Geld Willkür auf Kundenkosten - Banken verlangen oft utopische Gebühren

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Dieselbe Leistung für den mehrfachen Preis: Bei vielen Gebühren langen Banken nach Gutdünken zu. Daher gibt es Unterschiede von bis zu 400 Prozent – und etliche Erhöhungen seit Ende 2009

 

MÜNCHEN Ein Girokonto bei der falschen Bank zu besitzen, kann teuer sein – gar keines zu haben jedoch erst recht. Das stellte AZ-Leser Siegfried Lackner jetzt fest. Wegen eines Bankwechsels stand der grafische Zeichner vorübergehend ohne Konto da. Um Rechnungen zu begleichen, wollte er die Beträge bar einzahlen.

Seine Erfahrung: „Da gibt es riesige Unterschiede bei den Gebühren.“ So werden bei der Stadtsparkasse München 12 Euro pro Zahlvorgang fällig. Die Deutsche Bank verlangt sogar 15 Euro. Bei der Sparda Bank sind’s nur 5 Euro.

Ein und dieselbe Leistung, aber völlig unterschiedliche Preise: Das gibt’s nicht nur bei Bareinzahlungen. Die AZ hat Bank-Gebühren unter die Lupe genommen und festgestellt: Was die eine Bank zu annehmbarem Preis erledigt, kostet bei anderen ein Vielfaches.

Wer etwa seine Kontoauszüge per Post bekommt, weil er lange nicht am Auszugsdrucker war, bezahlt bei einigen Banken nur das Porto. Bei der Münchner Bank kostet es 2 Euro. Preisunterschied: 263 Prozent. Eine Ersatz-EC-Karte gibt’s oft für 5 Euro. Commerzbank, Dresdner und Postbank wollen das Doppelte. Unterschied: 100 Prozent. Beim Aktienkauf beträgt die Kluft sogar bis 400 Prozent.

Warum solche horrenden Preisunterschiede? „Mit der zugrunde liegenden Leistung haben sie jedenfalls nichts zu tun“, sagt Sascha Straub, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bayern. Er meint: Mit einigen Gebühren sichern sich die Banken schlicht zusätzliche Einnahmen. Gelegentlich gehe es auch darum, der Konkurrenz eins auszuwischen – etwa bei den hohen Kosten fürs Bargeldziehen an Automaten fremder Institute.

Bei den Banken heißt es dagegen: „Unterschiedliche Entgelte sind ein Mittel, um sich von anderen Instituten zu unterscheiden“, so Kerstin Altendorf vom Bankenverband. Im Übrigen seien die Gebühren nicht alleine entscheidend für die Qualität eines Instituts.

Was die Banken offenbar zum Anlass genommen haben, seit Einführung einer neuen EU-Bankenrichtlinie Ende 2009 „in vielen Bereichen an der Gebührenschraube zu drehen“, so Sascha Straub. So sei die Grundgebühr fürs Girokonto oft gestiegen. Gelegentlich gibt’s auch Gebühren, die früher verboten waren, etwa für Benachrichtigungen bei Nichtausführung einer Überweisung. Die EU-Richtlinie erlaubt solche Entgelte wieder. Stadtsparkasse, Deutsche Bank, Postbank und Hypo-Vereinsbank verlangen die Gebühr denn auch prompt. A. Jalsovec

 

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