Geld Gumminbärchen, Kondome, Hamburger: Gewinner der Krise

Kondom-Herstellung: Der Umsatz mit Sexartikeln schwillt derzeit mächtig an – und es soll noch dicker kommen. Foto: az

MÜNCHEN - Längst nicht jede Branche hat Probleme in der Flaute. Es gibt genügend Firmen, die von der Wirtschaftskrise profitieren. Die AZ stellt sie vor - von Kleinwagenhersteller bis Pfandleihhäuser.

 

Die Krise macht uns alle froh, ganz besonders Haribo: Wenn die Verbraucher auch noch so pessimistisch in die Zukunft sehen – Geld für Süßes haben sie immer. Das ist als Nervennahrung sogar gefragt wie nie. Heuer erwartet der Gummibärchen-Hersteller ein Umsatzplus von fünf Prozent. Doch die Süßwarenfirmen sind nicht die einzigen, denen es in schlechten Zeiten gut geht. Die AZ nennt die Krisengewinnler.

KLEINWAGENHERSTELLER

Die Abwrackprämie beschert ihnen einen warmen Geldregen. Der Absatz des Kleinstwagens Hyundai I10 stieg bis Ende März um 662 Prozent an, der Ford Ka verbuchte einen Zuwachs von fast 500 Prozent, der Opel Agila 468 Prozent.

DISCOUNTER

Je größer das Prozentzeichen auf dem Sonderangebot, desto lieber greift der verunsicherte Verbraucher zu. Seit Beginn des Jahres liefert sich der Lebensmittel-Einzelhandel eine harte Rabattschlacht. Die traditionellen Supermärkte können schwer mithalten, werden vermutlich bis Ende des Jahres maßgebliche Marktanteile an die Discounter abgegeben haben. Ein Trost bleibt ihnen: Insgesamt gilt der Lebensmittel-Einzelhandel als weitgehend krisenresistent. „Wenn schon kein neuer Kühlschrank drin ist, soll der alte wenigstens gut gefüllt sein“, beschreibt die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung die Seelenlage der Deutschen.

SEXARTIKEL–ANBIETER

Der Kondome-Hersteller Durex meldete für 2008 zehn Prozent mehr Umsatz, die Erlöse für Gleitgel und Vibratoren stiegen gleich um 27 Prozent. 2009, wenn die Pleitewelle erst richtig rollt und die Arbeitslosenzahl anschwillt, dürfte der Bedarf nach „Trostartikeln“ noch mehr steigen.

HIFI–HERSTELLER

Und wenn’s im Bett nicht klappt? Dann gibt’s ja noch die Freuden des Heimkinos. Je feindseliger die Welt außerhalb der eigenen Wohnung, desto mehr geben die Menschen für ein kuscheliges Heim aus – „Cocooning“, das Sich-Einspinnen in der eigenen Welt, nennen das die Experten. Auch Dirk-Uwe Klass, Geschäftsführer beim Verband der Deutschen Möbelindustrie, setzt auf den neuen Trend zum Kuschelheim.

PFANDLEIHHÄUSER

Bei ihnen gibt’s Geld, wenn die Hausbank den Disporahmen gnadenlos gestrichen hat. Diese Chance nutzen zunehmend auch gutsituierte Kunden. „Pfandleihhäuser haben eine große Zukunft“, sagt deshalb Joachim Struck, der Vorsitzende des Zentralverbandes des Deutschen Pfandkreditgewerbes.

DEUTSCHE HOTELIERS

3000 Euro für den Asien-Trip? Da ziehen die Deutschen in der Krise doch den preisgünstigen Urlaub im eigenen Land vor. Ferienregionen wie das Tegernseer Tal oder der Bayerische Wald melden gegen den Trend Zuwächse. Die Vorbuchungen seien „erstaunlich gut“, heißt es beim Deutschen Tourismusverband.

BUCHHÄNDLER

„Der Umsatz ist seit Januar um rund zwei Prozent gestiegen“, freut sich Gottfried Honnefelder vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. „Gute Lektüre lenkt die Menschen von den Problemen im Alltag ab“, meint er.

SCHMUCKHERSTELLER

Sie setzen darauf, dass Verbraucher ihr Geld statt in unsicherer Wertpapiere lieber in krisensicheres Gold investieren. Stephan Lindner vom Münchner Juwelier Fridrich berichtet über gute Verkaufszahlen – und von der Hoffnung, als „Gewinner aus der Krise hervorzugehen“.

HAUSBESITZER

Vor allem in den süddeutschen Ballungszentren wird wenig gebaut, Wohnraum wird knapp. Eigenheimbesitzer dürfen darauf setzen, dass die Preise für Betongold, nachdem sie im letzten Jahr gefallen sind, wieder steigen werden. Auch Eigenheimkäufer haben Grund zur Freude. Sie müssen für ein zehnjähriges Hypotheken-Darlehen nur 3,5 bis 4,5 Prozent Zinsen zahlen.

SPARKASSEN

Bodenständigkeit zahlt sich aus. Anders als die Landesbanken ließen kleine Kreditinstitute wie Sparkassen, Volks- oder Raiffeisenbanken die Finger von riskanten Anlagen. Das sichert ihnen solide Erträge trotz erodierter Finanzmärkte – und mehr Kunden.

SCHNELLRESTAURANTS

Schnelles Einheitsessen ist der kulinarische Ausdruck der Krise. McDonalds meldete im Februar fünf Prozent mehr Umsatz. Die Branche der Schnellrestaurants will 2009 ihre Umsätze um sieben Prozent steigern.

INSOLVENZVERWALTER

Die Zahl der Pleiten steigt, und damit der Bedarf an Fachleuten, die ein Unternehmen mit dem geringsten Schaden für alle Beteiligten abwickeln können. Mitte bis Ende des Jahres erwartet der Berufsstand den Scheitelpunkt der aktuellen Pleitewelle.

ZEITARBEITS-FIRMEN

Zwar geben BMW, MTU und andere Unternehmen ihren Leiharbeitern zurzeit den Laufpass. Trotzdem sehen sich die Personalvermieter als Gewinner der Krise. Sie schärfe bei den Personalchefs das Bewusstsein dafür, wie wichtig es sei, Personal flexibel einsetzen zu können, sagen sie.

FINANZEXPERTINNEN

Anlageberaterinnen und Bankerinnen suchen nicht so sehr wie ihre männlichen Kollegen den Super-Kick, die ultimative Gewinnchance, sondern investieren vorsichtiger. Die konservativere Grundhaltung, in einigen Studien untersucht und belegt, verhilft weiblichen Finanzspezialisten in Krisenzeiten zu einem besseren Image. Der britische Wirtschaftswissenschaftler John Coates formuliert das so: „Wenn die Risikopräferenz teilweise von den Hormonen bestimmt wird, müssten die Banken zur Risikoreduzierung für einen besser durchmischten Handelsraum sorgen.“

Susanne Stephan

 

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