Geheimtipp in der Lagune Lignano: Die kleine Schwester von Venedig

Kochen kann er auch: Natur-Touristiker Adriano Zentilin serviert seinen Gästen Spaghetti mit frischen Venusmuscheln. Foto: Heiner Sieger

Lignano ist ein einzigartiges Naturreservat, dass sich vor allem in der Nebensaison mit Rad und Schiff wunderbar erkunden lässt.

Lignano - Sanft gleitet die „Stella Polare“ durch die flache Lagune von Marano. Stille liegt über dem Wasser - nur unterbrochen von den Lauten der Natur: Eiliges Flügelschlagen, der Schrei eines Reihers, plätschernde Wellen, das Rauschen des Schilfs im Wind. Adriano Zentilin, der Kapitän des Schiffs, reicht sein Fernglas an die Fahrgäste weiter. Auf einem Poller im Wasser hat er einen Sumpffalken entdeckt.

„Dieser Teil der Lagune war früher ein bevorzugtes Jagdrevier von Privatleuten, doch dank des Einsatzes der Gemeinde Marano und des World Wildlife Fund (WWF) können wir uns heute an einem einzigartigen Naturschutzgebiet erfreuen und solch seltene Vögel entdecken“, erzählt er. Heute brüten und leben in der 1413 Hektar großen Schutzzone hunderte Vogelarten wie Schellenten, Eistaucher, Kormorane, Höckerschwäne, der Kiebitzregenpfeiffer, der Alpenstrandläufer und der Knut.

Zwischen Festland und Meer haben Wind und Gezeiten an der nördlichen Adriaküste ein Gewirr von Inseln und Wasserläufen geformt, ein seltenes und kostbares Biotop für Pflanzen und Tiere. Der feine Sand, aus dem auch der goldfarbene Strand des Badeortes Lignano Sabbiadoro besteht, bildet die unzähligen Inselchen und Sandbänke der Lagune auf der dem Meer abgewandten Seite der Halbinsel von Lignano.

In der vielgestaltigen Übergangszone vom Land zum Wasser, dessen Temperatur und Salzgehalt stark variieren, hat sich ein artenreiches Ökosystem etabliert. Zwei Naturschutzgebiete bewahren die einmalige Vielfalt an Flora und Fauna. Das Reservat von „Valle Canal Novo“ erstreckt sich über eine ehemalige Fischerlagune und ist auch auf dem Landweg zu besichtigen. Nur auf dem Wasserweg erreichbar ist das Naturreservat „Foci dello Stella“ – das Mündungsgebiet des Flusses Stella.

Die Mündung eines „Risorgiva“ - eines in der Lagune hervorquellenden Süßwasserflusses - ist ein in der Adria einzigartiges Phänomen. Darum darf dieses Biotop auch nur von wenigen Booten befahren werden. Auf dem Festland führen auch Radwege entlang des grünen und gewundenen Stella- Bandes über Wiesen und Felder zu bäuerlichen Landgasthäusern und Agrotourismo-Höfen wie die Trattoria al Cacciatore.

Hier schmeckt auf einer Rast natürlich der vorzügliche Fisch. Aber es lohnt sich, auch die ehrliche und deftige Kost der Region Friaul zu probieren, wie „Oros et Fagiolino" (Bohnensuppe mit Gerste), „Frico" (geschmolzener Käse der Region mit Kartoffeln) oder „Tortelline Ciarcions" (eine Art Maultaschen mit Fisch-, Käse- oder Gemüsefüllung). An der Strecke, kurz bevor der Fluss in die Lagune mündet, liegt Palazzolo dello Stella.

Mit ein wenig Glück erlebt man hier inmitten einer Natur von seltener Schönheit das beeindruckende Senknetz an der„Bilancia di Bepi“ in Aktion. Das ist ein Pfahlbau auf dem Fluss, mit einem riesigen Fischernetz (25 m x 25 m), das von einem Elektromotor abgesenkt und wieder aus dem Wasser gehoben wird. Die Fischerei ist für Daniele, den Besitzer, eine Familientradition: schon sein Großvater Bepi hat jahrelang mit dem "Bilancione" gefischt, einem Angelsystem, das für das Flusswasser besonders umweltfreundlich ist.

„Der alte Bepi war für all jene, die den Fluss Stella besuchten, eine Institution, darunter auch Ernest Hemingway, der damals als Jäger die Lagune besonders liebte“, erzählt Adriano als unsere Stella Polaris die Bilancia passiert. Unser Glück, dass Adriano einer der Wenigen ist, der eine Lizenz für den Zugang zu diesem maritimen Kleinod hat. Während wir noch den Falken und andere Vögel beobachten, hat Kapitän Adriano das Tempo des Schiffs gedrosselt.

Mit einem Schlag haben wir eine ganz eigene Welt erreicht: Vor uns tauchen, hinter Tamarisken und Pappeln versteckt, mehrere alte Fischerhütten auf. Mit ihrem steilen Schilfdach und der luftigen Veranda erinnern die Pfahlbauten fast mehr an die Südsee, als an das Mittelmeer. Bis in die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren diese „Casoni“ - von denen es nur noch 41 gibt - der Rückzugs- und Ruheort für die Fischer auf ihrem Rückweg vom offenen Meer in den Heimathafen nach Marano im Innern der Lagune.

Denn bis sich der Außenbordmotor durchsetzte, kamen die Fischer aufs Meer hinaus und wieder zurück nur durch kräftiges rudern. Vor allem bei ungünstiger Witterung boten diese aus Holz und Schilf gebauten Hütten ihnen Unterschlupf. „Die Kunst, sie zu bauen und vor allem die Dächer zu pflegen, wird noch heute unter den Fischern von Generation zu Generation weitergegeben“, erzählt Adriano.

Er entstammt selber einer alten Fischerfamilie in Marano. Das Gebiet des „Wasserdorfs“, wie die Einheimischen Marano Lagunare auch nennen, besteht zum größten Teil aus Röhricht, Untiefen – so genannte „barene“ - und Kanälen. Die Einwohner sind von je her dem Fischfang, dem Meer und der Lagune eng verbunden. 3000 Einwohner hat der kleine Ort - und noch heute mehr als 200 Fischerboote. Die putzigen Häuschen liegen in einer Biegung des Flusses Stella, auf halbem Weg zwischen Marano und dem offenen Meer, dass bei Lignano beginnt.

Sie sind Eigentum der Gemeinde Marano und werden nur an Einheimische verpachtet. Fremde haben keine Chance, hier einmal einen romantischabgeschiedenen Urlaub zu verbringen, das macht der Gastgeber schnell klar: „Ich verleihe eher meine Frau als meine Casoni zu vermieten“, bescheidet Adriano entsprechende Fragen kurzerhand mit einem seltsam verkniffenen Gesichtsausdruck. Dabei ist der 50-Jährige, der eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem US-Schauspieler Roy Scheider („Der weiße Hai“) hat, ansonsten ein stets gut aufgelegter und fröhlicher Zeitgenosse.

Und nicht nur das: Er ist der wohl bekannteste Liebhaber und Botschafter der Lagune von Marano, der kleinen Schwester von Venedig – und das mit jeder Faser. Schon als Kind hat er seinen Vater Domenico während der Sommerferien in der „Batela“ einem kleinen flachen Boot zum Fischfang in die Lagune begleitet und später als Fischer selber in allem möglichen Winkeln die Netze und Reussen ausgeworfen.

Vor rund 20 Jahren sagte er dem Leben als Fischer jedoch „Arrivederci“ – und engagierte sich – inspiriert von seinem Onkel Geremia im Öko-Tourismus. Heute ist er mit seinen Booten „Saturno“ und „Stella Polaris“ Kapitän, Koch und Lehrer in einer Person: jedes Jahr schippert er mehr als 100 Schulklassen und zunehmend auch Touristen durch die Lagune und zu den Casoni. Dort startet dann die professionelle wie unterhaltsame „Adriano-Show“.

In seinem privaten Paradies, der von Onkel Geremia geerbten und für Gruppen ausgebauten Schilfhütte, steigt der Vater von drei Kindern auf den Tisch, erzählt vom harten Fischerleben und der Faszination der Lagune, stellt den Schülern Fragen und stimmt auf der Gitarre die fröhlich-melancholische Balade der „Madonna del Mare“ an, das bekannteste Fischerlied der Region: „Madonina del Mare, vergiss mich nicht, ich muss weiter rudern, aber meine süßesten Gedanken sind immer bei Dir...“.

Dann flitzt er in die Küche und kommt zurück mit leckeren Anchovi-Bruschette, frisch aufgeschnittener Salami, gegrillten Sardinen und einem oder auch mehr Bechern Malvasier. „Ganz leicht, ehrlich“, grinst er und hebt beschwörend die Hände. Mit seinem goldenen Handgelenk-Kettchen, der Sonnenbrille im Haar, seinem charmanten Lachen und der ausladenden Gestik könnte er in dem Moment kaum „italienischer" sein.

Doch Adriano kann das Italo-Feeling noch steigern: spätestens wenn er in einer zweiten Runde die Pasta mit frischen Venusmuscheln und den süffigen Merlot serviert hat. Während die Gäste noch die letzten Muscheln vom Teller picken oder schon beim Grappa angekommen sind, greift Adriano wieder zur Gitarre und schmettert „O sole mio" - so mitreißend, dass man gerade nirgendwo anders auf der Welt sein möchte als in seinem gemütlichen Pfahlbau, im Herzen der Lagune.

Infos & Termine

Das Besucherzentrum in Marano Lagunare (www.riservenaturali.maranolagunare.com, centrovisite@maranolagunare.com) ist ganzjährig geöffnet und bietet geführte Touren, Birdwatching und Bootsausflüge an. Einen Teil der Lagune von Marano und das Mündungsgebiet des Flusses Stella kann man auch auf gut ausgebauten Radwegen von Lignano aus erkunden.

Start Lagunen-Kreuzfahrt Bis Mitte Juni und ab September um 10 Uhr ab Marano, danach bis September Abfahrt um 9.45 Uhr am Hafen Darsena Porto Vecchio in Lignano, Dauer ca. drei Stunden. http://www.saturnodageremia.it/deu/route.htm

Alle Informationen zu Buchungen, Preisen sowie weiteren Sportmöglichkeiten, Veranstaltungen und Ausflügen unter http://www.lignanosabbiadoro.it/de/

Welcome-Day in Lignano Sabbiadoro, 17. Mai

Köstliche Menüs zu Sonderpreisen in den Restaurants, Happy Hours in Bars und Lokalen sowie Preisnachlässe bis zu 30 Prozent in den Shops der Fußgängerzone. Wer am Wochenende vom 16. bis 18. Mai ein Zimmer bei den teilnehmenden Hotels (www.lignanoholiday.com) bucht, erhält die Übernachtung vom 17. Mai kostenlos – ohne Beschränkung der Personenzahl.

28. Biker Fest International, Lignano Sabbiadoro, 15. – 18. Mai

Sonne, Strand und Motorräder – Das Mekka der Motorradfans in Italien lockt mit hunderten Meisterwerken der besten Umbauer von Custombikes aus Italien und ganz Europa. www.bikerfest.it

San Vio Fest, Marano Lagunare, 15. Juni

Eine traditionelle Mischung aus Religion, Kultur und Folklore zeichnet dieses Fest aus, das bei Einheimischen wie Touristen gleichermaßen beliebt ist. www.comune.maranolagunare.ud.it

Konzert-Freikarten

Über die Aktion „MUSIC & LIVE“ erhalten Gäste bei Übernachtung in Friaul Julisch Venetien eine Freikarte für viele Livekonzerte in diesem Sommer: 20. Mai: Johnny Winter; 14. Juni: Pat Metheny Group; 22. Juni; Pearl Jam; 27. Juni: Manu Chao; 27. Juli: Bastille; 29. Juli: Simple Minds; 31. Juli: Franz Ferdinand. www.musicandlive.it

 

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