanzierung muss Idriz sich selbst kümmern. Der Imam hat deshalb eine Spendensammlung gestartet – und bis Januar diesen Jahres Zusagen für 1,5 Millionen Euro bekommen.

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Was allerdings bislang fehlte, war die Zusage eines Großfinanziers. Der Architektenentwurf für das Zentrum ist dennoch längst fertig: Er zeigt ein offenes, transparentes und modernes Ensemble – mit einem 30 Meter hohen illuminierten, aber nicht begehbaren Minarett, einem Moschee-Gebäude mit gewölbtem Dach für 800 Muslime, Gemeindezentrum, Museum, Akademie, Bibliothek, Wohnungen und einem öffentlichen Platz. In einem Sockelgeschoss sollen Läden entstehen.

Die Mieten sollen den Unterhalt des Zentrums sichern. Mit welchem Gönner konkret Idriz aktuell noch über eine Großspende verhandelt, wollte Idriz noch nicht offenlegen.

Dass es sich dabei um einen Finanzier aus den arabischen Golfstaaten handelt, wäre allerdings erwartbar. Dann dürfte in München eine politische Debatte darüber beginnen, ob sich das Münchner Forum für Islam als Bauherr womöglich von einem undemokratischen Staat Geld für eine Vorzeige-Moschee geben lassen darf.

Auch wenn die Spendenannahme formal Sache des Vereins ist – die Stadt wird dazu eine Haltung finden müssen.

Irene Kleber

 

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