Geld vermehren – oder verbrennen Die Risiken beim Internet-Aktienhandel

Wikifolio, eToro oder Ayondo: Das sind die drei bekanntesten "Social Trading"-Anbieter im deutschsprachigen Raum. Quelle: Unbekannt

Wer ein Händchen hat für Börsengeschäfte, kann im Internet bei diversen Dienstleistern Privat-Händlern folgen – und geht ein Risiko ein. Das müssen Sie beachten.

Im Internet bieten "Social Trading"-Plattformen Anlagemöglichkeiten an, bei denen Profis ersetzt werden durch Amateure – Hobby-Broker geben den Takt an. Die Kosten sind niedriger, weil die Stelle des Beratungsprofis überflüssig ist.

Wikifolio, eToro oder Ayondo heißen die Firmen, die seit einigen Jahren am Markt sind und nach eigenem Bekunden großen Erfolg haben. "Es läuft super, es geht gar nicht besser", sagt der Deutschland-Chef von eToro, Gabriel Michaeli. Verbraucherschützer sehen den Erfolg der Firmen mit Sorge.

Das Geschäftsmodell ist simpel: Die Anbieter vermitteln Ideen von Hobbybrokern und kassieren dafür Gebühren. Jeder Mensch, der sich zum Anlageexperten berufen sieht, kann sich beim "Social Trading" (sozialer Handel) als Wertpapierhändler registrieren lassen. Diese legen ihre Anlageentscheidungen offen und begründen sie. Läuft die Anlage gut, legen andere Nutzer ihr Geld genauso an. Dafür zahlen sie Gebühren. Registrierte Nutzer können also auf der Plattform alle Käufe, Verkäufe und Kommentare der "Social Trader" einsehen.

Der "Social Trading"-Anbieter Wikifolio

Bei Wikifolio können Anleger in "Wikifolios", also Musterdepots, investieren, wo private Trader, professionelle Vermögensverwalter und Finanzmedien ihre Ideen umsetzen – die Händler nennen sich "Perlensucher", "Investmentfox" oder "WestendTrader".

Finden sich zehn Unterstützer für ein Wikifolio, legt das Emissionshaus Lang & Schwarz ein Index-Zertifikat mit Kennnummer auf, das die Wertentwicklung des jeweiligen Wikifolios exakt abbildet. Die rund 7.400 Wikifolio-Zertifikate werden an der Börse Stuttgart gelistet, sind besichert und können bei nahezu allen Banken und Online Brokern über die Börse Stuttgart oder direkt bei Lang & Schwarz gehandelt werden.

Wikifolio-Chef Andreas Kern schwärmt von einer "Vielzahl an Anlagestrategien, die völlig transparent sind – man sieht jeden Kauf oder Verkauf, man sieht Kommentare, man kann das mit anderen Anlagemöglichkeiten vergleichen".

Sein Wiener Unternehmen mit 35 Mitarbeitern ist erst seit 2012 richtig am Start. Da man aber auch ohne Konto auf die Wikifolio-Infos zurückgreifen kann, schätzt der Österreicher die Zahl der Nutzer auf mehr als eine Million. Es gebe eine "rasante Wachstumskurve".

"Der mündige Anleger ist doch frei, um selbst zu entscheiden"

Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale sieht das Geschäftsmodell skeptisch. "Die höchsten Renditen sind nur mit wilder Zockerei erzielbar – das ist keine seriöse Anlagestrategie", meint Nauhauser.

Zockerei? Ayondo-Gründer Thomas Winkler schüttelt den Kopf. "Das ist eine falsche Aussage." Und der Ex-Wirtschaftsweise Bert Rürup sagt, mündige Anleger seien doch frei, um selbst zu entscheiden. "Jeder kann sein Geld vermehren oder verbrennen, wie er will."

 

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