Geld Chinesischer Automarkt: Hoffen auf die gelbe Gefahr

Traumballett: Tänzerinnen peppen den Stand des Autobauers BYD („Build Your Dreams“) auf der Auto China optisch auf. Foto: abendzeitung

China mausert sich zum wichtigsten Automarkt der Welt. Westliche Hersteller setzen auf eine zahlungskräftige Kundschaft, chinesische Autobauer schnappen sich West-Hersteller.

 

PEKING Radfahren in Peking? Besser nicht. Radler gibt es kaum noch in der chinesischen Hauptstadt, der einstigen Zweirad-Metrople. Der moderne Pekinger fährt Auto, drängelt die wenigen Radler ruppig hupend zur Seite, und lässt sich seinen automobilen Spaß einiges kosten.

China ist der wichtigste Automarkt der Welt geworden. Im Jahr drei nach Beginn der Finanzkrise ist das Land der Billiglöhne und Produktpiraten immer noch der Schrecken westlicher Manager – aber gleichzeitig ihre Hoffnung. In Scharen pilgern Vorstände zurzeit zur Auto China. Die Pekinger Messe, in früheren Jahren eine Exotenveranstaltung mit unbekannten Herstellern und grotesken Imitationen westlicher Modelle, ist dabei, ihrer Konkurrenz in Frankfurt, Genf und Detroit den Rang streitig zu machen.

2009 wurden in dem Land 13 Millionen Pkw verkauft, 2018 erwarten Experten knapp 20 Millionen Autos. Porsche, Lamborghini, Ferrari - alle haben sie ihre Dependancen in China. BMW verkauft in keinem anderen Land der Erde mehr 7er. Den 7er gibt's natürlich für China in der Langversion als Chaffeurwagen, genauso wie den neuen 5er, den die Münchner auf der Autoschau zeigen.

Aber es fließt nicht nur Honig und Milch in China. Die heimischen Hersteller starten zurzeit selbst durch, präsentieren ihre Modellpremieren auf der Auto China zum Teil gleich im Dutzend. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die chinesischen Autobauer mit abgekupferter und selbst entwickelter Technologie die deutschen Industrie das Fürchten lehren.

Und sie drängen auf westliche Märkte: Der Hersteller Geely (chinesisch für „vielversprechendes vorteilhaftes Automobil“) hat sich den Premiumhersteller Volvo geschnappt, der staatseigene BAIC-Konzern kam zwar nicht bei Opel zum Zug, aber bei Saab – mal sehen, was als Nächstes kommt. Geld spielt für die Chinesen keine Rolle, weil die Regierung, kommod ausgestattet mit einem dicken Devisen-Polster, Neuentwicklungen großzügig fördert.

Ein Menetekel für westliche Konzerne ist BYD („Build Your Dreams“ - „Baue Deine Träume), ursprünglich ein Hersteller von Akkus. BYD ist erst 2003 ins Autogeschäft eingestiegen, will aber bis 2025 der größte Pkw-Fertiger der Welt sein. Unternehmenschef Wang Chuanfu, ein Arbeitersohn aus der bettelarmen Provinz Wangjiazui, hat es schon zu einem Vermögen von 5,1 Milliarden Dollar gebracht. Er glaubt an seinen Erfolg – und findet auch im Westen Anhänger. US-Investor-Legende Warren Buffet hat sich mit 232 Millionen Dollar an BYD beteiligt.

S. Stephan

 

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