Gelungene Integration "Mr. Tutzing" kommt aus Uganda

Der neue „Mr. Tutzing“ wirkt noch ein bisschen schüchtern: Michael Kyejjusa mit (v.l.) Pfarrer Peter Brummer, Bürgermeister Rudolf Krug, „Miss Tutzing“ Dorothea Mößnang und weiteren Teilnehmern des Wettbewerbs. Foto: Karsten Thost / JM Tutzing

"Es ist ein Wunder!" Michael Kyejjusa ist 26 Jahre alt und musste sein Land Hals über Kopf verlassen. Jetzt hat er einen Modelcontest gewonnen.

 

Tutzing - Es ist noch nicht lange her, da musste Michael Kyejjusa (26) um sein Leben bangen, sich vor einem hasserfüllten Mob verstecken und schließlich Hals über Kopf seine Heimat verlassen. Auch deshalb kann er kaum glauben, was ihm jetzt in Bayern passiert ist: Der Flüchtling aus Uganda ist zum „Mr. Tutzing 2014“ gewählt worden.

„Für mich ist das ein Wunder“, sagt der junge Mann gerührt. „Die Leute kannten mich doch gar nicht und haben trotzdem für mich gestimmt. Das ist ein Geschenk Gottes.“

Michael Kyejjusa ist in einem Dorf am Rand der ugandischen Hauptstadt Kampala aufgewachsen. Als er zehn Jahre alt war, starben seine Eltern. Fünf Jahre später musste er auch die Großmutter beerdigen, seine letzte Verwandte. Der Bub schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch, später arbeitete er hin und wieder als Box-Trainer. Was im Dorf und der Sporthalle niemand wissen durfte: Michael ist homosexuell.

Denn Schwulenhass und die Diskriminierung sexueller Minderheiten sind in Uganda weit verbreitet. 2013 brachte Präsident Yoweri Museveni ein Gesetz auf den Weg, das lebenslange Haftstrafen für Homosexuelle vorsah und die Bürger dazu verpflichtete, Schwule und Lesben bei der Polizei anzuzeigen. Ursprünglich wollte Museveni sogar die Todesstrafe für Homosexuelle einführen.

Anfang August hat Ugandas Verfassungsgericht dieses Gesetz gekippt – doch 2013, auf dem Höhepunkt der Hetzkampagne, geschah etwas, das Michael Kyejjusas Leben für immer veränderte: Er wurde denunziert. „Plötzlich hingen an sämtlichen Hauswänden Fotos von mir und meinem Freund mit der Überschrift ,Gesucht’“, erzählt er. „Ich musste mich verstecken, der Mob hätte mich sonst umgebracht.“ Ein früherer Arbeitgeber gab dem Gejagten Geld für die Flucht. „Ich hatte großes Glück“, sagt er.

Vor 14 Monaten ist Michael Kyejjusa in Tutzing (Kreis Starnberg) angekommen. Mit 15 weiteren Flüchtlingen aus Afrika wohnt er in einer kleinen Unterkunft im Ortsteil Kampberg. Sein Asylverfahren läuft noch.
Mitglieder eines Unterstützerkreises kümmern sich ehrenamtlich um die jungen Fremden, helfen bei Behördengängen und pauken Deutsch mit ihnen. „Michael ist sehr ehrgeizig und immer pünktlich. Er hat schon viel gelernt“, lobt Betreuerin Heide Goller.
Mittlerweile reichen seine Sprachkenntnisse aus, um als Minijobber in einer Tagespflege-Einrichtung für Demenzpatienten zu arbeiten. „Er macht das super. Die Angehörigen der Senioren sind sich einig: Michael ist eine Bereicherung“, sagt Heide Goller.

Am Sonntag machte Michael mit einem Spezl Brotzeit auf dem Tutzinger Volkfest. Dort entdeckte ihn der frühere Vize-Bürgermeister Hubert Hupfauf – und überredete ihn, am Modelcontest im Bierzelt teilzunehmen. „Ich wollte – im Sinne der Integration – , dass die Afrikaner bei einer Veranstaltung dabei sind, die in der Gemeinde sehr beliebt ist, vor allem bei den jungen Leuten.“

Hupfaufs Plan ist aufgegangen. Michael trat an, stilecht in Trachtenhut und Janker (aus dem Trödelladen), gewann und wurde gefeiert. „Ich war so aufgeregt, es war so schön“, schwärmt der Überraschungssieger noch Tage später.

Um sein Glück perfekt zu machen, fehlt Michael Kyejjusa jetzt nur noch eins: ein „richtiger“ Job, der es ihm erlaubt, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Doch Flüchtlinge haben auf dem Arbeitsmarkt oft schlechte Karten. Dabei würde der 26-Jährige so gerne am Starnberger See bleiben. „I love Tutzing“, sagt er immer wieder. „I love Tutzing!“

 

1 Kommentar